Search Results

You are looking at 1 - 10 of 10 items for :

  • Author or Editor: Stephan Leopold x
  • Search level: All x
Clear All
Poetik, Körperlichkeit und Subjektivität in romanischer Lyrik Früher Neuzeit
Author: Stephan Leopold
Wenn E.R. Curtius von einer ,Pest des Petrarkismus‘ spricht, hat er damit insofern Recht, als der Petrarkismus mit dem amor hereos auf einer (Geistes-)Krankheit beruht, die der Unerreichbarkeit des Liebesobjekts geschuldet ist und unbehandelt zum Tode führen kann. Zur Epidemie wird der amor hereos aber erst als Dichtung; denn diese Dichtung, die ihr phantasmatisches Objekt stets verfehlen muß, konstituiert nichts Geringeres als das abendländische Subjekt. Pathologisch ist das Subjekt im Abendland, weil es sich von dem transzendentalen Liebesgott Christus abkehrt und der inneren Repräsentation eines gleichermaßen irdischen wie entzogenen Liebesobjekts zuwendet. Es erwächst aus einer Verschränkung von erotischem Phantasma, Sprache und Begehren, und eben diese Verschränkung stiftet eine Gattung, die es den Dichtern der Renaissance erlauben wird, sich als Gründungsväter einer Nationalkultur zu imaginieren, die entweder – wie in Italien – des politischen Korrelats ermangelt oder aber – wie in Spanien und Frankreich – das noch nackte corpus politicum erst bekleiden soll. Zugleich bietet der Petrarkismus aber auch die Matrix für Subjektivitätsentwürfe, die den Diskursen über die phänomenalen Körper widersprechen und als weiblicher oder homoerotischer Petrarkismus in der Sprache des Anderen sagen, was genaugenommen unaussprechlich ist.
Prousts Recherche
Author: Stephan Leopold
Auch wenn man es zuerst vielleicht nicht sogleich merkt: In Combray gärt eine Zeit der Nation, die sich in der apokalyptischen Weltkriegsnacht am Ende eschatologisch erfüllen wird. Es ist daher durchaus von Belang, wenn der kleine Marcel seine erste Madeleine jedes Jahr am Ostersonntag isst, die Eucharistiefeier indes Ellipse bleibt. In Combray, doch nicht nur dort, wird die Eucharistie antisakramental ersetzt, was zu beachtlichen Menüfolgen und anderen Vervielfältigungen führt. Die Zeit der Dritten Republik wäre so besehen heillos. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, hat die Recherche ihr geheimes Zentrum in Venedig: Es ist das Baptisterium von San Marco, auf das es letztlich hinausläuft. Kann das gut gehen? Und vor allem: Wie kann es sein, dass die Recherche zugleich ein Roman über verlorene Kuchenteller ist, auf denen Motive aus Tausendundeiner Nacht abgebildet sind und die, ja auch sie, nach Venedig führen?
Eros und polis von Corneille bis Sade
Author: Stephan Leopold
Liebe im Ancien Régime ist eine neue Deutung der Literatur des französischen Absolutismus. Die Studie geht von der Beobachtung aus, dass sich das politische Unbehagen der Epoche vorzugsweise in erotischen Konstellationen niederschlägt – und das sowohl in der populären Pamphletliteratur als auch in den kanonischen Texten.
Während die Forschung sonst Klassik und Aufklärung als zwei gesonderte Phänomene behandelt, wird hier der Versuch unternommen, ein politisches Imaginäres freizulegen, das sich aus den Körpermetaphern der Legitimationsdiskurse speist und in dieser Form bis über die Revolution hinaus fortwirkt. Die Literatur des Absolutismus erweist sich dabei als in dem Sinne allegorisch, dass sie im Medium des Uneigentlichen nach alternativen Ordnungen fragt und so eine Selbstreflexivität gewinnt, durch die die klassische Sprache, die auf dem Transparenzpostulat gründet, letztlich unlesbar wird.
Französische Literatur und Kultur zwischen Sedan und Vichy
Mit dem Untergang des II. Kaiserreichs vollzieht sich in Frankreich nicht nur ein politischer sondern auch ein diskursgeschichtlicher Wandel, in dessen Folge ein Dispositiv der Erkrankung und des Niederganges durch solche Formationen überschrieben wird, die nunmehr Heil statt Unheil setzen.
Der negative Vitalismus der Dekadenz weicht einer Regenerationsbewegung, die sich jedoch nicht in einem einzigen politischen Diskurs beruhigen kann, sondern sich um jene mit dem Verlust des Souveräns entstandene Leerstelle herum zu vervielfältigen scheint. Steht die Dekadenz im Zeichen einer gleichermaßen fetischisierten wie perhorreszierten Weiblichkeit, so kreist die mit der Niederlage von Sedan aufkommende Regenerationsdynamik um eine Vaterfunktion, die in der Republik, so scheint es, eben gerade noch keine symbolische Entsprechung finden kann. Die vakante Vaterposition wird damit offen für immer neue, imaginäre Besetzungen, die bei aller Heterogenität als Gemeinsamkeit die Verschränkung von Männlichkeit und Heil teilen.
Zur heteronomen Genealogie der Moderne
Das Werk Rousseaus ist ein Ereignis planetarischer Auswirkung. Dass dieses Werk symptomatisch für die Moderne wurde, hat seinen Grund in der aporetischen Verschränkung von Autonomie und Heteronomie, die nach dem Tod des Königs jeder republikanischen Verfassung eingeschrieben ist.
