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Kunstwerk und Werkbegriff
Reihe: Bild und Text
Aspekte der Renaissance in der Romania
HerausgeberInnen: Karlheinz Stierle und Wolf-Dieter Stempel
oder Vom Nicht-Objekt durch Malerei
Reihe: Bild und Text
In einer heroischen Anstrengung strebte und strebt das Abendland nach Objektivität. Der Philosophie fiel es zu, deren Möglichkeit zu denken, die Wissenschaft hat mit ihr als dem idealen Ziel ihre unbestreitbaren Erfolge errungen, und die klassische Malerei hat sich leidenschaftlich um ihre Darstellung bemüht, bis hin zur Illusion des Wahren. Aber hat diese rationale Konstruktion des Objekts nicht andere Möglichkeiten von Kohärenz verdeckt, die bei uns erst später wieder hervorbrachen, in der modernen Malerei und Dichtung? Diesen anderen Kohärenzformen haben sich, völlig unaufgeregt und entspannt, jene altchinesischen Traktate über die Malkunst gewidmet, die François Jullien hier vor uns ausbreitet: In ihnen geht es um ein Bild, das wir nicht in die Enge einer Form einschließen können, sondern das sich im Wechsel zwischen dem Leeren und dem Vollen ständig wandelt, gleichsam um ein atmendes Bild, das die Spannung, die allem Leben zugrunde liegt, in die Gegensätze der Landschaft einschreibt. 'Das Besondere an Julliens Büchern liegt darin, daß seine sinologischen Forschungen nie der bloßen Lust an Exotik entspringen. Die ›Reise‹ nach China ist bei ihm vielmehr mit dem Versuch verbunden, unsere eigene Kultur aus fremder Perspektive zu sehen und so ihre Spezifität besser zu begreifen. In diesem Sinne stellt er in seinem neuen Buch unserer abendländischen Malerei und ihrer Suche nach der Objektivität jene andere Bildkonzeption gegenüber, die ihren Niederschlag in den chinesischen Traktaten über die Malkunst gefunden hat. Ganz allgemein orientiert sich die chinesische Ästhetik nicht an einer Form mit klaren und scharfen Konturen, sondern versucht, der Bewegung habhaft zu werden, dank deren die Dinge ständig und unmerklich von einem Zustand in den nächsten übergehen: Wolken, nebelverhangene Gipfel, flüchtige, fast schon verschwindende Formen. Während unsere Ästhetik den spezifisch menschlichen Charakter des Darstellungsvermögens betont, haben die chinesischen Denker das figurative Vermögen des Menschen aus der Gestaltungskraft der Natur abgeleitet, die vom Menschen nur adaptiert wird.' Jean Blain, LIRE
Theorien und Poetiken
Was ist Freundschaft? Die traditionelle Bestimmung der Freundschaft, die Aristoteles so wirkungsmächtig als eine Praxis des nahen Zusammenlebens zwischen Gleichen bestimmt hatte, ist nicht mehr das, was unsere heutige Kultur der Freundschaft ausmacht. In unserer Zeit sind Freundschaften eingebunden in offene und dynamische soziale Netzwerke, sie sind temporär und plural, sie verwirklichen sich oft eher in der Distanz der telekommunikativen Medien als in der Gegenwärtigkeit des anderen. Der Band fragt nach den historischen Bestimmungen des Begriffes der Freundschaft und seinen philosophischen, theologischen, soziologischen und literarischen Bedeutungen, um das Bewusstsein dafür zu öffnen, was Freundschaft sein kann.
Explorationen und Perspektiven
Der Band bietet eine neue Perspektive auf den moralistischen Diskurs vor allem in den romanischen Ländern unter primär ästhetischen Gesichtspunkten.
Im Zentrum stehen Aspekte der Konturierung des Menschen als eines Wesens, das nur aus der Erfahrung und Beobachtung des Konkreten näher zu bestimmen ist.


Mit Beiträgen von:
Günter Bader, Rudolf Behrens, Jörg Dünne, Roland Galle, Andreas Höfele, Wolfgang Matzat, Maria Moog-Grünewald, Katharina Münchberg, Patricia Oster, Helmut Pfeiffer, Jörn Steigerwald, Karlheinz Stierle, Rainer Warning, Friedrich Wolfzettel.