Parodie und Pathos

Heldensagenrezeption in der historischen Dietrichepik
1. Aufl. 2002, 235 Seiten, kart.
ISBN: 978-3-7705-3669-6
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Informationen zum Buch

Obwohl die Autoren der historischen Dietrichepik des 13. Jahrhunderts auf ein identisches Stoffreservoir zurückgreifen konnten, fallen die Ergebnisse ihrer Heldensagenrezeption recht verschieden aus. Ein durchgängiges Spezifikum heroischen Handelns oder ein heroisches Ethos fehlt mit Ausnahme von "Alpharts Tod", wo es allerdings der Wahrung einer höfisch-ritterlichen Ethik dient, fast völlig, dem Publikum scheint es fremd geworden zu sein. Im "Buch von Bern" und der "Rabenschlacht" dient das ursprünglich aus der Erkenntnis tragischer Unausweichlichkeit erwachsende heroische Pathos der Darstellung eines bereits weitgehend individualisierten Gefühlsempfindens. Dagegen nutzt der Autor von "Biterolf und Dietleip" die Heldensagen- überlieferung als Referenzrahmen zur Erzielung komischer Effekte, ohne damit ihre normgebende Funktion in Frage zu stellen. Sowohl das sentimentale Pathos als auch die parodistische Komik sind letztlich nur vor dem Hintergrund eines sich im 12. und 13. Jahrhundert entwickelnden neuen Ich-Bewußtseins zu erklären und erweisen sich so in ihrer späten heldenepischen Ausprägung als komplementäre Formen der Subjektivierung von Literatur.