HerausgeberInnen: Rolf Parr, Todd Herzog und Tanja Nusser
Schnittstellen sind Orte des Übergangs zwischen verschiedenen medialen Zuständen. Im übertragenen Sinne gilt dies auch für medienkulturwissenschaftliche Studien, die sich mit ihren theoretisch-methodischen Zugriffen und Forschungsfragen multidisziplinär verorten, die Texturen verschiedener medialer Herkunft als komplexe Szenen/Szenarien untersuchen und so Austausch sowie Diskussion über bestehende Grenzen hinweg sicherstellen.
Das Interesse der Reihe gilt jenen Intersektionen und Elementen, die an den verschiedenen Wissensformationen teilhaben. Mit dem Gemeinsamen einher geht aber auch der Schnitt, der eine ›künstliche Trennung‹ herbeiführen kann, die das analysierte Objekt in seine Einzelteile (auch im Sinne der Trennung von Gegenstand und Repräsentation) zerlegt. Um zu verstehen, wie Trennung und gleichzeitig Teilhabe an der Konstruktion von Wissensformationen beteiligt sind, müssen diskursiv und institutionell unterschiedliche Wissensformen und -produktionen aufeinander bezogen werden.
Kultur - Technik - Medien im postglobalen Zeitalter
Globus, mundus, Planet, Welt: Um die vielfachen Vernetzungen zu beschreiben, die sich über Ländergrenzen, kulturelle und politische Machtbereiche oder alte mediale Hegemonien hinweg entwickeln, werden Denkfiguren und Bilder geprägt, in denen die 'ganze Erde' gleichsam von außen gesehen wird. Ein Begriff, der diese unterschiedlichen Entwürfe ebenso fortschreibt wie reflektierbar macht, ist 'das Planetarische'. In diesem Band geht es um die möglichen 'Orte' und 'Standpunkte des Planetarischen' in einem postglobalen Zeitalter.
Eine interdiskurstheoretische Studie zu Elfriede Jelineks Theatertexten
AutorIn: Andrea Schöning
HerausgeberInnen: Rolf Parr, Todd Herzog und Tanja Nusser
Wie kaum eine andere Dramatikerin schafft es Elfriede Jelinek, mit ihren Texten seit Jahrzehnten für Aufruhr auf der Bühne und in den medialen und wissenschaftlichen Anschlussdiskursen zu sorgen. Dabei wird ihrem Werk, das 2004 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, fast hymnisch das Prädikat „Gesellschaftskritik“ zugeschrieben.

In dieser literaturwissenschaftlichen Studie wird der „Diskurs Jelinek“ in seiner Spezifik beschrieben und damit analysierbar und prinzipiell sogar simulierbar gemacht. Durch strukturale und zugleich interdiskursive Textanalysen ausgewählter Dramen werden dabei jene homologen Textstrukturen, wie oszillierende Figurenmodelle, in den Dramen aufgezeigt, die das Spiel der (Sprach-)Macht vor dem Hintergrund aktueller politischer und wirtschaftlicher Mediendiskurse offenlegen.
Automatismen sind Abläufe, die sich einer bewussten Kontrolle weitgehend entziehen. Die Psychologie kennt Automatismen im individuellen Handeln; die Soziologie untersucht Prozesse der Habitualisierung und der Konventionalisierung, Ökonomen haben die ›unsichtbare Hand‹ des Marktes als einen Automatismus beschrieben. Automatismen scheinen insbesondere in verteilten Systemen wirksam zu sein. Der Band führt in diesen neuen Forschungsbereich mit Beiträgen aus den Medien-, Literatur- und Kulturwissenschaften, der Psychoanalyse, Philosophie, Soziologie und der Informatik ein.
Narrationen von Arbeit zu Beginn des 21. Jahrhunderts
AutorIn: Iuditha Balint
HerausgeberInnen: Rolf Parr, Todd Herzog und Tanja Nusser
Von der Entgrenzung der Arbeit ist inzwischen allenthalben die Rede. Dass sich diese nicht auf die bislang untersuchten ökonomischen Aspekte begrenzen lässt, sondern sich auch in literarische Texte einschreibt, ist die Ausgangsthese dieser Untersuchung, die ein kultur- und literaturwissenschaftliches Beschreibungs- und Analysemodell entfaltet, mittels dessen das Phänomen in seiner Komplexität überhaupt erst fassbar wird. Dabei wird von einer Entgrenzung der Arbeit im dreifachen Sinne ausgegangen: Neben der ökonomischen Entgrenzung rücken hier auch jene Transgressionen in den Fokus, die sich auf sprachlicher und epistemischer Ebene vollziehen. Die Studie macht die Implikationen dieser Verschiebungen in Lektüren verschiedener Gattungen kenntlich. Analysiert werden Romane und Erzählungen, aber auch Reportagen, Essays und Interviews, in denen sich Vorstandsvorsitzende, Top-Manager oder Professoren über ihr Arbeitsverständnis und das Verhältnis von Arbeit und Nicht-Arbeit äußern.
