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AutorIn: Thomas Macho
»Was tun Sie, wenn Sie einen Menschen lieben?«, wird Herr Keuner gefragt. Brecht lässt ihn antworten: »Ich mache einen Entwurf von ihm, und sorge, dass er ihm ähnlich wird«, natürlich nicht der Entwurf, sondern der Mensch.
Vorbilder sind Puppen, Masken, Modelle; sie sind Götter, Stars, Prominente, und sie überzeugen ihr Publikum als Maßstäbe, Phantasmen, Ideale. Vorbilder verkörpern, was zur Wirklichkeit treibt. In ihnen manifestiert sich ein unbedingter Wille zur Realität.
Auch wenn diese Realität im eigenen Tod gipfelt.
HerausgeberInnen: Thomas Macho und Kristin Marek
Die Frage nach der neuen Sichtbarkeit des Todes und der Toten wird in diesem Band anhand von zahlreichen Beispielen aus Künsten und Medien diskutiert. Zu den elementaren Leitsätzen einer Beschreibung und Kritik der Moderne zählt die Behauptung, der Tod werde zunehmend verdrängt und ausgeschlossen. Gegen diese Behauptung lässt sich einwenden, der Tod selbst bleibe – aller Metaphysik zum Trotz – prinzipiell unvorstellbar, ungreifbar, opak. Der Tod kann also gar nicht verdrängt oder ausgeschlossen werden, ganz im Gegensatz zu den Sterbenden und Toten, die ab dem 19. Jahrhundert aus dem gesellschaftlichen Verkehr, den Praktiken und Inszenierungen eines symbolischen Tauschs, ins Niemandsland der Kliniken, Obduktionssäle, Leichenschauhäuser und exterritorialisierten Friedhöfe abgeschoben wurden. In seiner Studie über Nikolai Lesskow behauptete Walter Benjamin, es sei vielleicht der unbewusste „Hauptzweck“ der bürgerlichen Gesellschaft gewesen, „den Leuten die Möglichkeit zu verschaffen, sich dem Anblick von Sterbenden zu entziehen“. Seit einigen Jahren wird jedoch eine Revision dieser kulturkritischen Diagnosen geradezu erzwungen. Die Toten sind zurückgekehrt, nicht nur als Thema spiritueller, psychologischer oder philosophischer Diskurse, sondern in konkreter, sinnlicher, materieller Gestalt. Diese Rückkehr ereignet sich in den Künsten, in Literatur, Fotografien, Rauminstallationen und Ausstellungen; sie ereignet sich in Filmen und TV-Serien (wie „Six Feet Under“, „CSI“ oder „Crossing Jordan“), die das Publikum in allen forensischen Details über die konkrete Materialität der Toten aufklären; sichtbar wird sie auch in neu gestalteten Bestattungspraktiken oder in den öffentlichen Debatten um Sterbehilfe, Hospizbewegung, Transplantationsmedizin oder das biotechnologische Versprechen der Langlebigkeit – wenn nicht gar „Unsterblichkeit“. Ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückt daher die Frage, ob sich gegenwärtig ein kulturelles System von Symbolen und Ritualen zu entwickeln beginnt, das zu einer neuen Sichtbarkeit des Todes und der Toten beiträgt.
Der zweite Band der Edition der Schriften von Susan Taubes umfasst ihre 1956 abgeschlossene, bisher unveröffentlichte Dissertation Der abwesende Gott. Eine Studie über Simone Weil sowie ihre Aufsätze und Rezensionen, die zwischen 1951 und 1959 in renommierten Zeitschriften wie The Journal of Religion oder The Review of Metaphysics erschienen sind.
Ausgehend von den Grundlinien der Moderne untersucht Susan Taubes in ihren philosophischen Schriften Gnosis und Tragödie als kulturgeschichtliche Konstellationen und spürt verschwiegene Verbindungen zwischen jüdischer Erfahrung und deutscher Philosophie auf. Sie entwirft eine Theorie der Tragödie (Das Wesen der Tragödie, 1953), erschließt Die gnostischen Grundlagen von Heideggers Nihilismus (1954) und kommentiert Das Rätsel Simone Weil (1956). Methodisch zwischen Religionsphilosophie und Kulturwissenschaft angesiedelt, wird in Susan Taubes’ theoretischen Arbeiten aus der kritischen Auseinandersetzung mit Themen wie Entfremdung und Revolte, Nihilismus und Theologie einer Kulturtheorie der Moderne skizziert.
