Eine Mentalitätsgeschichte in Bildern
AutorIn: Jörn Glasenapp
Nicht um Bilder, sondern um den Gebrauch von Bildern geht es Jörn Glasenapp in seinem reich illustrierten Buch. Mit ihm legt er die erste Gesamtdarstellung der deutschen Fotografie nach 1945 vor, welche Kontinuitäten und Brüche sowie zentrale Pradigmen und Tendenzen der fotografischen Praxis ausweist. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs, das heißt, den Aufnahmen aus den befreiten Konzentrationslagern sowie den zerstörten deutschen Städten, bis zur Gegenwart, den Neorealismen der Becher-Schule und der Modefotografie eines Juergen Teller, spannt sich der zeitliche Horizont des Buches, das sich auch als eine in Bildern gefasste Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland versteht.
Der italienische Neorealismus und das Kino der Moderne
AutorIn: Jörn Glasenapp
Als erste und bedeutendste der kinematografischen Erneuerungsbewegungen der Nachkriegszeit sorgte der italienische Neorealismus ab Mitte der 1940er Jahre für die, so Gilles Deleuze, »Krise des Aktionsbildes« bzw. Abkehr vom klassischen Handlungskino, aus der schon nach kurzer Zeit die filmische Moderne hervorgehen sollte. Der Band widmet sich diesem Umbruch, indem er den Neorealismus zunächst als Objekt der Filmtheorie in den Blick nimmt, die durch ihn wie durch keine andere filmische Strömung zum Nachdenken speziell über den ontologischen Status des Films bzw. die Frage angeregt wurde, was genau dieser ist bzw. worin sein "Wesen" besteht. Allen voran André Bazin leitete aus der Antwort auf diese Frage ab, was der Film zu tun habe - und zwar das, was Filme wie Vittorio De Sicas Ladri di biciclette, Luchino Viscontis La terra trema oder Roberto Rossellinis Viaggio in Italia taten. Dass sie damit der Modernisierung der gesamten europäischen Filmkultur den Weg ebneten, zeigt die Auseinandersetzung mit Werken Federico Fellinis, Michelangelo Antonionis und Pier Paolo Pasolinis, die den Schwerpunkt des Bandes bildet.
Wege in die filmische Moderne
HerausgeberIn: Jörn Glasenapp
In diesem Jahr wäre Michelangelo Antonioni (1912-2007), einer der großen Kinovisionäre des 20. Jahrhunderts und Hauptrepräsentant der filmischen Moderne, hundert Jahre alt geworden.
Das Jubiläum nimmt der vorliegende Band zum Anlass, das wirkmächtige Œuvre des Italieners einer Neusichtung zu unterziehen – und zwar in seiner ganzen Breite, das heißt angefangen bei dem bereits erstaunlich eigenwilligen Spielfilmdebüt, dem etwas anderen Film noir Cronaca di un amore, über die in den 1960er Jahren entstandenen Meisterwerke wie La notte, L’eclisse oder Blow up, mit denen der Regisseur Weltruhm erlangte, bis hin zum Episodenfilm Jenseits der Wolken, den der damals 83-jährige Antonioni in Kooperation mit Wim Wenders, einem seiner großen Bewunderer, realisierte.
HerausgeberIn: Jörn Glasenapp
Einerlei, ob sie im Namen der Literatur oder des Films erhoben werden: Die nach wie vor weit verbreiteten Vorbehalte gegen die filmische Literaturadaption sind müßig und verkennen nicht zuletzt deren Potenziale als privilegierter Ort der medialen und ästhetischen Selbtreflexion.
Dies bestätigt der vom Stumm- bis zum Gegenwartsfilm reichende Streifzug durch die »Weltliteratur des Kinos«, zu dem die insgesamt elf Beiträge des Bandes einladen. Halt gemacht wird bei den großen Stationen der kinematografischen Adaptionsgeschichte, unter anderem bei Murnaus Herr Tartüff, Renoirs Eine Landpartie, Kurosawas Das Schloss im Spinnwebwald, Rohmers Die Marquise von O. und Tarrs Satanstango, die allesamt, wenn auch auf je unterschiedliche Weise, den spezifischen Mehrwert des »unreinen Kinos« (André Bazin) zum Ausdruck bringen.
HerausgeberIn: Jörn Glasenapp
»Jedes Porträt, das mit Empfindung gemalt ist, ist ein Porträt des Künstlers, nicht dessen, der ihm sitzt. Der ist bloß der Anlass, die Gelegenheit.« Dies behauptet Basil Hallward, der Maler aus Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray, der damit einmal mehr bestätigt, was seit jeher für das Porträt, und nicht nur das gemalte, konstitutiv ist: dass es die Spannung einer Relation ins Bild setzt. Der vorliegende Band spürt dieser Spannung in den unterschiedlichsten Porträt- und Medienkulturen des 20. und 21. Jahrhunderts nach.
Weibliche Flanerie in Literatur und Film
Ob sie ihrer Arbeit oder einem anderen Erledigungsdrang nachgeht – zumeist zeugen die entschlossenen Schritte der mobilen Frau auf den Straßen moderner Metropolen von der Anständigkeit ihres Ziels. Doch hält sie nicht genau und erst recht nicht immer an ihrem Kurs fest.
Wo zieht es die mobile Frau hin, wenn sie, vom routinierten Weg abschweifend und oft in geradezu exzentrischer Selbstvergessenheit, die großstädtischen Eindrücke auf sich einströmen lässt? Wo weilt sie, wenn sie keinem bürgerlichen Zwang entgegenschreitet? Welche Bilder unsittlicher Weiblichkeit lässt sie entstehen – und wie unterscheidet sich die Flaneurin vom Flaneur? Diesen und anderen Fragen nachgehend, zielen die Beiträge des Bandes darauf ab, die flanierende Frau durch einschlägige Literatur- und Filmsichtungen als eigenen Wahrnehmungstopos der Moderne zu entdecken.
Von Twin Peaks bis Mad Men
Das Bekenntnis, ›seriensüchtig‹ oder gar ein ›Serienjunkie‹ zu sein, gilt schon längst als Indiz für anspruchsvolle Unterhaltung und anregenden Kulturgenuss.
Sogenannte ›Qualitätsfernsehserien‹ oder auch ›Autorenserien‹ machen mittlerweile selbst diejenigen süchtig, die dem Fernsehen gegenüber stets als immun galten – aus Gründen, denen der vorliegende Band nachspürt. Er widmet sich 13 Serien, die in den letzten Jahren von sich reden gemacht haben, darunter The Sopranos, Six Feet Under, The Wire, Deadwood und Gilmore Girls. Zu großen Fernseherzählungen bietet er ausführliche Lektüren.
Weil und nicht etwa obwohl sie für Hitler große Filme drehte, wird Leni Riefenstahl noch immer als Bildvisionärin von Rang gehandelt. Ihr Werk stellt nach wie vor eine Herausforderung für uns dar. Dies und anderes verdeutlichen die Beiträge des vorliegenden Bandes, der, angefangen bei den Fanck’schen Bergfilmen und Riefenstahls Regiedebüt Das blaue Licht über die berühmtberüchtigten NS-Dokumentationen Triumph des Willens und Olympia bis hin zu Tiefland und den Nuba-Arbeiten, die ›ganze Riefenstahl‹ in den Fokus rückt und hierbei nicht zuletzt der Frage nachgeht, ob 'die Kraft ihres Werkes' tatsächlich, wie Susan Sontag behauptete, 'in der Kontinuität seiner politischen und ästhetischen Ideen liegt.'