Search Results

You are looking at 1 - 10 of 13 items for

  • Author or Editor: Christiane Solte-Gresser x
  • Primary Language: German x
  • Search level: All x
Clear All
In: Traumwelten
In: Komparatistik heute

»In Auschwitz träumten wir nicht, wir delirierten«, sagt Charlotte Delbo im zweiten Teil ihrer Roman-Trilogie Auschwitz et après über ihre traumatischen Erfahrungen als deportiertes Résistance-Mitglied. »Von Auschwitz lässt sich nicht erzählen; allenfalls in Form eines Traums«, so müsste man demgegenüber die Intention Vercors resümieren, der mit seiner Erzählung »Le songe« als einer der ersten Nicht-Inhaftierten versucht, das Grauen der Konzentrationslager literarisch in Worte zu fassen. Dennoch besteht eine auffällige Gemeinsamkeit zwischen beiden Traum-Texten: Die Konzentrationslagerträume aus Charlotte Delbos Trilogie und Vercors’ Erzählung »Le songe« erzählen jeweils von »Muselmännern «; jenen »Untoten«, die für Giorgio Agamben zur »vollkommenen Chiffre des Lagers werden«. Darüber hinaus lassen sich sowohl rhetorisch-stilistische als auch motivische und narratologische Parallelen erkennen, die eine Engführung beider Texte nahelegen: Sie verwenden etwa eine bis an die Grenzen des Erträglichen reichende Sprache der körperlichen Erfahrungen und Sinneswahrnehmungen. Beide konstruieren zudem eine unauflösliche, erzähltechnisch komplexe Verbindung zwischen Erzählstimme, Figuren und Leser. Eine vergleichende Lektüre vollzieht in diesem Beitrag nach, inwiefern das Sterben der Anderen, das jeweils von einem erzählenden Ich beobachtet wird, letztlich nicht mehr von der Erfahrung des eigenen Todes zu unterscheiden ist. Damit lassen sich beide Erzählungen als Versuche lesen, über die geträumte Identifikation mit dem ›Muselmann‹ der Aporie der Shoah zu entgehen, die nach Giorgio Agamben »in doppeltem Sinne ein Ereignis ohne Zeugen [ist]«. Mittels der erzählten Traumerinnerung führen Vercors’ »Le songe« und Delbos Aucun de nous ne reviendra ein Paradox vor Augen, das sich auch als kritische Auseinandersetzung mit dem Topos der Unsagbarkeit verstehen lässt: Sie zeigen, wie Erleben und Bezeugen des Sterbens zusammenfallen.

In: An den Rändern des Lebens
Vergleichende Studien zum Traum als Erzählverfahren
Das erste Buch, das sich umfassend und systematisch erzählten Träumen der Shoah in autobiografischen und fiktionalen Texten widmet.
Untersucht werden Traumnotate, Traumerzählungen und Traumreflexionen, die in unmittelbarem Zusammenhang mit den Konzentrationslagern des NS-Regimes stehen. Eine vergleichende Lektüre aus wissens- und erfahrungspoetischer Perspektive bringt das breite Spektrum an Erzählweisen zum Vorschein, mit denen sich bekannte wie bislang kaum beachtete Autor:innen über den Traum schreibend der Shoah annähern. Solche Shoah-Träume bergen ein Wissen, das auf anderem Wege kaum zugänglich oder vermittelbar ist. Indem sie die Grenzen des Sagbaren ausloten, liefern die erzählten Träume einen eindrücklichen Beitrag zur Auseinandersetzung mit der ‚Undarstellbarkeit‘ der Shoah.
In: Traum und Inspiration
In: An den Rändern des Lebens
In: An den Rändern des Lebens
Sinnliche Wahrnehmung in ästhetischen Traumdarstellungen
Volume Editors: Stephanie Catani and Sophia Mehrbrey
Der Band untersucht, wie die sinnliche Dimension des Träumens in Literatur, Film und Kunst dargestellt wird.
Der Traum stellt eine elementare Körpererfahrung dar, bei der alle Sinne des Menschen stimuliert werden. Die ästhetische Darstellung leiblicher Erfahrungen und sensorischer Wahrnehmung bleibt in Untersuchungen zu ästhetischen Traumdarstellungen bislang weitgehend unbeachtet. Der vorliegende Band bietet mit 16 Aufsätzen aus den Literatur-, Medien-, Musik- und Kunstwissenschaften einen transeuropäischen wie auch diachronen Überblick, der sich von Caravaggio über Shakespeare bis zu Baudelaire erstreckt. Auch weniger kanonische Autor:innen und Genres, wie der Horrorfilm, Kinderliteratur oder die Romane von Margaret Atwood werden in Hinblick auf die Darstellung synästhetischer Traumerfahrungen untersucht.
Träume vom Sterben und Geborenwerden in den Künsten
Sterben und Geborenwerden liegen an oder jenseits der Grenzen des Lebens. Damit kommen sie stets entweder zu früh oder zu spät, um als authentische eigene Erfahrung mitgeteilt werden zu können. Träume hingegen vermögen in Form von Fiktionen, Imaginationen und Inszenierungen ästhetische Erfahrungsräume für diese extremen körperlichen Übergänge zu eröffnen. In Träumen vom Lebensanfang und Lebensende werden das ohnehin Rätselhafte des Traums, seine Missachtung der physikalischen Gesetze von Zeit und Raum sowie die Infragestellung kultureller Modelle von Identität, Kohärenz und Rationalität noch potenziert. Literarisch-künstlerische Traumerzählungen und Traumbilder finden höchst originelle Ausdrucksformen, um das Abwesende, Unvorstellbare oder nicht realistisch Erzählbare zu vergegenwärtigen und zu vermitteln: Von der klassischen Antike bis in die Gegenwart hinein lassen sich unzählige Träume in Literatur, Kunst, Musik, Theater und Film ausmachen, bei denen die leibliche und sinnliche Erfahrung von den Grenzen des Lebens im Mittelpunkt steht. Solchen Phänomenen des geträumten Geborenwerdens und Sterbens, seinen Wissensdiskursen sowie seinen komplexen künstlerischen Realisierungen widmet sich dieser Band, der sich im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs »Europäische Traumkulturen« als Beitrag zu einer Literatur-, Kultur- und Mediengeschichte des Traums versteht.
Transformationen eines Topos in Literatur, Kunst und Musik
Träume gelten schon seit der Antike als Quelle der Inspiration. Anhand medienübergreifender, interdisziplinärer Analysen entwirft dieser Band erstmals ein differenziertes Bild der Funktionen und Deutungen dieses zentralen Topos der europäischen Kulturgeschichte.
Insbesondere ab dem ausgehenden 18. Jahrhundert werden Träume zunehmend als Erfahrungsräume für künstlerische Kreativität nutzbar gemacht. Doch die Rede vom Träumer als Künstler beziehungsweise vom Künstler als Träumer durchzieht nicht nur den philosophischen und kunsttheoretischen Diskurs der Romantik und daran anknüpfender Künstler- und Schriftstellergenerationen. Sie findet sich bis heute in zahlreichen Werken der Literatur, Malerei und Grafik, ja selbst im Theater und in der Musik wieder. Dabei erscheint der Traum als produktiver Bewusstseinszustand, in dem der Kunstschaffende besonders empfänglich ist für die Regungen der eigenen Imaginationskraft oder auch für von außen herangetragene Eingebungen transzendenten Ursprungs.