Die verkannte Grundlage humaner Verhältnisse
Erfahrungen des Verzeihens und Entschuldigens gehören zu einem nicht-perfekten Leben. Aber gibt es nicht auch Grenzen des Verzeihens? Das Unverzeihliche?
Über Reichweiten und Begründungen des höchst komplexen Vorgangs »Verzeihung« wird in der Philosophie erst neuerdings intensiver nachgedacht. Lange Zeit scheute man die Befassung mit einem Akt, der sich einer rationalen Handlungsregel nicht fügt, sich nicht als moralische Pflicht ableiten lässt, ja, in Spannung zum Gerechtigkeitsempfinden stehen kann. Klaus-Michael Kodalle zeigt, was es heißt, Verzeihung umfassend zu denken: Ausgehend von bemerkenswerten Denkanstößen im 20. Jahrhundert zeichnet er Grundlinien einer Philosophie der Verzeihung in Neuzeit und Antike nach. Ein »gnadenloses« Denken wird mit jenen Theorien konfrontiert, die das Verzeihen als ausschlaggebendes Ingrediens humaner Lebensverhältnisse begreifen. Die letzten Seiten des Buches gelten den Opfern des Holocaust, deren Stimmen von dem Ringen zeugen, selbst angesichts des unübertreffbar Bösen den Geist der Nachsichtigkeit im Leben zu halten.
Tätowierungen als Logo- und Piktogramme
Schmerzhaft in die Haut gestochen, galten Tätowierungen bis zur Erfindung der Lasertechnologie als unauslöschlich. Sie kennzeichneten über den Tod hinaus und fungierten als Eigentums- und Strafmarkierungen, aber auch als Schutz-, Freiheits- und Identitätszeichen. Der Band spannt einen Bogen von den griechischen Sklavenstigmata über die römischen Straftätowierungen und die Brandzeichen im transatlantischen Sklavenhandel bis hin zur Auschwitzer Nummerntätowierung und ihrer heutigen Bedeutung als Überlebens-, Widerstands- und Erinnerungszeichen. Die Beiträge beleuchten die Rolle von Tätowierungen als Pikto- und Logogramme und fragen, inwiefern Tätowierungen mit einem spezifischen Befehls- und Steuerungspotential und mit einem subversiven Gegensinn ausgestattet sind. Für wen sind sie lesbar in einer bestimmten Situation und ihren historischen Transformationen?
(1928–1945)
AutorIn: Johan Huizinga
Der Briefwechsel von Johan Huizinga (1872–1945) wurde in den Niederlanden erstmals 1989 –1991 ediert. Über Jahre hatten die Herausgeber Léon Hanssen, Wessel E. Krul und Anton van der Lem die fünf Jahrzehnte umfassende Korrespondenz des niederländischen Kulturhistorikers aus internationalen Archiven zusammengetragen und lesefreundlich kommentiert. Huizingas Briefwechsel ist für die kulturwissenschaftliche Forschung weltweit von Interesse. Der Autor von Mensch und Masse in Amerika und Herbst des Mittelalters, den kultur- und zeitkritischen Schriften Im Schatten von morgen und Verratene Welt und dem Referenztext aller modernen Spieltheorien, Homo ludens, wird in seinen Briefen auf vielfältige Weise sichtbar: als Persönlichkeit und als Knotenpunkt eines internationalen intellektuellen Netzwerks in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In diesem Netzwerk begegnen sich bekannte und weniger bekannte, aber einflussreiche Wegbegleiter Huizingas: von Gabriel Hanotaux bis Bronislaw Malinowski, von Menno ter Braak bis Fritz Saxl, von Percy Stafford Allen bis Luigi Einaudi, von Johannes Haller bis Ortega y Gasset oder Werner Kaegi, um nur wenige zu nennen. Huizingas Briefe werden hier erstmals in deutscher Sprache zugänglich gemacht.
