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  • Author or Editor: Kristin Platt x
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Feindschaft ist kein 'Phänomen'. Wir können weder Beruhigung darin finden, Feindschaft als anthropologische Konstante, noch als historische, möglicherweise überwindbare Eigenschaft menschlichen Zusammenlebens zu diskutieren. Denn auch zu den Erscheinungsbildern der Moderne gehören Feindbilder, auch Gewalt und Krieg der Moderne werden über Feindschaften legitimiert. Oder ruft gerade die zusammenwachsende Welt der Transnationalisierung aufgrund bestimmter 'Un-Überschaubarkeiten' alte Feindschaften wach, damit Identitäten gesichert werden? Reicht es aus, angesichts der komplexen Struktur moderner Gesellschaften den Feind als das Ergebnis der Eskalation eines Interessenkonfliktes zu deuten? Wird Feindschaft nicht vielmehr konstruiert und aktualisiert über Geschichtsbilder, kulturelle Muster und exkludierende Projektionen, über die Generierung und Tradierung von Feindbildern? Die Beiträge des Bandes untersuchen konzentriert Prozesse und Struktureigenschaften von 'Verfeindung': generationenüberdauernde sozialhistorische und kulturelle Entstehungs- und Überlieferungszusammen-hänge. Die Einbeziehung von konstruktivistischen, system- oder diskurstheoretischen Überlegungen, neue Ansätze zur Rezeption Carl Schmitts, die Berücksichtigung althistorischer Verfeindungsaspekte oder die Arbeit mit Feindkonzepten, die in modernen Medien transportiert werden, eröffnet gerade für die Analyse von Gewaltprozessen in der Moderne neue Blickwinkel. Aus dem Inhalt FRIEDRICH BALKE: Politische Existenz und 'bloßes Leben'. Zur Selektivität des Politischen am Beispiel Carl Schmitts • MEDARDUS BREHL: 'Feinde ringsum!' – Zur diskursiven Konstruktion nationaler Bedrohung im Deutschen Kaiserreichs • GUDRUN BROCKHAUS: Sucht nach Feinden • ACHIM BROSZIEWSKI: Das Risiko der Kommunikation und die Gefahr der Dämonisierung • LUCIAN HÖLSCHER: Der innere und der äußere Feind. Semantische Strukturen der Feindschaft seit dem 18. Jahrhundert • UWE-K. KETELSEN: Warum will der Preuße aus dem Schädel des Panduren süßen Tokayer trinken? Ein Beispiel symbolischer Organisation von Feindschaft am Beginn des bürgerlichen Zeitalters • WOLFGANG PALAVER: Vom Nutzen und Schaden der Feindschaft: Die mythischen Quellen des Politischen • KRISTIN PLATT: Zum Aspekt der Vision in der Aktualisierung kollektiver Exklusionsmuster • JOSEPH VOGL: Beliebige Feindschaft: Amok • CLAUS WILCKE: Altmesopotamische Feindschaft • RAIMAR ZONS: Selbstverfeindung. Zur Geschichte des modernen Antisemitismus in Deutschland
Die Hoffnung, durch Erinnerung an die Opfer der Vergangenheit künftigen Gewaltereignissen vorbeugen zu können, scheint sich nicht erfüllt zu haben. Auch das 21. Jahrhundert hat mit kollektiver Verfolgung und Gewalt begonnen. In den Analysen dieser Gewalt ist die Rede von 'ethnischer Säuberung' oder von Gesellschaften, die den Status der 'modernen, zivilisierten Welt' noch nicht erreicht haben. Haben sich die Wissenschaften den Herausforderungen, die von kollektiver Gewalt, von Krieg und Genozid ausgehen, wirklich gestellt? Wie läßt sich eine analytische Sprache finden, die Verletzungen nicht überdeckt, sondern sie spürbar werden und bleiben läßt? Wie kann die historische Quellenanalyse der Gefahr entgehen, die durch die Sprache übermittelten Identitäts- und Geschichtsmuster völkisch-nationaler, rassistischer oder anderer ausschließender Mentalitätsfiguren weiterzutragen? An welche Muster der Rede schließen wissenschaftliche aber auch literarische Codierungen kollektiver Gewalt an? Welche Konzepte und Perspektiven muß eine interdisziplinäre Gewaltforschung entwickeln, um einen analytischen Zugang zu verschiedenen Tätergesellschaften zu ermöglichen, ohne die Singularität der einzelnen Opfer zu relativieren? Die Beiträge des interdisziplinär angelegten Bandes gehen diesen Fragen aus der Perspektive der Geschichts- und Sozialwissenschaften, der Literaturwissenschaft, Philosophie, Psychologie und Psycholinguistik sowie der Medienwissenschaften nach. Aus dem Inhalt CLAUS-EKKEHARD BÄRSCH: Gewalt und der Genozid gemäß der politischen Religion Adolf Hitlers MEDARDUS BREHL: Krieg der Codes CATHY CARUTH: Re-Präsentation und Referenz: Der Name des Überlebenden PETER GENDOLLA: Gewalt/Simulationen. Vom Nutzen und Nachteil der Modelle für das Leben ROBERT HETTLAGE: Gewalt und Ehre LUCIAN HÖLSCHER: Gewalt als historische Herausforderung und als Herausforderung für die Wissenschaften MONA KÖRTE: Modalitäten des Ästhetischen BURKHARD LIEBSCH: Sprechende Gewalt PETER LONGERICH: Öffentlichkeit und kollektive Gewalt ERIC MARKUSEN: Genozidpolitik WOLFGANG MÜLLER-FUNK: Codierungen des Nicht-Sprechens und des Nicht-Sprechen-Könnens KRISTIN PLATT: Wissenschaft und Perspektive NIGEL RAPPORT: Über jene, die mit der Verbrennung von Büchern beginnen. KURT RÖTTGERS: Spuren der Macht und das Ereignis der Gewalt JÜRGEN STRAUB: Unverlierbare Zeit, verkennendes Wort. Nach der Shoah. Sekundäre Traumatisierung der 'Zweiten Generation' LILIANE WEISSBERG: Deutlich sichtbar