Rousseau ist sich dieser Problematik bewusst, wenn er um die Frage von Fremd- und Selbstbestimmung kreist. Er legt eine Spaltung im Subjekt gerade dort bloß, wo sich kollektive Vernunft und individueller Affekt, symbolische Ordnung und Imaginäres entzweien. Das diskursive Feld, das man als »Rousseauismus« bezeichnet, bleibt davon nicht unberührt; denn wenn politische Denker und Literaten weltweit Rousseau für sich in Anspruch nehmen, transkodieren sie kein stabiles Wissen, sondern verstricken sich unweigerlich in Widersprüche. Diesen Widersprüchen gehen die Autoren von Planet Rousseau nach.
Schreibweisen des Naturalismus in der Romania
Series:  Anfänge
Der Naturalismus ist Symptom einer modernen Wissenskonfiguration, die die metaphysische Ordnung ersetzt hat. Seine Vertreter entsprechen dem Wandel, indem sie sich und ihre ästhetische Praxis im Rekurs auf die natürliche Dingwelt legitimieren, deren Gesetze die positiven Wissenschaften ausformulieren.
Die Forschung hat indes gezeigt, dass der Naturalismus zu seinem Programm quersteht. Er gehorcht einem phantasmatischen Legat, das dem szientistischen Anfang ein Ende bereitet. Historisch steht die Bewegung an der Schwelle zu einer unhintergehbaren Demokratie, für die die Autoren noch keine Sprache besitzen. Der Naturalismus steht zwischen der Stilllegung im positivistischen Programm und einem politischen Imaginären, das jenes Programm unterwandert. Die Beiträge zeigen, wie die naturalistischen Schreibweisen auch jenseits ihrer französischen Heimat die ästhetisch-ideologischen Widersprüche der Moderne hervortreiben.
Der Begriff der Natur gehört seit der Frühen Neuzeit zum Selbstverständnis der europäischen Kultur. Allerdings lässt er sich kaum erfassen.
»Natur« umfasst ein immenses Bedeutungsspektrum: den Gesamtzusammenhang des Universums und seiner Gesetzmäßigkeiten, das Wesen der Dinge und des Menschen sowie den Erfahrungsraum einer von der Zivilisation noch nicht gestalteten Welt. Es mag an dieser Vielschichtigkeit liegen, dass übergreifende Untersuchungen zu diesem Thema bisher selten sind.
Behandelt werden die anthropologische Dimension des Naturbegriffs, wie sie sich im Verständnis von Körper und Krankheit niederschlägt, die Begegnung mit außergewöhnlichen und neuen Naturphänomenen sowie der Entwurf von Gegenräumen zur gesellschaftlichen Welt, die sich von Bildern ungestalteter Wildheit bis zu idyllischen Szenerien erstrecken.
Festschrift zu Ehren von Gerhard Poppenberg
»Pathos« ist ein zentraler Begriff abendländischer Geistes-geschichte. Dieser umfasst eine emotionale Konfiguration, die in ihren etymologischen Ursprüngen das menschliche Leiden bedeutet und sich davon ausgehend semantisch als Gemütsbewegung schlechthin entfaltet, als Leidenschaft, Gefühl, Affekt oder Begierde. In einem ersten Schritt widmet sich der Band in Teil I dem Pathos in Literatur und Literaturtheorie, wobei die Beiträge einen Bogen von der Antike, über das Mittelalter, die frühe Neuzeit bis in die Moderne des 20. Jahrhunderts schlagen. Teil II konturiert das Pathos je in einem über das Literarische hinausgehenden öffentlichen Raum in Religion und Politik, Malerei und Film. Teil III untersucht das Pathos als das Seelische, Affektive und Emotionale in philosophischen Diskursen mit einer Spanne von Platon bis Walter Benjamin und Martin Buber.
El volumen estudia las formas en las que se constituye y desfigura el poder político en la literatura y la cultura del Siglo de Oro. Las contribuciones parten de la premisa de que la ficción literaria desempeña un papel fundamental en las construcciones del poder, como lo demuestran los ejemplos de varios géneros literarios de los siglos XVI y XVII. Esta interacción puede rastrearse en casi todas las esferas de la vida del imperio español: desde las élites cortesanas y religiosas hasta el creciente aparato administrativo, pasando por los mundos cotidianos picarescos y los territorios coloniales. Las posiciones abarcan referencias miméticas y afirmativas, así como construcciones de contramundos utópicos y satíricos.
Technik und Erfindungsgeist in der spanischen Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit
Wenn in der Literatur des Siglo de Oro von Erfindungen und technischen Neuerungen die Rede ist, so kann sich das sowohl auf das technische Artefakt, seine Herstellung und Verwendung beziehen als auch auf Kunstwerke im engeren Sinne: der Baukunst, der Malerei und Skulptur sowie der Literatur.
Im Hinblick auf diese Bedeutungsdimensionen bezeichnet das Wort artificio gleichermaßen das ingeniöse Werk wie den ingeniösen Kunstgriff; als Schnittstelle kann das Theater gelten. Am Leitfaden dieses Schlüsselbegriffes untersuchen die Beiträge den Stellenwert von Technik und Erfindungsgeist in der spanischen Kultur der Renaissance und des Barock. Dabei kommen zeitgenössische Techniktheorien ebenso zur Sprache wie neuartige optische und nautische Apparaturen, theatrale Techniken auch außerhalb des Theaters und die durch den Buchdruck auf eine neue Grundlage gestellten Artifizien der Schrift.