(1894-1927)
AutorIn: Johan Huizinga
Der Briefwechsel von Johan Huizinga (1872–1945) wurde in den Niederlanden erstmals 1989 –1991 ediert. Über Jahre hatten die Herausgeber Léon Hanssen, Wessel E. Krul und Anton van der Lem die fünf Jahrzehnte umfassende Korrespondenz des niederländischen Kulturhistorikers aus internationalen Archiven zusammengetragen und lesefreundlich kommentiert. Huizingas Briefwechsel ist für die kulturwissenschaftliche Forschung weltweit von Interesse. Der Autor von Mensch und Masse in Amerika und Herbst des Mittelalters, den kultur- und zeitkritischen Schriften Im Schatten von morgen und Verratene Welt und dem Referenztext aller modernen Spieltheorien, Homo Ludens, wird in seinen Briefen auf vielfältige Weise sichtbar: als Persönlichkeit und als Knotenpunkt eines internationalen intellektuellen Netzwerks in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In diesem Netzwerk begegnen sich bekannte und weniger bekannte, aber einflussreiche Wegbegleiter Huizingas: von Henri Pirenne bis Bronislaw Malinowski, von Menno ter Braak bis Fritz Saxl, von P.S. Allen bis Jaap Kunst, von Richard Koebner bis George Sarton, um nur wenige zu nennen. Huizingas Briefe werden hier erstmals in deutscher Sprache zugänglich gemacht.
Die Erfahrung des Orpheus nimmt dieser Band in einer doppelten Perspektive in den Blick: als Grenzerfahrung zwischen Tod, Liebe und Kunst sowie als Entgrenzung im Feld der Künste und zwischen Kunst und Leben.
Die Beiträge diskutieren den -ersten Sänger- dabei nicht nur in historischer Hinsicht, sondern fragen insbesondere auch nach der Valenz dieser zentralen Figur noch für die gegenwärtige Kunstproduktion und Theoriebildung.

Mit Beiträgen von:
Armen Avanessian, Karl Heinz Bohrer, Gabriele Brandstetter, Franck Hofmann, Bernhard Huss, Claudio Magris, Gert Mattenklott, Tom McCarthy, Renate Schlesier, Gregor Stemmrich, Jan Völker, Birgit Wiens, Friederike Wißmann, Slavoj Zizek.
Phänomenologische Skizzen
Die Frage nach dem Ding und seiner spezifischen Handlungs- und Affektkraft bildet einen wichtigen Schwerpunkt gegenwärtiger Debatten.
Wer den Dingen indes eine ominöse Eigenmacht zuspricht, der gerät leicht in den Verdacht des Anthropomorphismus, des magischen Denkens oder des Aberglaubens. Wer Dinge hingegen auf passive Verfügungs- und Transaktionsobjekte oder auf bloße Gegenstände der Vorstellung und Erkenntnis reduziert, der verkennt die Mitwirkung der Dinge bei allem, was wir tun und unterlassen.
Die Beiträge des Bandes begegnen solchen Über- und Unterbestimmungen der Dinge mit genuin phänomenologischen Methoden. Dabei geht es um die Widerständigkeit, Undienlichkeit und Aufsässigkeit der Dinge einerseits und um ihre Gebrauchs- und Verwendungsweisen im Feld der Praxis und Aisthesis andererseits. Anhand der Analyse konkreter Dinge wie Requisiten, Miniaturen, Reliquien, Designerstühle, Autos und technische Geräte zeigen die Beiträge zugleich, dass die Frage nach dem Ding einen paradigmatischen Zugang zur Phänomenologie als eine der wichtigsten philosophischen Methoden des 20. und 21. Jahrhunderts erlaubt.

Mit Beiträgen von Hartmut Böhme, Roland Breeur, Jean-François Courtine, Günter Figal, Klaus Held, Leonard Lawlor, Thomas Macho, Käte Meyer-Drawe, Paul Moyaert, Konrad Paul Liessman, Sonja Rinofner-Kreidl, Alice Pechriggl und László Tegenlyi.

Wo kommen unsere Energien her?
Von der Elektrizitätswirtschaft bis zur Esoterik ist die Rede von »Energien«. Eine Reflexion dieses Begriffes hat in der Kulturwissenschaft bisher jedoch kaum stattgefunden, obwohl er zu ihren Grundbegriffen zählt. Ausgehend vom Mythos des Prometheus, göttlicher Vordenker unserer technischen Zivilisation, ergründen Philosophen, Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Künstler die Ursprünge, Transformationen und Grenzen unserer Energien.