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  • Author or Editor: Jörg Zirfas x
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Wir leben in einer Welt der Bilder – so lautet der in den Geistes- und Sozialwissenschaften konstatierte iconic turn. Gleichzeitig leben wir in einer performativen Kultur, in der Aufführungen, Inszenierungen und Rituale immer stärker an Bedeutung gewinnen. Bilder spielen beim performativen Charakter der Sprache sowie bei der Inszenierung und Wahrnehmung sozialer bzw. künstlerischer Handlungen eine zentrale Rolle. Bilder sind Ereignisse. Sie entwickeln in performativen Aufführungen und Inszenierungen eine spezifische Kraft und Ambivalenz, die mit enigmatischen, transgressiven und liminalen Zuständen verbunden ist. In diesem szenisch-prozessuralen Spannungsverhältnis mischen sich kollektive mit individuellen Bildern, die weder allein auf Textualität reduziert noch einfach hinterschritten werden können. In welchem Maße und zu welchem Nutzen von einer Ikonologie des Performativen gesprochen werden kann, erörtern die Autoren in struktureller, historischer und methodischer Hinsicht. Zur Sprache kommen dabei sowohl kulturspezifische wie kulturübergreifende Bildmuster, kollektive und individuelle Bildräume, Performativität im Bild sowie das Bild als performatives Medium. Die Beiträge stammen aus der Anthropologie, Kunstgeschichte, Medien- und Bildwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Geschichtswissenschaft, Erziehungswissen-schaft, Soziologie, Philosophie und Ethnomethodologie.
Inszenierungen. Praktiken. Symbole
Die aktuelle Debatte und die Wiederentdeckung des Rituals ist nicht zufällig. In der gegenwärtigen politischen Situation, die von Diskussionen um den Zerfall des Sozialen, den Verlust von Werten und der Suche nach einer kulturellen Identität geprägt sind, gewinnen Rituale und Ritualisierungen eine größere Bedeutung. Wurden sie im Zuge der 68er Debatte um den Nationalsozialismus fast ausschließlich unter den Aspekten der Stereotypie, Rigidität und Gewalt thematisiert, wenn nicht gleich nur vormodernen Gesellschaften zugeschrieben, so sollen sie jetzt eine Brückenfunktion zwischen den Individuen, den Gemeinschaften und den Kulturen übernehmen. Dabei lässt sich in den hier vorliegenden neuen Arbeiten der Trend zu einer neuen Akzentuierung in des Ritualbegriffs ausmachen. Die an der Phänomenologie, Medientheorie, Literaturwissenschaft, Ethnologie und den Kultur- und Geschichtswissenschaften orientierten Bestimmungen des Rituals fokussieren auf die Formen der Inszenierung von Macht, auf die Dynamiken symbolischer Ordnungen und auf die Magie des Ästhetischen. Rituale erscheinen als performative kulturelle Welten. Für die Entstehung und Praxis von Religion, Gesellschaft und Gemeinschaft, Politik und Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft, Erziehung und Bildung sind sie unerlässlich. Mit ihrer Hilfe werden die Welt und die menschlichen Verhältnisse geordnet und interpretiert; in ihnen werden sie erlebt und konstruiert. Rituale erzeugen einen Zusammenhang zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft; sie ermöglichen Kontinuität und Veränderung, Struktur und Gemeinschaft sowie Erfahrungen von Transition und Transzendenz. Sie erscheinen nun nicht mehr als irrationaler Ausdruck von Mysterien kultischen Ursprungs, oder als Medium einer zum Irrationalismus geronnenen instrumentellen Vernunft totalitärer Systeme, sondern als lebensweltliche Scharniere, die durch ihren sozialen, ethischen und ästhetischen Gehalt unhintergehbare Sicherheiten in den Zeiten der Unübersichtlichkeit gewähren sollen. Aus dem Inhalt CHRISTOPH WULF, JÖRG ZIRFAS Performative Welten. Einführung in die historischen, systematischen und methodischen Dimensionen des Rituals CHRISTOPH WULF Ritual, Macht und Performativität. Die Inthronisation des amerikanischen Präsidenten KLAUS-PETER KÖPPING Geborgte Autorität? Autorität und Verhandelbarkeit von Shinto- und Volksritualen in Japan HORST WENZEL Ritual und Repräsentation WERNER RÖCKE Die Gewalt der Narren. Rituale der Gewalt und der Gewaltvermeidung