Die vermessene Frau

Hysterien um 1900
1. Aufl. 2001, 233 Seiten, kart.
ISBN: 978-3-7705-3568-2
EUR 45.90 / CHF 56.00

Informationen zum Buch

Im fin de siècle beschäftigen sich nicht nur Literatur und darstellende Kunst, sondern ebenso die Wissenschaften mit dem brisanten Geschlechterverhältnis ihrer Zeit. Wie unter einem Brennglas können wir heute sehen, wie die Moderne mit zentralen Irritationen und Erschütterungen umgeht, welche Phantasien, Bedrohungsszenarien und Ästhetisierungen, welche Abwehr- und Bewältigungsformen sie hervortreibt. Die Aufhebung tradierter Geschlechterdifferenz bedroht die Zeitgenossen. Angst, Lust und Abwehr finden sich in Phantasmen der Weiblichkeit; ästhetisiert in der Literatur, sublimiert im künstlerischen Ausdruck, formalisiert im Strafrecht und rationalisiert in Medizin und Anthropologie.

In ihrer kulturanalytischen Untersuchung zeigt Franziska Lamott wie das Anschwellen des Hysteriediskurses und die massenhafte Zunahme der weiblichen Hysterie mit der steigenden Angst vor der Veränderung vertrauter Weiblichkeitsbilder und der Auflösung herrschender Geschlechterdifferenzen korrespondieren. Das Konstrukt der Hysterie übernimmt dabei die Funktion eines Containers, in dem die frei flottierenden und irritierenden Zeichen von Weiblichkeit aufgefangen werden und dadurch ihre bedrohliche Ambivalenz verlieren. Indem die Hysterie das Feld der Abweichung markiert, strukturiert und normiert sie erneut die Differenz der Geschlechter.