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Eine Epistemologie des Kinos
Series:  Film Denken
Author: Dennis Göttel
Die Leinwand ist eines der grundlegenden Elemente des Kinos. Dennoch ist sie in der Mediengeschichte zumeist übersehen worden – was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass ihre Funktion das Verschwinden ist.
Die Kinoleinwand scheint zum Immateriellen und Passiven zu tendieren. Vor diesem Hintergrund stellt Dennis Göttel die Projektionsfläche als einen Gegenstand vor, dessen Darstellbarkeit grundsätzlich prekär bleibt: Wo die Leinwand stets im Verschwinden begriffen ist, muss sie auch in diesem Verschwinden begriffen werden. Das Buch versteht sich deshalb als Suchbewegung: Bilder, Theorien und Filme – aus der Bandbreite der Kinogeschichte – werden danach befragt, auf welche Weise jenes marginale Ding tatsächlich zur Darstellung, sprich zum Erscheinen kommt. Zeichnet die Leinwand das Ephemere aus, erweist sich dies schließlich als derjenige Modus, in den sich auch das Schreiben begeben muss, um dem Kino gerecht zu werden.
Series:  Film Denken
Translator: Michaela Ott
Mit der Übersetzung von Jean Louis Schefers enigmatischem Buch L’homme ordinaire du cinéma (1980/1997) wird dem deutschsprachigen Raum ein Text zugänglich gemacht, der in der französischen Filmphilosophie (und darüber hinaus) vielfach verzweigte Spuren hinterließ und die Grenzen wie Möglichkeiten des Film-Denkens neu auslotete. Gehst Du oft ins Kino? Ich gehe oft in die Zeit selbst: Das Kino ist die einzige Erfahrung, in der mir die Zeit als Wahrnehmung gegeben ist. Wenn das, was ich vom Film im Gedächtnis behalte, auch unwahrscheinlich und den ständigen Launen meiner Vorstellungskraft unterworfen ist, so bin ich mir – wegen dieser neuen Zeit, die ich genießen könnte – vielleicht doch sicher, ins Kino zu gehen. Was nimmst Du denn von diesem oder jenem Film wahr, was nimmst Du daraus mit? Dank der Szenarien und Bilder, die mehr oder weniger schnell die Gewalt jener Gefühle einfangen, die sich sonst an nichts heften würden, wohnen wir sicherlich dem noch unverständlichen Schauspiel des »sichtbaren Menschen« bei. Eines Menschen, dessen Seele, Geist und Denken nur aus den vorgeführten Aktionen bestehen, in die Verhaltensweisen wie Organe transplantiert sind. Und der gewöhnliche Mensch des Kinos? Das ist zweifellos jeder von uns: derjenige, dessen Lustobjekte sich in Objekte des Wissens verwandeln, nicht umgekehrt. Es ist ein Zuschauer. Und warum gehst Du ins Kino? Ich weiß nicht. Oder vielmehr, ich dachte, verstanden zu haben, dass ich dorthin gehe, um diese Welt und diese Zeit zu sehen, die unsere Kindheit angeschaut haben. Ist das alles? Nein! Aber wer hat jemals behauptet, dass der Beginn der Welt die Totalität der Welt wäre. Jean Louis Schefer
Wege in die filmische Moderne
In diesem Jahr wäre Michelangelo Antonioni (1912-2007), einer der großen Kinovisionäre des 20. Jahrhunderts und Hauptrepräsentant der filmischen Moderne, hundert Jahre alt geworden.
Das Jubiläum nimmt der vorliegende Band zum Anlass, das wirkmächtige Œuvre des Italieners einer Neusichtung zu unterziehen – und zwar in seiner ganzen Breite, das heißt angefangen bei dem bereits erstaunlich eigenwilligen Spielfilmdebüt, dem etwas anderen Film noir Cronaca di un amore, über die in den 1960er Jahren entstandenen Meisterwerke wie La notte, L’eclisse oder Blow up, mit denen der Regisseur Weltruhm erlangte, bis hin zum Episodenfilm Jenseits der Wolken, den der damals 83-jährige Antonioni in Kooperation mit Wim Wenders, einem seiner großen Bewunderer, realisierte.
Texte zu Film, Medien, Kunst und Kultur
Series:  Film Denken
Film ist ebenso vielgestaltig wie wandlungsfähig: Er ist ein Medium, das die Massen adressiert, und ein ästhetisches Phänomen, das die Wahrnehmung herausfordert. Film ist Medium der Geschichte und der Politik, der Kultur und des Denkens gleichermaßen. In ihren einflussreichen Texten geht Gertrud Koch den unterschiedlichen Facetten des Films nach und nimmt seine Verflechtungen mit anderen Medien und Künsten in den Blick.
Ihre verstreut publizierten Aufsätze, aus denen der Band eine Auswahl versammelt, werden hier erstmals einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. In der Auseinandersetzung mit Bilderverbot und Holocaust, Affekt und Wahrnehmung, Trauma und Experiment, Körper und Erinnerung, Recht und Sexualität, Berührung und Erschütterung, Deixis und Kultur und vielen weiteren Themen erschließen die hier zusammengestellten Arbeiten, die den Leser zu einem Abenteuer des Denkens einladen, die politische, philosophische und ästhetische Komplexität des Films und benachbarter Medien.
Merleau-Ponty zum Hundertsten
Merleau-Ponty, der Denker des Sichtbaren und des Unsichtba-ren, beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit dem Motivkomplex „Kunst – Bild – Wahrnehmung – Blick“. Dieser Band zu seinem hundertsten Geburtstag würdigt seine innovativen Vorstöße und öffnet die durch den frühen Tod unterbrochenen Gedankengän-ge produktiv für neue Analysen zu dieser komplexen Thematik. Bill Viola sagte einmal in der Sprache Merleau-Pontys, dass „jede Kunstform vor allem das Unsichtbare abbilde. Aus diesem Grund besitzen Kunstwerke die Fähigkeit, uns über große Entfer-nungen hinweg im Hier und Jetzt zu berühren.“ Der Band geht diesen Potenzialen nicht nur in philosophischen Analysen zum Motivkomplex nach, sondern präsentiert auch die Resonan-zen, die dieses Denken in der Kunst hinterlassen hat.