Suchergebnisse

Klassische Moralistik – Moralistische Klassik
Der Band Montaigne und die Moralisten vereint Studien von Karlheinz Stierle, in denen die Moralistik als eine literarische Form des riskanten Denkens begriffen wird.
Michel de Montaigne hat mit seinen Essays eine offene Form des Nachdenkens über die menschliche Natur gefunden, der Friedrich Nietzsche erstmals den Namen Moralistik gab. Der ›moralistische‹ Montaigne ist Gegenstand des ersten Teils. Auf der Grundlage von Montaignes experimentierender Menschenkunde verfolgt der zweite Teil die Herausbildung einer »negativen An-
thropologie«, die der klassischen Literatur des französischen 17. Jahrhunderts ihre Prägung gab. Die Literaturkritik Sainte-Beuves und Nietzsches aphoristische Reflexionen über das Menschliche, Allzumenschliche bekunden die fortdauernde Modernität des moralistischen Denkens, das im 20. Jahrhundert insbesondere von der deutschen Romanistik zu einem eigenen Forschungsgebiet gemacht wurde.


Der Band vereint Studien von Karlheinz Stierle, in denen die Moralistik als eine literarische Form des riskanten Denkens begriffen wird.
Michel de Montaigne hat mit seinen Essais eine offene Form des Nachdenkens über die menschliche Natur gefunden, der Friedrich Nietzsche erstmals den Namen Moralistik gab. Der ›moralistische‹ Montaigne ist Gegenstand des ersten Teils. Auf der Grundlage von Montaignes experimentierender Menschenkunde verfolgt der zweite Teil die Herausbildung einer »negativen Anthropologie«, die der klassischen Literatur des französischen 17. Jahrhunderts ihre Prägung gab. Die Literaturkritik Sainte-Beuves und Nietzsches aphoristische Reflexionen über das Menschliche, Allzumenschliche bekunden die fortdauernde Modernität des moralistischen Denkens, das im 20. Jahrhundert insbesondere von der deutschen Romanistik zu einem eigenen Forschungsgebiet gemacht wurde.
Hermenautische Erkundungen in Dantes "Commedia"
Die europäische Literatur der Neuzeit ist im Italien des 14. Jahrhunderts begründet worden. Bis heute gilt Dantes Commedia als das kühnste, sprachmächtigste Werk, das die Nachantike hervorgebracht hat.
Der Aufbruch des Dante‘schen Odysseus ins westliche Weltmeer, um am Abend seines Lebens die unbekannte Welt ›ohne Menschen‹ jenseits der untergehenden Sonne zu erkunden, steht im Mittelpunkt der hier unternommenen Explorationen in Dantes ›großem Meer des Sinns‹. Wie Odysseus bricht auch Dante zu einer ungeheuren Reise auf, um sich in einer tiefen Lebenskrise des Sinns der Welt zu vergewissern.
Doch zugleich ist der Aufbruch des imaginären Wanderers durch das Ganze der menschlichen und göttlichen Welt ein Aufbruch des Dichters Dante zu einer neuen Idee des Werks.
Grundlegung einer systematischen Literaturwissenschaft
In seinem Buch Text als Handlung, das er jetzt in überarbeiteter und wesentlich erweiterter Form vorlegt, vertritt Karlheinz Stierle die Notwendigkeit einer systematischen Literaturwissenschaft auf der Grundlage einer Max Weber verpflichteten allgemeinen Handlungstheorie. Stierles Versuch, unterschiedliche kulturwissenschaftliche Theorietraditionen zusammenzuführen, ist geleitet von der Voraussetzung, dass erst die systematisch aufgeklärte Frage an den Text das Zusammenspiel von einmaliger Form und verborgener Struktur freilegen kann.
Stierles Plädoyer für eine systematische Literaturwissenschaft auf der Grundlage einer allgemeinen Handlungstheorie hat seine abschließende Form gefunden. An einer Reihe exemplarischer Interpretationen wird verdeutlicht, wie die systematisch aufgeklärte Frage an den Text, weit entfernt davon, ihn in ein abstraktes Schema zu pressen, diesen in immer neuer Weise zum Sprechen bringt.
