1. Aufl. 2006, 281 Seiten, kart.
ISBN: 978-3-7705-4199-7
EUR 48.90 / CHF 59.70
erschienen in der Reihe:
Band: 35

Informationen zum Buch

Die Spannweite der Interessen und Werke des Veroneser Arztes, Naturforschers, Philosophen und Gelehrten Girolamo Fracastoro (1476/78?-1553) ist außerordentlich breit. Er verfaßte Schriften zur Kosmologie (Homocentrica, 1538) und zur Medizin (De syphilide, 1530; De contagione, 1546), er entwarf eine auf spirituelle Erklärungen verzichtende Naturphilosophie (De sympathia et antipathia rerum, 1546), entwickelte eine sensualistische Erkenntnistheorie und verfaßte eine einflußreiche Poetik (Naugerius sive de Poetica, 1546). Berühmt wurde er insbesondere für seine Studien zu Ansteckungskrankheiten und zur Syphilis, der er den Namen gab. Der Dialog Turrius sive de intellectione entwickelt eine als sensualistisch zu charakterisierende Erkenntnislehre unter Berücksichtigung gehirnphysiologischer Prozesse. Die Frage ist, wie es im Ausgang von sinnlichen Eindrücken zur komplexen "Welt im Geist" kommen kann. Ausgangspunkt ist zunächst die De anima-Schrift des Aristoteles, die durch eine Ausarbeitung der Theorie der inneren Sinne wesentlich ergänzt und modifiziert wird. Zentral sind diesbezüglich die epikureisch-ciceronianische Lehre von der "subnotio", einem präreflexiven Erkenntnismodus, und eine eingehende Theorie des Gedächtnisses. Fracastoro begründete die Herkunft aller Begriffe und Urteile aus der Erfahrung und kritisierte die aristotelische Lehre vom Intellekt ebenso wie den platonischen Ideenrealismus. Behandelt werden ferner instinktives Verhalten und Willensbestimmungen, die Ursachen von Charakter-eigenschaften und Melancholie, Delirien und Trauminhalten.