Zur Funktion narrativer Strukturen in Wolfgang Koeppens "Das Treibhaus" und Uwe Johnsons "Das dritte Buch über Achim"
AutorIn: Mareike Gronich
HerausgeberInnen: Rolf Parr, Todd Herzog und Tanja Nusser
Am Beispiel der Romane Uwe Johnsons und Wolfgang Koeppens profiliert die Studie den Begriff der politischen Literatur: Es wird gezeigt, dass nicht allein die Inhalte, sondern vor allem die Form, die Art und Weise des Erzählens, konstitutiv für die politische Qualität von Literatur ist.
Mareike Gronich geht der Frage nach, inwieweit die narrative Struktur und die Sprache eines Prosatextes jenseits der auf der Inhaltsebene verhandelten Themen eine politische Dimension entfalten können. In der Studie wird ein an Hannah Arendts Denken angelehnter literatur- und politiktheoretischer Ansatz entwickelt, mit dem sich die politische Dimension der Form in ihrer ästhetischen Verfasstheit sowie auch in ihrem politischen Wirkungspotenzial beschreiben lässt. Die Romaninterpretationen zeigen, dass Erzählen auch dann politisch sein kann, wenn es sich nicht explizit – kritisch oder affirmativ – zu politischen Inhalten positioniert, sondern sich stattdessen auf ›das Politische‹ richtet und dies erzählend mitgestaltet.
Praktiken der Bezugnahme
Medien nehmen intermedial Bezug aufeinander und beziehen sich in rekursiven Schleifen in-tramedial auf sich selbst. Transportieren die vielfältigen Verfahren medialer Bezugnahme dabei einen bewegungsresisten-ten Sinn oder erzeugen sie im Zuge ihrer Prozessierung erst Bedeutung? Lässt sich über die medialen Praktiken der Bezug-nahme ein Muster freilegen, das die Verfahrenslogik der kulturel-len Semantik bestimmt? Im Anschluss an Überlegungen zu einer Transkriptionstheorie untersucht der Band Formen kultureller Kommunikation auf eine ihnen eigene Logik der Transkription. Anhand von Fall-beispielen aus verschiedenen Materialfeldern werden die me-dialen Bedingungen transkripti-ver Verfahren freigelegt und spezifiziert.
Wie wird in autofiktionalen Texten die eigene Lebensgeschichte als utopische Erzählung gestaltet? Der Band widmet sich dieser Frage hinsichtlich der gesellschaftlichen, raumzeitlichen und medialen Dimension der utopischen Autofiktion.Die Utopie-Forschung hat sich schon seit längerer Zeit von idealisierten Zukunftsvisionen verabschiedet und diskutiert Utopie unter anderem als ‚Impuls‘, ‚Methode‘ oder als ein ‚Bewusstsein‘, das sich nicht mit dem bestehenden Sein identifiziert. Hier setzt der Band an und fragt speziell nach dem Utopischen in autofiktionalen Lebensentwürfen.
Der Band untersucht dynamische Konfigurationen, die in der Interaktion von menschlichen und nicht-menschlichen Körpern, von Materialitäten und Technologien entstehen und fragt nach Konzepten, die deren gegenseitige Abhängigkeiten jenseits von Reifizierung und Naturalisierung denken. Mit dem Konzept der Automatismen werden insbesondere jene Prozesse der Materialisierung und Verkörperung ins Auge gefasst, die sich der bewussten Kontrolle entziehen. So werden die unterschiedlichsten Assemblagen von Körpern, Materialitäten und Technologien in Bereichen wie Data Science, Navigation, Fotografie bis zu Nähpraktiken untersucht. Die Autorinnen und Autoren des Bandes analysieren in ihren Beiträgen die komplexen Prozesse, in denen materialisierte und verkörperte Routinen sich zu etablierten Strukturen verdichten, diese aber auch unterlaufen oder überschreiten.