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  • Author or Editor: Claudia Öhlschläger x
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Literarische Texte hinterfragen nicht nur die Souveränität moralischen Handelns, sondern auch die Souverä-nität von Sprachhandlungen. Kultur und Kulturwissenschaften haben in jüngster Zeit ein erneutes Interesse an literarisch-ästhetischen Reflexionen ethischen Denkens und Handelns bekundet. Fast ließe sich von einem „ethical turn“ sprechen. Der Band Narration und Ethik fragt nach dem jeweils historischen und kulturellen Stellenwert solcher Reflexionen, nach der Kasuistik von Handlungen und deren Valorisierung in der europäi-schen, außereuropäischen Literatur und in der Philosophie. Einzelne Fall-studien stellen unter Beweis, dass literarische Erzählungen und Erzähl-strukturen normativen Vorgaben nicht einfach folgen, sondern dass sie viel-mehr das Konfliktpotential möglicher Handlungsweisen zur Diskussion stel-len, Handlungsentwürfe modellieren oder gar suspendieren.
Wilhelm Worringer und der Geist der Moderne
Wilhelm Worringers Theoreme zu Ornament und Fläche, sein Plädoyer für eine neue Denksinnlichkeit (Spiritualität) und seine radikale Absage an das klassische Nachahmungsparadigma erweisen sich als Schlüsselargumente der hier eröffneten These, dass die Künste um 1900 auf das Krisensymptom entzogener Wirklichkeit und Referentialität mit dem Paradox der Sichtbarmachung unsichtbarer Evidenzen reagieren. Wie bedeutsam Worringers anthropologisch argumentierende Studie 'Abstraktion und Einfühlung' (1908) insbesondere für die poetischen, photographischen und künstlerischen Konzepte der Moderne ist, wird unter anderem an den Werken von Strindberg, Rilke, Hofmannsthal, Klimt, Loos, Moholy-Nagy aufgezeigt
Historische und systematische Perspektiven
Author: Mathias Mayer
Die Urkatastrophe des Ersten Weltkriegs brachte das »Wert-Vakuum« (Hermann Broch) zum Vorschein, in dem sich eine spezifisch literarische Ethik ausbildete.
Nach dem Versagen der bisherigen Moralvorstellungen übernimmt vor allem die Literatur den Versuch, nach den (Hinter-)Gründen der Katastrophe zu fragen: Nicht die dokumentarischen Szenarien werden hier beleuchtet, sondern die Aufarbeitung im satirischen (Karl Kraus), essayistischen (Broch), utopischen Schreiben (Musil) wie im Roman der 20er Jahre (u. a. Der Zauberberg, Der Mann ohne Eigenschaften, Die Schlafwandler).
Literarische und filmische Imaginationen
Author: Leonie Süwolto
Alter(n) ist nicht nur eine biologische Größe. Altersvorstellungen sind in erster Linie wandelbare kulturelle Konstrukte, die in einer Gesellschaft, in der der demographische Wandel den Generationenvertrag belastet, Transformationen unterliegen. Als anthropologische Universalie ist das Alter seit der Antike z.B. in Form des Motivs der Altersweisheit ein Thema literarischer Repräsentationen. Unter dem Eindruck des fortschreitenden Altersstrukturwandels transformieren sich positiv konnotierte Altersbilder solcherart und werden angesichts einer wachsenden gesellschaftlichen Herausforderung, die das Missverhältnis der Lebensalter zeitigt, umfassenden Abwertungsmechanismen unterworfen. Leonie Süwolto untersucht ausgehend vom Paradigma des demographischen Wandels aus diskursanalytischer und gendertheoretischer Perspektive die Konstruktionsmechanismen gängiger Altersbilder. Sie zeigt, wie literarische und filmische Fiktionen des Alter(n)s diese Konstruktionsmechanismen offenlegen und dekonstruieren, um ein Bewusstsein für alternative Vorstellungen des Alter(n)s zu schaffen und so eine ethische Funktion erfüllen.
Zum Verhältnis von Ethik und Narration in philosophischen und literarischen Texten der Gegenwart
Die Herausforderungen der Globalisierung führen zu verschärften Debatten über Ethik und Moral. Auch die Literatur und die Philosophie der Jahrtausendwende setzen sich verstärkt mit ethischen Fragestellungen auseinander.
Wie werden die drängenden ethischen Fragen in literarischen und philosophischen Texten der Gegenwart ästhetisch gestaltet? Die postmoderne Lust am vielschichtigen Spiel mit der Differenz scheint verabschiedet zu sein. Stattdessen rufen die Texte der Gegenwart vermehrt zur Verantwortung auf: Akzeptanz und die Bewahrung des Andersseins und Andersdenkens werden zu einem zentralen Moment der Gegenwartsliteratur und -philosophie.
