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Antike Welt und modernes Leben in Hans Blumenbergs Philosophie
Die Literatur der griechisch-römischen Antike spielt in Hans Blumenbergs Werk eine tragende, aber ambivalente Rolle. Auch wo Blumenberg kritisch über die Erkenntnisse und Methoden der Vergangenheit urteilt, legt er das denkerische Potential der Texte frei: In phänomenologischer Hinsicht erscheint die Antike geradezu als das erste Gesicht der Neuzeit, die Neuzeit als Allegorie der Antike.
Der Band erschließt erstmalig systematisch Blumenbergs Antike-Bild und reflektiert dessen Folgen für das wissenschaftliche Selbstverständnis der Neuzeit bzw. Moderne, wie Blumenberg es konturiert. Fächerübergreifend werden Blumenbergs Antike-Lektüren auf ihre Konsequenzen für den Stellenwert anthropologischer Konstanten und phäno-
menologischer Prinzipien, aber auch für die Genese und Entwicklung möglicher geistesgeschichtlicher Paradigmenwechsel hin überprüft. Im Fokus stehen die kritischen Platon-Deutungen, phänomenologische Analysen antiker Literatur und Überlegungen zum Spannungsverhältnis von Rhetorik und Philosophie. Auch diese Facetten des Blumenbergschen Denkens repräsentieren eine spezifische Form seiner Arbeit am Mythos.
Hans Blumenbergs Umwege
Blumenbergs Philosophie ist eine Philosophie der Umwege und des Neuansetzens. Sie stellt einen Versuch dar, sich unter den Bedingungen der Moderne produktiv einzurichten, ohne ethische Ansprüche aus dem Blick zu verlieren.
Das Provisorische kehrt bei Blumenberg implizit wie explizit wieder. Als Beschreibungskategorie macht es die Welt erklärbar und stiftet eine Orientierungsleistung. In Kombination mit einer positiven Umdeutung des Umweges erlaubt es Distanzierung von einem unübersichtlichen Verstricktsein in Weltzusammenhänge sowie ein Handeln als ob wir wüssten, was wir tun. Ziel ist ein Nachdenken, das der Vorläufigkeit moderner Wirklichkeiten gerecht wird. Der Band widmet sich der Figur des Provisorischen und der Umwegskultur und verbindet eine systematische Perspektive auf das Werk Blumenbergs mit philosophiehistorischen Einordnungen und der Diskussion bisher unbeachteter Anknüpfungspunkte.
Potenziale prekärer Fundierung
Einer Welt ohne letzte Gründe bleibt, so scheint es, nur die Alternative zwischen Fundamentalismus und pragmatischer Indifferenz. Beides wird weder der Komplexität noch der ungebrochenen Notwendigkeit der Begründungssuche gerecht.
Die Beiträger denken Begründung konsequent als ein stets prekäres Unternehmen: Den Ungründen in Philosophie und Kunst nachzugehen meint nicht eine bloße Ablehnung von Gründen oder einen existenziell aufgeladenen Nihilismus. Im Unheimlichen, Unbegrifflichen oder Unbestimmten schwingt der Versuch (wie das Scheitern) der Entbergung, Konzeptionalisierung und Bestimmung immer mit. Genauso zeichnen sich Ungründe dadurch aus, dass das Negierte als Negiertes stets mitgeführt wird und wirksam bleibt. Ungründe sind immer noch Gründe – aber es sind prekäre, prozessuale, endliche Gründe, die den Anspruch, einen »guten Grund« zu liefern, auf je spezifische Weise einlösen.
Interviews mit Beteiligten
Die interdisziplinäre Forschungsgruppe »Poetik und Hermeneutik« und ihre Mitglieder haben die geistes- und kulturwissenschaftliche Landschaft der alten Bundesrepublik geprägt wie vielleicht sonst nur noch die Kritische Theorie.
Zahlreiche Interviews mit den wichtigsten noch lebenden Akteuren erlauben einen ebenso erkenntnisreichen wie unterhaltsamen Blick hinter die Kulissen von Poetik & Hermeneutik. Unter welchen Bedingungen und mit welchen Absichten wurde die Gruppe von Hans Blumenberg, Clemens Heselhaus, Wolfgang Iser und Hans Robert Jauß ursprünglich gegründet? Wie entfalteten sich Diskussionen und Kontroversen? Wie kam P&H zur Blüte und warum scheiterte ein möglicher Generationenwechsel? Als Zeitzeugen gehört werden Aleida und Jan Assmann, Ferdinand Fellmann, Manfred Frank, Gerhart von Graevenitz, Hans Ulrich Gumbrecht, Anselm Haverkamp, Dieter Henrich, Helga Jauß-Meyer, Renate Lachmann, Thomas Luckmann, Hermann Lübbe, Christian Meier, Jürgen Schlaeger, Gabriele Schwab, Wolf-Dieter Stempel, Karlheinz Stierle, Rainer Warning und Harald Weinrich.
Historische und aktuelle Konstellationen
Series:  Trajekte
Das zurückliegende ist als ein katastrophales Jahrhundert bezeichnet worden. Die traumatischen Erfahrungen mit der Geschichte reflektieren sich im Begriff des Überlebens, der seit dem 20. Jahrhundert eine ungeheure Verbreitung gefunden hat. Die aktuellen Einsätze des Begriffs verdanken sich dabei einerseits dem Umstand, dass sich mit seiner Hilfe die Erfahrungen grundlegender konzeptueller Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte bündeln und weiterdenken lassen. Andererseits scheint der Begriff geeignet zu sein, neuere Erfahrungen einer Verallgemeinerung existenzieller Nöte zu problematisieren. Das anthropologische Konzept einer Lebensphilosophie scheint schleichend durch das anthropofugale einer Überlebensphilosophie und das Wissen vom Leben durch ein Überlebenswissen abgelöst zu werden. Die Beiträge des Bandes untersuchen historische und aktuelle Kontexte, in denen dem Begriff des Überlebens eine Schlüsselstellung zukommt. Zu den leitenden Fragen gehören die nach den epistemologischen, politischen und normativen Implikationen und den aktuellen Konsequenzen der Verwendung dieses Grundbegriffs der Nachgeschichte.
Ist Bazon Brock ein moderner Vorsokratiker? Wie bei ihnen sind es auch bei Brock prägnante einzelne Sätze, die ihn in den letzten Jahrzehnten zu einer der streitbarsten Gestalten der Kunstwelt machten. Rund 25 Philosophen und Wissenschaftler unterschiedlichster Disziplinen haben nun jeweils einen Satz aus Brocks Werk ausgewählt, um sein Denken in den Blick zu nehmen.