Beobachtungen der Moderne

In Hermann Brochs "Die Schlafwandler" und Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften". Rhetorische und narratologische Aspekte von Interdiskursivität
1. Aufl. 2005, 434 Seiten, kart.
ISBN: 978-3-7705-4221-5
EUR 75.00 / CHF 91.50
erschienen in der Reihe:
Band: 35

Informationen zum Buch

Die Romane Brochs und Musils stehen zu Unrecht im Ruf, nicht narrativ, literaturfern, vorrangig theoretisch oder sogar Thesenromane zu sein. Anhand eines rhetorischen und narratologischen Instrumentariums deckt Gunther Martens erstmals systematisch die erzähltechnische Kreativität auf, die beide Autoren zu bieten haben. Eine bisher unbekannte Bedeutung gewinnt dabei die Ebene der Erzählvermittlung. Dazu wird nachgewiesen, dass Auktorialität sich nicht länger mit Autorintentionalität oder mit den spekulatären Fällen von Allmacht oder Allwissen gleichsetzen lässt, sondern vielmehr rhetorische und narrative Textstrategien umfasst, mit denen die Perfomativität von Aussage- und Wahrnehmungsakten inszeniert wird. Die Untersuchung stellt diese als interdiskursiv charakterisierte Erzählvermittlung gleichzeitig in einen größeren theoretischen Zusammenhang, indem Brochs und Musils unterschiedliche Modernitätsauffassungen und -beobachtungen vor dem konzeptuellen und epistemologischen Hintergrund der Debatte zwischen der Kritischen Theorie und der so genannten "affirmativen" Systemtheorie Niklas Luhmanns situiert werden. Über die Broch- und Musil-Lektüre hinaus bietet die Untersuchung zahleiche Anregungen zu einer Erzählrhetorik der overt narration und innovative Einsichten in das Verhältnis von Literatur und Philosophie, von (literarischer) Ideologiekritik und Systemtheorie.