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  • Author or Editor: Riccardo Nicolosi x
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Wie weit reicht Rhetorik? Wie weit reicht die Macht des Rhetorischen, wenn kulturelle Diskurse, wenn Lebenswelten von der Systematik und den Techniken der ars oratoria überformt und strukturiert werden? Die in diesem Band vesammelten Beiträge erforschen Rhetorik als eine Instanz, die den soziokulturellen Kommunikationsraum organisiert und Verfahren zur diskursiven Kontrolle, zur dialogischen Interaktion und zum operativen Handeln bereitstellt. Gravitationszentrum der Einzelstudien ist die These, dass Rhetorik - jenseits ihrer angestammten Funktion als Regulativ von Ordnungen der Rede - auch Ordnungen der Dinge und des Wissens regelt: Rhetorik ist kein zeichentheoretisches Epiphänomen, sondern Bedingung für die Herausbildung sozialer und kultureller Tatsachen.
Literatur und Psychiatrie im Russland der 1880er und 1890er Jahre
Riccardo Nicolosis Studie fördert ein neues, überraschendes Bild des russischen fin de siècle in seinen vielfältigen Beziehungen zum gesamteuropäischen Degenerationsdiskurs zutage. Während die literaturwissenschaftliche Forschung bislang lediglich die Verbindungen zwischen biomedizinischer Kunstkritik (vor allem Max Nordaus Entartung) und der russischen Literatur der décadence und des Symbolismus herausgestellt hat, zeigt Nicolosi das breite Panorama eines antimodernistischen Degenerationsdiskurses, der sich durch die engen Wechselwirkungen von Literatur und Psychiatrie konstituiert.
Die Studie fokussiert die narrative und rhetorische Verfasstheit der Entartung als Erzählmodell, das in Russland in Auseinandersetzung mit westeuropäischen Poetologien und Epistemologien entsteht, und zeichnet die mannigfaltigen Transformationen von Verfallserzählungen zwischen naturalistischer Poetik und psychiatrischen Fallgeschichten, Kriminalliteratur und Kriminalanthropologie, literarischem Darwinismus und Eugenik nach. Politisch konservative Psychiatrie und spätrealistische, naturalistische Literatur figurieren dabei als gleichberechtigte Akteure in einem Prozess der Gestaltung, Veränderung und Infragestellung von Degenerationsnarrativen. In dieser Perspektive offenbaren sich ungeahnte Verbindungen zwischen vergessenen und kanonischen Autoren der russischen Literatur: zwischen Dmitrij Mamin-Sibirjak und Fedor Dostoevskij, Petr Boborykin und Michail Saltykov-Šcedrin, Vladimir Giljarovskij und Lev Tolstoj, Aleksej Svirskij und Anton Cechov.
Risiko und Erzählstruktur
Was ist überhaupt ein Glücksritter? Was ist ein Abenteurer oder eine Abenteurerin? Und wie erzählt man deren Geschichten? Der vorliegende Band dokumentiert Antworten, die im Umfeld der Forschungsgruppe „Philologie des Abenteuers“ auf solche Fragen gefunden wurden.
Es werden aufschlussreiche Stationen aus der Geschichte der Abenteuerliteratur beleuchtet. Anhebend mit der innovativen Figur des mittelalterlichen Ritters, der freiwillig in die Fremde zieht, um dort sein Glück zu finden – Reichtum, sozialer Status, erotische Erfüllung –, schlägt die Ringvorlesung einen großen historischen Bogen, der über die Übersteigerungen und parodistischen Brechungen der frühen Neuzeit, über Vagabunden und Entdecker bis zu Alltagsabenteurern und den invertierten Helden Kafkas führt.
Wer in der Moderne von Abenteuern erzählt, setzt sich dem Verdacht der Trivialität aus. Doch ein stillschweigender Verzicht aufs Abenteuer fällt auch kanonischen Autoren der Moderne schwer. Der Sammelband nimmt diese Beobachtung zum Anlass einer Spurensuche. Er geht dem Verbleib des Abenteuers in literarischen und theoretischen Texten der Moderne nach. Neben klassischen Abenteuerautoren, wie Karl May oder Rider Haggard, stehen Texte von Goethe, Virginia Woolf, Marcel Proust u.a. im Fokus, welche das Abenteuer in einem Spannungsfeld von Integration und Zurückweisung situieren. Darüber hinaus widmet sich der Band der Bedeutung des Abenteuers im kolonialen Diskurs, in der Psychoanalyse und im Russischen Formalismus.