Die Reihe „Ethik – Text – Kultur“ will der anhaltenden Aufmerksamkeit für ethische Themen und Fragen in literatur- und kulturwissenschaftlichen Diskursen ein Forum bieten. Ethik – Text – Kultur markiert eine Konstellation, in der Ethik nicht als normative Wertsetzung verstanden wird, sondern als eine Reflexionstheorie von Moral, die es erlaubt, das kritische und widerständige Potential von Textualität und textuellen Praktiken in sowohl historischer als auch gegenwärtiger Perspektive sichtbar zu machen.
Darüber hinaus sollen in den Studien und Beiträgen der Reihe „Ethik – Text – Kultur“ die medialen und kulturellen Bedingungen ethischer Reflexion fokussiert werden. Zur Debatte stehen die implizite und explizite Ethik der Texte, ihrer Darstellungsweisen und ihrer Pragmatik, der Kultur und ihrer (medialen) Konstruktionen.
Heimliche und verpönte Blicke in Literatur und Kunst
Die Schaulust hat, mehr noch als der reine Sehvorgang, in der europäischen Kulturgeschichte eine höchst ambivalente Einschätzung erfahren. Allzu rasch ist sie als Voyeurismus moralisch disqualifiziert worden. Doch unauffällige, verstohlene oder indiskrete Blicke sind noch nicht unbedingt solche eines Voyeurs. Dieser tritt relativ spät erst in Erscheinung, ihm kommt in Literatur und Kunst erst nach 1800 eine gesteigerte Aufmerksamkeit zu. Ziel des Bandes ist es, auf eine möglichst breite Skala von gesellschaftlich unbeachteten, nicht gewürdig-ten oder sogar tabuisierten Sehvorgängen aufmerksam zu machen, wie sie etwa in Werken des 19. und 20. Jahrhunderts erscheinen. Entsprechend unterschiedlich fallen die ästhetischen und moralischen Bewertungen solcher Blickweisen aus.
Evidenz und Polyphonie der Gewissensentscheidung auf dem deutschsprachigen Theater der Frühen Neuzeit
»Read my lips…«, »als Ehrenmann versichere ich Ihnen…« – wer kennt nicht die öffentlichen Beteuerungen von Aufrichtigkeit und Gewissenhaftigkeit? Doch die selten überprüfbaren Wahrheitsinstanzen machen misstrauisch. Muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass die Wahrheit gesprochen wurde?
Fromholzer untersucht das Spannungsverhältnis von unerschließbarer Innerlichkeit und wahrheitsgemäßer Aussage unter Rückgriff auf das Theater der Frühen Neuzeit. Vom Reformationsdrama bis zu Friedrich Schiller bedarf das Gewissen objektivierbarer Kriterien, sei es als Imitatio Christi oder als aufgeklärte Urteilslegitimation, die seine Autorität gesellschaftlich begründen.
Die Ethik des Neutrums bei Robert Musil und Robert Walser
Author: Sarah Maaß
Die ethische Relevanz von Literatur wird nicht selten an deren Anschlussfähigkeit an moralische Vernunftnormen wie Urteils-, Entscheidungs- und Orientierungsfähigkeit bemessen.
Die Studie problematisiert diese moralphilosophische Überformung des ethical turn und weist auf einen (literatur-)ethischen Unterstrom hin, der auf Desorientierung, Entsubjektivierung und Urteilsenthaltung zuläuft. Derartig ›verantwortungslosen‹ Praktiken ist Roland Barthes’ Vorlesung Das Neutrum gewidmet, die mit Foucaults Systematik der Selbstverhältnisse und Deleuzes spinozistischer Ethologie als Ethik des Selbst rekonstruiert wird. In Robert Musils und Robert Walsers Romanen kommt eine ethologische Suchbewegung zum Tragen, die vom Phantasma des Neutrums angetrieben wird und eigenschaftslose Existenzweisen hervorbringt.
Mikroformate in Literatur, Kunst und Medien
Kleine Formen in Literatur, Medien und Künsten erweisen sich in Zeiten medialer, historischer und soziokultureller Umbrüche als besonders populär.
Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive lassen sich Kleine Formen nicht mehr nur auf kanonisierte Gattungen wie Aphorismen, Anekdoten, Embleme, Fabeln beziehen. Vielmehr nehmen sie Formate an, die über feste Gattungsgrenzen hinausgehen und diese auf mediale Diskurse hin öffnen: ob als literarische ›Bilder‹, Steno- und Mikrogramme oder Feuilletons mit kulturkritischem Zuschnitt. Wo sich künstlerische Prozesse der Umcodierung abspielen, wie z. B. in installativen Kunstwerken oder inszenierten Schaukontexten, müssen unterschiedliche Praktiken neu ausgehandelt werden. Kleine Formen verdeutlichen im Kontext von Gegenwarts- und Globalkunst das Potenzial von Entgrenzung und Transformation und tragen zur Erweiterung von Handlungskompetenzen bei.