Infirmarien - Kranken- und Sterbehäuser der Mönche

Eine architekturhistorische Betrachtung der Infirmariekomplexe nordenglischer Zisterzienserklöster
1. Aufl. 2010, 396 Seiten, Festeinband
ISBN: 978-3-7705-4729-6
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erschienen in dem Werk:
Band: 19

Informationen zum Buch

In der Infirmarie lebten kranke und altersschwache Mönche in einem von der engeren Klausur abgetrennten Bezirk: einer eigenen kleinen Klosteranlage, in der sich alle im klösterlichen Alltag wichtigen Funktionsräume wie Schlafsaal, Kapelle, Küche, Latrinen und Kreuzgang wiederfanden. Die zahlreichen Regelerleichterungen machten den Infirmariebereich zu einem bevorzugten Ort in der Klosteranlage, der - trotz aller Vorkehrungen - nicht nur von wirklich kranken und im Sterben liegenden Brüdern, sondern immer wieder auch von Simulanten aufgesucht wurde. Aufgrund der Annehmlichkeiten war es daher kein Zufall, dass Abtshäuser schon früh im baulichen Zusammenhang mit Infirmariegebäuden errichtet wurden. Diese Quartiere wurden bald um den Anbau von Unterkünften für höhergestellte Gäste erweitert, deren standesgemäße Versorgung so - mit Nähe zur Fleischküche - gewährleistet war. Im 13. und 14. Jahrhundert wurden die Infirmariebereiche zumeist durch aufwendige Baumaßnahmen erneuert, und mit sinkender Zahl der im Kloster lebenden Mönche trat ihre Bedeutung als Abts- und Gästeresidenz zunehmend in den Vordergrund.

 

Die Einrichtung von Infirmarien (lat. infirm = schwach, krank) ergibt sich bereits aus der Benediktsregel. Schon in diesem Regelwerk des 6. Jahrhunderts wird kranken Brüdern ein eigener Raum zugestanden. Berücksichtigt man die Bedeutung der Infirmarie als Ort des Sterbens des im Kloster ritualisierten Übergangs in die Ewigkeit, ergibt sich, dass die Infirmarien nicht wie bislang als periphere Bauten einzustufen sind. Es handelt sich vielmehr bei den Infirmariebaulichkeiten um bedeutende, der Klausur zuzuordnende Funktionsräume, die schon bei der Konzeption der Klosteranlagen Berücksichtigung fanden.

 

Ausgehend von englischen Zisterzen werden die jeweils im Osten der Klosteranlagen erbauten Infirmariebereiche detailliert untersucht.