Die Vielstimmigkeit der Philosophie

1. Aufl. 2012, 183 Seiten, kart.
ISBN: 978-3-7705-5397-6
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Informationen zum Buch

Martin Heidegger hat den Nihilismus, den Nietzsche diagnostiziert hatte, als Problem gefasst; so sollte dieser zu einem anderen Anfang führen. 
Der Philosoph Erich Rothacker brachte in den Austausch mit Heidegger die konkrete politische Geschichte ein; Ranke wurde nicht mehr abgewertet, wie es seit den Invektiven des Grafen Yorck, des Gesprächsfreundes von Dilthey, geschah. Rothackers Bonner Kollege Oskar Becker, der Mathematiker und Mitschüler Heideggers bei Husserl, stellte vor das Verstehen der philosophischen Hermeneutik Hans-Georg Gadamers (auch mit S. Freud) ein »mantisches« Deuten der Tiefen der Natur außer uns und in uns sowie über es ein Deuten der mathematischen Gebilde des »absoluten«, sich von der Geschichte lösenden Geistes. Wenn Werner Heisenberg für einen Kernbestand der Physik die Abgeschlossenheit suchte, konnte er im Umkreis Carl Friedrich von Weizsäckers missbraucht werden für eine sog. »Finalisierung«. Der Schriftsteller und Politiker Schroers hat den Partisanen zur Leitfigur der Zeit erklärt und von seinem Freund Paul Celan zu Carl Schmitt führen wollen (wogegen Celan scharf protestierte). Heidegger und selbst Hölderlin gehörten bei Marcel Reich-Ranicki zum Abseitigen. Umgekehrt ignorierte Heidegger den Umkreis Reich-Ranickis. Der Linie der Autobiographie, die nach Walter Hinck von Goethe zu Reich-Ranicki führt, tritt eine andere Linie zur Seite, die mit Immermanns Achten auf die regional und historisch unterschiedlichen Aufgaben der Geschichte beginnt. Die verschiedenen Traditionen dürfen sich jedoch nicht gegenseitig als abseitig erklären. Sie müssen für einander zum Anderen werden. So führt die Vielstimmigkeit nicht zum Verlust der Verbindlichkeit; diese wird von ihr her gerade gewonnen.