Zur fotografischen Eroberung Ägyptens im 19. Jahrhundert
Reihe: Bild und Text
Die Entdeckung Ägyptens als touristisches Ziel war begleitet von einer reichen Produktion fotografischer Bilder. Diese hatten mit der Lebenswirklichkeit der Bewohner Ägyptens kaum mehr etwas zu tun, umso mehr aber mit den Phantasien und Phantasmen der westlichen Touristen.
Die Aufnahmen stammten alle aus den Ateliers auswärtiger Fotografen und zeigten nach dem Prinzip des Orientalismus das, wodurch sich die traditionelle muslimische Kultur von der westlichen unterschied. Ein besonders beliebtes Motiv waren die Haremsfenster oder Mashrabiyas, die das Erscheinungsbild der traditionellen Stadtviertel Kairos prägten. Die an den privaten Wohnräumen angebrachten Erker erlaubten es den Frauen, das Treiben im Hof und auf der Straße zu beobachten, ohne dabei selbst gesehen zu werden. Für die Fotografen wurde der architektonische Schleier zu einem emblematischen Zeichen, das den Orient als solchen charakterisierte.

Laurence Sterne und die bildende Kunst
Reihe: Bild und Text
»Great wits jump« – Originelle Geister vollführen Gedankensprünge: Für Sterne ist dieser Anspruch zugleich seine ästhetische Grundüberzeugung, denn ungewöhnliche Assoziationen können verschüttete oder schamhaft verschwiegene Gedanken blitzartig erhellen.
Die sternesche Zitierpraxis agiert auf ebendiesem Felde: Seine Romane zeichnen sich besonders durch ihre vieldeutige Sprache aus, sie sind aufgeladen mit einer Fülle von Anspielungen, die sich nicht endgültig entschlüsseln lassen.
Dass Laurence Sterne in seinen Werken unzählige Passagen aus der literarischen Überlieferung zitiert, ist zwar seit Langem bekannt. Werner Busch kann nun aber zeigen, dass Sterne auch zahlreiche Werke der bildenden Kunst aufgreift und seinem Werk radikal einverleibt.
Laurence Sterne vermeidet folgerichtiges Erzählen zugunsten zahlloser Abschweifungen und montiert seine Texte aus einer unüberschaubaren Vielzahl von Bausteinen, die er sich aus der gesamten literarischen Überlieferung borgt und nur minimal verändert. Gerade dieses Montageverfahren macht Sternes Modernität aus: James Joyce und Virginia Woolf oder auch Thomas Mann und Arno Schmidt beziehen sich auf ihn als einen Autor der literarischen Moderne. Neben dieser Textmontage zitiert Sterne – vor allem in geradezu absurd ausführlichen Beschreibungen von Gesten und Situationen – zahlreiche Werke der bildenden Kunst. Dabei eignet sich Sterne in seinem Schreiben zumeist Werke aus der Vergangenheit an, bezieht sich aber auch auf die Kunst seiner Zeitgenossen.
Werner Busch gelingt es nicht nur nachzuweisen, welche Bilder Sterne auf diese Weise zitiert. Er kann sogar darlegen, woher Sterne diese Bilder gekannt haben wird. Das führt ihn zu der Frage, aus welchem Grund Laurence Sterne Szenen aus Zeichnungen, Gemälden, Radierungen und häufig sogar Karikaturen für seine Texte verwendete.
Das Auge der Geschichte I
Reihe: Bild und Text
In diesem Essay über Brecht und die Montage, der aus anderer Perspektive Bilder trotz allem fortsetzt, untersucht Didi-Huberman die konkreten Verfahren und theoretischen Entscheidungen, die Bertolt Brechts Nachdenken über den Krieg zugrunde liegen.
Der Dichter, der lange im Exil leben musste, möchte eine Geschichte begreifen, deren Schrecken er, wenigstens bis zu einem gewissen Grad, selbst erlebt hat. In seinem Arbeitsjournal wie auch in seiner Kriegsfibel hat Brecht eine große Anzahl von visuellen Dokumenten oder Bildreportagen neu montiert und kommentiert, die Bezug auf den Zweiten Weltkrieg nehmen.
