in Hölderlin-Jahrbuch
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Bei Jean Renoir, einem der einflußreichsten Regisseure der Filmgeschichte, gehen Theater und Film eine enge Verbindung ein. Sein Filmschaffen begleitet zwei bedeutsame Medienumbrüche: den Übergang vom Stummfilm zum Tonfilm Ende der 20er Jahre und das Aufkommen des Fernsehens als Massenmedium Anfang der 60er Jahre. Seine „Theater/Filme“ erkunden die vielfältigen Spielräume, Wechselbeziehungen und Kombinationen zwischen Bühne und Leinwand. Sie überführen die Traditionen und Gattungen des europäischen Schauspiels – vom Barock- bis zum Boulevardtheater – in Darstellungsformen des Kinos, in eine Art Meta-Theater. Die Leinwand fungiert dabei wie ein Theatervorhang, vor oder hinter dem sich das filmische Geschehen abspielt. Renoir unterläuft die Trennung zwischen hoher Filmkunst und Unterhaltungsbedürfnis, indem er Populärformen des Amüsements und der Zerstreuung (Revue, Music Hall, Varieté, Slapstick) einbezieht und neue Spielformen entwickelt, in denen Kategorien wie Sein und Schein, Realismus und Surrealismus austauschbar erscheinen. Der Band Jean Renoirs Theater/Filme verknüpft exemplarische Filmanalysen mit intermedialen Fragestellungen – mit dem Ziel, Bausteine einer kombinierten Theater- und Filmgeschichte zur Verfügung zu stellen. Die einzelnen Beiträge des Bandes beleuchten aus unterschiedlichen Perspektiven Renoirs Zeit-Bilder, in denen sich imaginäre und gesellschaftliche Rollenspiele, kulturelle Inszenierungsformen und historische Entwicklungen, Aktualität und Virtualität durchdringen.
Visionen künftiger Körper in Geschichte, Kunst und Gesellschaft
Zukunftsvisionen, die durch die rasante Entwicklung innerhalb der Life-Science und der Computertechnologie angestoßen wurden, machen den Körper zur Projektionsfläche alter Menschheitsträume: sie versprechen das Ende von Krankheit, Schmerz, Alter und Tod. Spekulationen über neue Verbindungen von Mensch und Maschine im Cyborg, über gentechnische Modifikationen oder die vermeintliche Überwindung des Körpers durch seine Virtualisierung beschreiben diese Zukunftsentwürfe in den Termini von Utopie und Dystopie. Aber auch gesellschaftliche Praktiken zeugen vom Einwandern der Utopie in den Körper. War das Kriterium der Utopie bislang ihre Unrealisierbarkeit, so konkretisieren sich utopische Imaginationen im Zugriff auf reale Körper. Der Band untersucht einerseits, inwiefern sich Zukunftstechnologien und verbreitete Körperpraktiken mit utopischen Entwürfen verbinden. Andererseits wird gezeigt, in welchem Maße Utopien den Körper besetzen, indem sie ihn aufrüsten und disziplinieren.