Mythologisierte Gegenwart

Deutsches Erleben seit 1933 in antikem Gewand
1. Aufl. 2008, 240 Seiten, Festeinband mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7705-4670-1
EUR 34.90 / CHF 42.60

Informationen zum Buch

Der oft erwähnte heutige »Antike-Boom« reicht in Deutschland eigentlich bis in die 1930er Jahre zurück, als die warnende Stimme Kassandras und das tragische Schicksal der Atriden von mehreren Dichtern und Dra­matikern des Exils und der inneren Emigration als ver­kappte Modelle für die eigene und die nationale Exis­tenz übernommen wurden.

 

Seitdem treten in der deutschen Literatur, auffallend häufiger als in anderen europäischen Kulturen, Gestalten aus der griechischen Mythologie sowie der römischen Geschichte als prä- oder postfigurierte Modelle für gegenwärtiges Ge­schehen auf. Odysseus entpuppte sich als Urtypus des heimkehrenden Soldaten und der Dichter Ovid als Ahne des modernen Emigranten. Prometheus wurde in der DDR zum symbolischen Helden und dann paradoxerweise zum Feind des Marxismus, während in der BRD der Philosoph Seneca drei verschiedenen Nachkriegsgenerationen ein anderes Muster des moralischen Benehmens bot. In der Gegenwart des wiedervereinten Deutschlands ist Medea zu einer Ikone des Feminismus geworden. So erblicken vie­le deutsche Schriftsteller in diesen mythologischen und his­torischen Gestalten durch Verfremdung der Gegenwart oder durch implizite Analogie zur Vergangenheit das im­mer noch vitale Erbe der klassischen Antike.

 

Aus dem Inhalt:

 

 

1. Einleitung

 

 

2. »Europa, der Atriden ewiges Erbe«

 

 

3. Odysseus Polytropos

 

 

4. Prometheus Proletarius

 

 

5. Ovidus Exul

 

 

6. Seneca Philosophus

 

 

7. Medea Ferox Invictaque?

 

 

8. Ausblicke