Literatur im Schatten von Auschwitz
AutorIn: Axel Dunker
In einer historischen Situation, in der die letzten Augenzeugen des Holocaust verschwinden, stellt sich die Frage nach Vergangenheit und Zukunft einer Literatur nach Auschwitz. „Wir brauchen jetzt junge Schriftsteller, die das Gedächtnis der Zeugen, das Autobiographische der Zeugnisse, mutig entweihen. Jetzt können und sollen Gedächtnis und Zeugnis Literatur werden“ (Jorge Semprun). Die vorliegende Arbeit untersucht historische Linien einer „Literatur im Schatten von Auschwitz“, in der – jenseits von Sakralisierung, Metaphorisierung und Metaphysik – das Material der Sprache selbst zum Sprechen gebracht wird. Am Beispiel von W. G. Sebald, Elfriede Jelinek, Raymond Federman, Georges Perec, Helmut Heißenbüttel, Heimrad Bäcker, Jorge Semprun, Peter Weiss u.a. wird die scheinbare literarische Verdrängung oder Marginalisierung von Auschwitz als produktive Auseinandersetzung mit individueller und kollektiver Traumatisierung aufgewiesen. Dabei treten Verfahren, die Auschwitz im Subtext oder in metonymischen Konstruktionen zu fassen versuchen, in den Vordergrund.
Koloniale Strukturen in der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts
AutorIn: Axel Dunker
30 Jahre nach dem Erscheinen von Edward Saids berühmt-berüchtigter Studie über den europäischen „Orientalismus“ ist es an der Zeit, die deutschsprachige Literatur nicht länger von der Diskussion über eines der beherrschenden, Phänomene des 19. Jahrhunderts auszuschließen: den Kolonialismus. In subtilen Textlektüren legt Axel Dunker ‚koloniale Strukturen’ frei in den Werken einiger der bedeutendsten Autoren deutscher Sprache zwischen der Spätaufklärung und dem Ende des Realismus: Wezel, Seume, Kleist, Hoffmann, Eichendorff, Stifter, Storm, Keller, Raabe und Fontane stehen im Fokus der Untersuchung. Auch wenn das Verfahren der ‚kontrapunktischen Lektüre’ eine Leseanweisung Saids beim Wort nimmt, geht es nicht darum, Autoren und ihre Texte ideologiekritisch zu verdammen. Nicht Denunziation ist gefragt – große Literatur erweist sich als einzigartiges Instrumentarium, tiefgreifende Ambivalenzen gegenüber allem Fremden und Kolonialen zum Ausdruck zu bringen.
Bestandsaufnahmen und Modellanalysen
In der DDR war Reisen ein heikles Thema, weil die meisten Bürger des Landes vor dem Eintritt in das Rentenalter nicht reisen durften – oder zumindest nicht in Länder oder Städte ihrer Wahl. Und doch gab es Reiseliteratur in quantitativ und qualitativ bedeutenden Ausprägungen.
Deutlicher als in anderen Feldern der DDR-Literatur waren die Autorinnen und Autoren von Reiseliteratur privilegiert, und es ist interessant zu sehen, wie sie mit diesem Sachverhalt umgingen – ob sie ihn thematisierten oder stillschweigend hinnahmen. Und doch gilt auch für die Reiseliteratur der DDR: In einer sehr komplexen Weise schwanken die Texte zwischen Anpassung und impliziter oder offener Kritik an Zuständen in der DDR. Kommentare über das Fremde sind immer auch implizite und explizite Kommentare über das Eigene, und die Leserinnen und Leser der DDR-Literatur waren versiert in der Kunst, zwischen den Zeilen zu lesen.
Kunst jenseits der Authentizität
Der Band versucht eine Bestandsaufnahme der jüngsten Entwicklungen bei der Darstellung des »Holocaust« in unterschiedlichen Formen, Formaten und Medien. Im Fokus steht der schwer bestimmbare Begriff des »Authentischen«, der sich als Mythos erweist. Den disziplinären Ausgangspunkt liefert die Nähe von Geschichts- und Literaturwissenschaften, welche mit der Faktizität der Ereignisse jeweils unterschiedlich umgehen. Bestimmte Gattungen werden hinsichtlich ihrer Darstellungskompetenz befragt und einzelne Kunstwerke als aktuelle Repräsentationen des »Holocaust« diskutiert. Gleichzeitig werden grundlegende Überlegungen zu den Rahmenbedingungen der aktuellen Erinnerungskultur vorgestellt: Einerseits entgleiten uns die Ereignisse aufgrund des zunehmenden historischen Abstands, andererseits werden sie uns gerade durch Kunstwerke wieder nahegebracht. Wie lässt sich dieses Spannungsverhältnis genauer beschreiben?