Poetischer Fetischismus

Die Macht der Dinge im 19. Jahrhundert
1. Aufl. 2013, 486 Seiten, kart.
ISBN: 978-3-7705-5042-5
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Informationen zum Buch

Im 19. Jahrhundert, dem »Jahrhundert der Dinge«, vervielfältigen sich die Objekte, mit denen Europäer umgehen, durch fortschreitende Industrialisierung, die Ausweitung des Warentauschs sowie koloniale Ausbeutung in einem enormen Ausmaß. Tausch, Raub und Zirkulation lassen die Dinge aus ihren angestammten Kontexten heraustreten und konfrontieren die Menschen mit Phänomenen der Entortung, Vermischung und Fremdheit. Kehrseite eines beunruhigenden Fremdwerdens der Ordnung der Dinge ist dabei eine neue Faszination für die Glücksversprechen und magischen Dimensionen der (Waren-)Dinge, ihr Sinn und Identität stiftendes Potential, das an die Stelle religiöser und metaphysischer Orientierungen rückt. 
Diagnosen und Theorien des Fetischismus, die in den zeitgenössischen Wissenschaften wie im Alltagsdiskurs eine bemerkenswerte Konjunktur erleben, dokumentieren ein Bemühen, die bedrohliche Macht der Dinge zu bannen, indem diese Akteuren und kulturellen Praktiken zugeschrieben wird, die als anders, abweichend, fremd oder abnorm klassifiziert werden. 
Literarische Texte reflektieren den Kult der Dinge auf vielfältige Weise: Herzensdinge und Beutestücke, geschätzte und verworfene Objekte, Ding-Belebung und Verfahren der Mortifikation und Verdinglichung werden unterschieden, aber auch enggeführt, wodurch ihre strukturellen Zusammenhänge hervortreten. 

Bischoffs Studie untersucht kanonische und weniger kanonisierte Texte daraufhin, wie sie an den im Kontext von Kolonial- und Genderdiskurs, Kapitalismuskritik, Psychopathologie und Antisemitismus formulierten Fetischismus-Diagnosen teilhaben, indem sie diese präfigurieren und imitieren, dabei aber zugleich ihre Funktionsweisen zur Schau stellen und unterlaufen. 
Die poetische Produktivität, die sich mit dem Kult der Dinge verknüpft, liegt, wie gezeigt wird, darin, dass Konstruktionen von Eigenem und Fremdem, korrekter und korrupter Objektbeziehung, wahrem Ding und Warending, als solche inszeniert werden und so Performativität und Materialität kultureller Symbolisierung lesbar werden. 

Pressestimmen

Literaturkritik.de, 05.08.2014

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