Suchergebnisse

Goethe und die Individualitätsproblematik der Moderne
AutorIn: Dirk Kemper
Das Konzept von Individualität, entstanden in der Sattelzeit um 1800, prägt auch heute noch zutiefst den Modus unserer Selbstvergewisserung bzw. Selbstkonstitution. Die historische Genese dieses Konzepts bei Goethe führt über verschiedene Stufen: vom autoreferentiellen Individualitätskonzept der Frühphase über dessen Erweiterung in den symbolisch-kulturellen und schließlich in den historischen Raum, von der subjektzentrierten zur dezentrierten Narration bis hin zur Aufgabe der Deutungshoheit über die eigene Vita. Goethe ringt in seinem gesamten Werk mit der für die Moderne spezifischen Problematik, einerseits Grundfragen des individuellen Seins beantworten zu wollen und andererseits dafür keine angemessene Beschreibungssprache im philosophisch-wissenschaftlichen Diskurs der Moderne mehr zu finden; das Individuum bleibt ihm daher als Aufgabe das Unabweisliche, in seiner Bestimmung aber das 'ineffabile'.
Briefwechsel und Materialien
AutorIn: Dirk Kemper
Heinrich Mann und Walter Ulbricht bewegten sich auf schwierigem Terrain, als sie 1936 im Pariser Exil an der Bildung einer deutschen Volksfront arbeiteten. Die Frage, ob die beiden großen Arbeiterparteien, SPD und KPD, Hitlers Machtergreifung durch ein Bündnis hätten verhindern können, belastete das Engagement dieser so verschiedenen Männer schwer. Wie standen sie zueinander?
Heinrich Mann war Präsident des Komitees zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront und Walter Ulbricht Vertreter der KPD. Letzerer agierte als Parteitaktiker und Erfüllungsgehilfe wechselnder Moskauer Interessen, jener als bürgerlicher Gesinnungsethiker, der sich in erstaunlicher Weise kommunistischen Positionen annäherte. Heinrich Mann gehörte bereits 1932 zu den Unterzeichnern des Dringenden Appells zur Aktionseinheit der KPD und der SPD gegen die Nationalsozialisten. Dafür schlossen ihn die Nationalsozialisten von der Akademie der Künste aus und entzogen ihm die deutsche Staatsbürgerschaft.
Auch Ulbricht war ins Exil gezwungen worden. Er hatte nach der nationalsozialistischen Machtergreifung die Arbeit der KPD illegal weitergeführt.
In ihrem Kampf für ein gemeinsames Ziel kam es zu gegenseitigen Verdächtigungen, Schuldzuweisungen und Verunglimpfungen.
Umstritten ist bis heute die Frage: Wer sprengte die Volksfront? War Heinrich Mann wirklich ein »unwissender Magier« an Ulbrichts Fäden? Oder hat das Scheitern ihres großen Ziels seine Gründe im Scheitern der Existenzen im erzwungenen Exil?
Aus dem Briefwechsel gewinnt Dirk Kemper interessante Einblicke in das schwierige Verhältnis der beiden Männer.
Grundzüge und Problemzusammenhänge seit der Romantik
HerausgeberInnen: Dirk Kemper und Silvio Vietta
Zwischen Innovation und Ideologie
HerausgeberInnen: Dirk Kemper und Silvio Vietta
Sprachdifferenz oder Kulturdifferenz? – Wie konstituiert sich Komparatistik?
Traditionell versteht die Komparatistik als ihre Aufgabe den Vergleich von literarischen Texten differenter Sprachräume. Die komparatistische Erforschung von sprachhomogenen Texten differenter Literaturen konnte sich bisher allenfalls ansatzweise und im Zeichen ganz spezifischer Fragestellungen etablieren.
Die zentrale Fragestellung, der in diesem Band nachgegangen wird, lautet: Bieten die Differenzen in den Selbstbeschreibungen unterschiedlicher Länder (wie etwa Deutschlands, Österreichs und der Schweiz) eine hinreichende Grundlage, um innerhalb eines Sprachraums von unterschiedlichen »Literaturen« zu sprechen und diese als Gegenstand komparatistischer Forschung zu begreifen? Und wo läge die Ergebnisperspektive?
