Abstraktion und Einfühlung

Ein Beitrag zur Stilpsychologie
1. Aufl. 2007, 179 Seiten, Franz. Broschur
ISBN: 978-3-7705-4434-9
EUR 26.90 / CHF 33.80

Informationen zum Buch

Wilhelm Worringer gehört zu den bedeutendsten Kunsthistorikern der frühen Moderne in den deutschsprachigen Ländern und darüber hinaus. Seine über Jahrzehnte hinweg in zahlreichen Auflagen erschienene Dissertation Abstraktion und Einfühlung (Bern 1907), in der die gesamte Kunstentwicklung der Menschheit im Widerstreit der beiden im Titel genannten psychologisch motivierten alleinigen Anschauungsformen betrachtet wird, erlangte immense Bedeutung vor allem unter Künstlern und Architekten. Eine ganze Intellektuellengeneration, die sich später als ›Expressionismus‹ zusammenfassen lassen sollte, August Macke, Franz Marc und Wassily Kandinsky voran, gab Worringers Thesen einen programmatischen Status. Die enorme Resonanz und Rezeption hielt an bis zum Ende der 20er Jahre. Nach 1945 gab es einen erklärbaren Nachholbedarf in der Rezeption von Abstraktion und Einfühlung, die sich aber bald wieder verlor. Erst in den 1990er Jah- ren flammte das Interesse wieder auf, zuerst weniger in Deutschland, sondern in Frankreich und in den USA sowie in den vom Kommunismus befreiten osteuropäischen Ländern. Mit der Ausgabe seiner Schriften (2004 im Fink Verlag München) rückte Worringer auch wieder in Deutschland in den Blick.

 

"Daß eine Dissertation über einen Zeitraum von hundert Jahren in mehreren Sprachen fast ununterbrochen als Buch verfügbar ist, kommt sehr selten vor. Dies ist der Fall der Schrift Abstraktion und Einfühlung: Ein Beitrag zur Stilpsychologie von Wilhelm Worringer, der sie 1907 an der Universität Bern vorgelegt hatte. Der Dissertationsdruck gelangte in die Hände des Schriftstellers Paul Ernst, der, ohne zu bemerken, daß diese Arbeit nicht auf dem Buchmarkt zu haben war, eine Besprechung in der Zeitschrift "Kunst und Künstler" veröffentlichte, woraufhin sich der Piper Verlag im darauffolgenden Jahr zur Veröffentlichung entschloß. Übersetzungen in mehrere Sprachen folgten, und nur selten war das Buch nicht lieferbar. Das Verzeichnis der Namen von Schriftstellern und Künstlern, auf die das schmale Buch Einfluß ausgeübt haben soll, ist lang. Worringers Buch entstand im Augenblick des plötzlichen Aufblühens der expressionistischen Bewegung, zwei Jahre nach Gründung der Dresdner "Brücke", und die Spuren seiner Gedanken lassen sich nicht nur bei Emil Nolde und Ernst Ludwig Kirchner, sondern auch noch in Carl Einsteins Buch "Negerplastik" nachweisen. Der Einfluß reichte sogar weit über Deutschland hinaus nach England und in den letzten Jahrzehnten bis in die Vereinigten Staaten, wo er sich mit Tendenzen im New Criticism traf."

Henning Ritter in der FAZ anläßlich der Neuauflage von Abstraktion und Einfühlung.