Bild-Anthropologie

Entwürfe für eine Bildwissenschaft
4. Aufl. 2011, 278 Seiten, Franz. Broschur
ISBN: 978-3-7705-5221-4
EUR 33.90 / CHF 41.40
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Informationen zum Buch

Bildfragen haben heute eine allgemeine Aktualität gewonnen. Sie entzünden sich auch an der Kontroverse, ob digitale Bilder noch in die bekannte Geschichte der Bilder gehören. Die bildgebenden Verfahren der Naturwissenschaft oder die Visualisierung von Information sorgen für neue Diskussionen. Und doch fehlt immer noch eine allgemeine Bildwissenschaft, die sich solchen Fragen in einem interdisziplinären und, wenn möglich, in einem interkulturellen Rahmen widmete. Sie wäre anders orientiert als die Medienwissenschaft, so sehr diese auch Bildmedien untersucht, und die Kunstwissenschaft, aus welcher der Verfasser kommt. In seinem bekannten Buch »Bild und Kult« hat Hans Belting vor zehn Jahren die Bildgeschichte, die wir noch nicht haben, in ihrem Profil sichtbar gemacht. Im vorliegenden Band verfolgt er diesen Weg konsequent weiter. Die Beiträge, die alle für diese Publikation neu geschrieben wurden, gehen das Thema der Bildes von verschiedenen Seiten an, um es in seiner ganzen Komplexität sichtbar zu machen. Deswegen auch der weit gesteckte Rahmen vom Totenkult des alten Orients bis zur Photographie und zur virtuellen Realität in den heutigen Medien.
Der Bildbegriff, wenn man ihn an seiner Wurzel packt, rechtfertigt sich letztlich nur als ein anthropologischer Begriff. Er läßt sich nicht von dem Doppelsinn trennen, den wir ihm geben, wenn wir ebenso von mentalen Bildern sprechen wie von den Artefakten der künstlerischen und technischen Bildproduktion. Die Interaktion zwischen Imagination und Bild-Technologie ist daher von Hause aus ein anthropologisches Thema. Das Schauspiel der Bilder ist in der Geschichte der Bildmedien immer wieder neu eingerichtet worden. Im vorliegenden Band erfährt die Bildpraxis als solche mehr Aufmerksamkeit, als sie in einer rein technologischen Sicht finden würde. Und dennoch lassen sich Bild und Medium, im Sinne eines Trägermediums der Bilder, nicht trennen. Schon im frühen Totenkult entstanden die Bilder als alternative Verkörperungen der Toten, weshalb sie auf ein eigenes Trägermedium angewiesen waren. Deshalb gehört die Bildgeschichte zur Körpergeschichte, wenn man darunter eine Kulturgeschichte des Körpers, aber auch eine Geschichte der Wahrnehmung als körperlicher Aktivität versteht. Unter dem Titel »Der Ort der Bilder« wird die Frage nach dem Körper als einem lebenden Medium in einem erweiterten Rahmen noch einmal gestellt. Im Beitrag zum »Körperbild als Menschenbild« räumt der Verfasser mit dem verbreiteten Missverständnis