Didi-Huberman zeigt, wie diese Erkenntnis durch Montagen eine Alternative zum historischen Standardwissen bildet, und dank ihrer poetischen Komposition viele Motive, Symptome und Querverbindungen freilegt, die sonst unbemerkt geblieben wären. In Brechts Montagen verbindet sich so auf exemplarische Weise das politische Engagement mit der ästhetischen Dimension.
Abschließend beobachten wir, wie Walter Benjamin, der zu seiner Zeit der beste Kommentator Brechts gewesen ist, subtil die Parteinahmen des mit ihm befreundeten Dramaturgen verschiebt, um uns zu lehren, wie aus Bildern Stellungnahmen gemacht werden können, das heißt: wie Bilder Position beziehen.
Auftrittsprotokolle zwischen Racine und Nietzsche
Reihe: Bild und Text
Einen Auftritt haben, bedeutet aus einem Grund in die Sichtbarkeit einer Bühne hervortreten. Seit den Anfängen des Dramas lässt es sich als Realisierung eines Figur und Grund-Verhältnisses beschreiben.
Anhand der Texte Goethes, Schillers und Kleists soll gezeigt werden, wie der Grund zur treibenden Kraft dramatischer Figuration wird. Das Buch sichtet die energetischen Felder, in denen sich Auftritte ereignen. Es fragt danach, wie dramatische Texte den Auftritt ihrer Figuren inszenieren, welche Regeln sie dabei anleiten und welche Gegenkräfte sie mobilisieren. Zugleich fragt es nach der Genese einer Dramatik, die sich nicht mehr für Handlungen, sondern für die Krisen des Erscheinens interessiert.
Theorien und Poetiken
Was ist Freundschaft? Die traditionelle Bestimmung der Freundschaft, die Aristoteles so wirkungsmächtig als eine Praxis des nahen Zusammenlebens zwischen Gleichen bestimmt hatte, ist nicht mehr das, was unsere heutige Kultur der Freundschaft ausmacht. In unserer Zeit sind Freundschaften eingebunden in offene und dynamische soziale Netzwerke, sie sind temporär und plural, sie verwirklichen sich oft eher in der Distanz der telekommunikativen Medien als in der Gegenwärtigkeit des anderen. Der Band fragt nach den historischen Bestimmungen des Begriffes der Freundschaft und seinen philosophischen, theologischen, soziologischen und literarischen Bedeutungen, um das Bewusstsein dafür zu öffnen, was Freundschaft sein kann.
Philosophie und Malerei in der Renaissance
Es gibt keinen Philosophen, der nicht dichtet und malt (fingit et pingit), schreibt Giordano Bruno am Ende einer Epoche der europäischen Kulturgeschichte, in der die Maler malend und schreibend über die Malerei reflektieren und Philosophen das Bild an der Grenze des begrifflichen Denkens neu in den Blick nehmen. Das Buch präsentiert Studien zum wechselseitigen Verhältnis von theoretischer Reflexion und künstlerischer Praxis der Malerei in der Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts. Im Zentrum stehen die italienische Malerei des Quattrocento, der nordische Realismus – und ihr Verhältnis zueinander.
Explorationen und Perspektiven
Der Band bietet eine neue Perspektive auf den moralistischen Diskurs vor allem in den romanischen Ländern unter primär ästhetischen Gesichtspunkten.
Im Zentrum stehen Aspekte der Konturierung des Menschen als eines Wesens, das nur aus der Erfahrung und Beobachtung des Konkreten näher zu bestimmen ist.


Mit Beiträgen von:
Günter Bader, Rudolf Behrens, Jörg Dünne, Roland Galle, Andreas Höfele, Wolfgang Matzat, Maria Moog-Grünewald, Katharina Münchberg, Patricia Oster, Helmut Pfeiffer, Jörn Steigerwald, Karlheinz Stierle, Rainer Warning, Friedrich Wolfzettel.