in der Narrenkultur des späten Mittelalters JÖRG ZIRFAS Rituale der Grausamkeit. Performative Praktiken der Folter HANS-GEORG SOEFFNER Überlegungen zur Soziologie des Symbols und des Rituals GERD ALTHOFF Baupläne der Rituale im Mittelalter. Zur Genese und Geschichte mittelalterlicher Herrschaftsrituale INGRID KASTEN Ritual und Emotionalität. Die Anfänge des Theaters im Mittelalter AXEL MICHAELS Das Heulen der Schakale. Ein Tier- und „Menschen“-opferritual in Nepal CATHERINE BELL Exercise, Ritual, and Political Dissent: The Falun Gong KARL-SIEGBERT REHBERG Institutionelle Ordnungen zwischen Ritual und Ritualisierung HELMAR SCHRAMM Ritual und Instrument ERIKA FISCHER-LICHTE Theater und Ritual ANGELA KEPPLER Das Ritual politischer Talkshows LUDWIG JÄGER Zur medialen Logik von Ritualen JOHANNES BILSTEIN Zur Ikonographie von Ritualen GERT NEUMANN Le rituel piège. Daniel Spoerris Fallenbilder zwischen Kunst und Ethnographie
Stimmen von Philosophen, Künstlern und Therapeuten
Die Lebenskünste sind ein Resultat aus dem gelebten Leben, seinen theoretischen Ein-sichten, praktischen Erfahrungen und erprobten Techniken. Theorien und Modelle der Lebenskunst finden sich in den Schriften bedeutsamer Denker des letzten Jahrhunderts oftmals avant la lettre in unterschiedlichen Medien.
Der Band profiliert sich durch einen interdisziplinären Zugang gegenüber bisherigen Versuchen zur Lebenskunst mit stark philosophischem bzw. phänomenologischem Einschlag. Neben bedeutenden Philosophen wie Popper, Arendt, Camus, Langer, Dávila und Blumenberg, kommen insbesondere Schriftsteller wie Thomas Mann, Andersch und Kunert sowie Künstler wie Cage und Beuys zur Sprache. Darüber hinaus sind die naturwissenschaftlichen Zugänge durch Weizsäcker, die pädagogische Ansätze durch Neill und die psychologischen und therapeutischen Modelle durch Lou Andreas-Salomé, C.G. Jung, Rank, Kohut, und Fonagy vertreten. Die Lebenskunstmodelle werden mit den Biografien der einzelnen Autoren ver-schränkt, um so zu verdeutlichen, wie bedeutsam der biografische Entstehungskontext für die Lebenskunst selbst ist.
Die Zukunft der Performativitätsforschung
Mindestens ebenso spannend wie die Frage danach, was die Zukunft bringen wird, ist die Untersuchung wie und auf welche Weise Zukünftiges hervorgebracht wird. Der Band mit dem doppelsinnigen Titel „Performing the Future“ will zweierlei leisten: er prüft die bisherige Theoriebildung im Bereich der Performativitätsforschung auf Möglichkeiten ihrer Weiterentwicklung und untersucht die Hervorbringung von Zukünftigem als eine spezifische Wirkdimension des Performativen. Worin besteht die transformative Kraft, die spezifische energeia des Performativen und wie lässt sie sich genauer beschreiben und fassen? Die titelgebende Doppelformel verweist auf die enge Verbindung von Darstellung und Herstellung, die die Beiträge des Bandes offen legen.
Inszenierung, Aufführung und Praxis
Gesten gehören zu den frühesten und wichtigsten Darstellungs- und Ausdrucksformen. Sie sind allen Menschen gemeinsam und sind zugleich historisch und kulturell unterschiedlich. Gesten sind Handlungen ohne Worte. Als soziale und ästhetische Darstellungs- und Ausdrucksformen bringen sie den Körper in Erscheinung. Sie sind dynamisch und performativ; sie spielen eine zentrale Rolle in: bildender Kunst, Film und Musik; Theater, Performance und Tanz; sozialen und pädagogischen Beziehungen.


Gesten werden inszeniert und aufgeführt. Ihre Performativität gestaltet gesellschaftliche, soziale und künstlerische Praxis. Mit dem historischen
und kulturellen Wandel und mit Innovationen in den Künsten ändern sich Gesten und ihre Bedeutung. Mit der Ubiquität der neuen Medien finden viele eine globale Verbreitung und entwickeln sich je nach Kontext, Darstellung, Ausdruck, Inszenierung und Aufführung. Wie sich Gesten zeigen, konturieren und verfeinern, wie sie gelernt und in Szene gesetzt werden, wie sie funktionieren und wirken, wird in einem multidisziplinären Zugang untersucht und mit der Vielfalt interkultureller geistes- und sozialwissenschaftlicher Perspektiven dargestellt.