Profit oder Engagement? Bücher aus Osteuropa im Suhrkamp-VerlagsprogrammDer angloamerikanische Raum war bedeutender, der französische und der lateinamerikanische auch. Wie wichtig aber waren Bücher aus Osteuropa für den Suhrkamp-Verlag zwischen 1950 und 2000? Vor allem von Mitte der sechziger bis Mitte der achtziger Jahre war Suhrkamp ein Leitmedium in der deutschen Verlagslandschaft, ein Haus, das für sich programmatisch in Anspruch nahm, „mit zeitdiagnostischer Sinnlichkeit“ zu operieren und so geistige, gesellschaftliche, kulturelle Veränderungen abzubilden und zu repräsentieren. Ab wann und warum engagierte man sich im Bereich der russischen, polnischen oder tschechischen Literatur?
AutorIn: Sergej Taškenov
HerausgeberInnen: Dirk Kemper und Elisabeth Cheauré
Thomas Bernhard nörgelt am Steinhof: Zwischen Sprechen und Schweigen, Atemnot und Wahnsinn, Komik und Tragik wird das österreichische Enfant terrible neu gelesen. Die in der Tradition der russischen Germanistik verfasste Studie versucht – interkulturell und interdisziplinär – aufzuzeigen, wie die kalkulierte Bernhard’sche Schreibweise zwischen seiner Produktions- und Rezeptionsästhetik oszilliert, und eröffnet dadurch überraschende Wege zu einer neuen Lektüre des vertrauten Stils. Im Spannungsfeld zwischen der „untauglichen“ Sprache und dem „unmöglichen“ Dialog werden von dem österreichischen Meister neue Methoden erzeugt, die seine „Textbestattung“ und „Selbstgesprächigkeit“ in tiefere rezeptive Funktionalität und Wirksamkeit wenden und von einem komplexen künstlerischen „System Bernhard“ sprechen lassen.
Um 1900 changieren Zukunftsvisionen zwischen Euphorie und Pessimismus. Wie stellt sich das in so unterschiedlich entwickelten Ländern wie Deutschland, Österreich und Russland dar?
In allen drei Ländern nehmen um 1900 literarische wie philosophische Zukunftsentwürfe eine exponierte Stellung ein. Der massive Veränderungsdruck der industriellen Revolution provoziert vielfältige Versuche, gegenwärtige Entwicklungstendenzen auf die Zukunft zu projizieren. Gebrochen wird dies durch die innere Dialektik der Moderne, jenen Druck entweder als neuen Gestaltungsfreiraum euphorisch zu begrüßen oder aber als Bedrohung abzuwehren. Mit narrativen Zukunftsentwürfen steht die Frage im Mittelpunkt, wie das noch nicht Vorhandene sprachlich-ästhetisch bewältigt werden kann.
Stellt das Phänomen der Abweichung bloß einen Ausdruck von Willkür dar, der das jeweilige Ordnungssystem gefährdet? Ist es dank dem mehrdimensionalen Sinngehalt des Begriffs nicht auch imstande, ein produktives Potenzial zu entfalten und als eine kulturelle Analysekategorie zu dienen?
»Nur die widernatürliche Phantasie kann uns noch retten«, soll Goethe zu Eckermann gesagt und damit die positive Treibkraft der Devianz anerkannt haben. Obwohl immer wieder Versuche unternommen werden, Devianzen zu verbergen, zu beherrschen oder zu verleumden, löst die Auseinandersetzung mit »otherness« Prozesse aus, die schließlich eine neue Sicht- und Ausdrucksweise entfalten. Dies führt zu Befunden, die Abweichung als Treibmittel der Entwicklung von Literatur, Ästhetik, Wissenschaft und Gesellschaftsordnung ausweisen.
AutorIn: Iris Bäcker
HerausgeberInnen: Dirk Kemper und Elisabeth Cheauré
Was ist das für eine Lust an der Lektüre, um derentwillen der Literaturliebhaber immer wieder zur Literatur greift? Worin bestünde für den Leser die Attraktivität der Literatur, wenn nicht eben darin, dass sie alle seine menschlichen Vermögen in Anspruch nimmt – die sinnlichen genauso wie die intellektuellen, die ethischen und die ästhetischen?
Ausgerechnet die klassische Wirkungsästhetik, die doch eigentlich den Leser aus seinem Schattendasein heraus- und in die Literaturtheorie hatte einführen wollen, handelt von dem Wirkungspotential des literarischen Textes, und nicht davon, wie der Leser mit allen seinen Vermögen auf dieses Wirkungspotential anspricht. In Absehung von und zugleich in Berücksichtigung der Wirkungsästhetik konkretisiert Iris Bäcker die Rede vom Leser in kulturhistorischer und literaturdidaktischer Perspektive.