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Mediologie des 18. Jahrhunderts
Koschorke ist in seiner bekannten Untersuchung der geheimen Verbindung zwischen Neurologie und Mediologie auf der Spur. Dabei geht das Buch von zwei scheinbar disparaten Themenkomplexen aus. Es zeichnet erstens einen Wechsel des medizinischen Paradigmas im 18. Jahrhundert nach: vom humoralen Leib der alteuropäischen Tradition zum neuronalen, d. h. in sich geschlossenen, nervengesteuerten Organismus. Es untersucht zweitens den Umbruch der Kommunikationsverhältnisse in jener Zeit, die durch eine rapide Zunahme des Schriftverkehrs gekennzeichnet ist und diverse Schreibrituale erfindet, um die wachsende räumlich-körperliche Distanz zwischen den kommunizierenden Individuen gesellschaftlich operabel zu halten. Diese beiden Entwicklungen verlaufen aber nicht nur parallel, sondern sind exakt aufeinander abgestimmt. Sie führen zu neuen Formen der physiologischen und sozialen Zirkulation, die man unter dem Generalnenner einer Anthropologie der modernen Schriftkultur zusammenfassen kann.
In: Gesichter
In: Prometheische Kultur
In: Translatio Babylonis
In: Inszenierungen der Politik
Die neuen Kriege in der Literatur
Wie die Orte der Grausamkeit literarisch vorstellbar gemacht werden, zeigt dieses Buch anhand einer Fülle literarischer Werke, die in deutscher Sprache gelesen werden können, welcher Nation die Autoren auch immer angehören.
Was kann Literatur in der Konkurrenz zu medialen Darstellungen, wenn die Neuen Kriege unserer Gegenwart thematisch werden? Literarische Werke sprechen auf sehr verschiedene Weisen von ihnen: prosaisch, lyrisch, theatralisch. In ihren Formen und Redeweisen liegt das besondere Potential von Literatur darin, Kriegsgewalt empfindlich darzustellen.
Gezeigt wird, wie diese Vielstimmigkeit literarischer Aussagen und ihre internationale Formgestalt als Roman, Lyrik und Drama sich von den Wahrnehmungen und Deutungen historio-politischer Analysen und Essays abheben, die unser Wissen von den Neuen Kriegen orientieren. Die Frage nach der spezifischen Leistungskraft literarischer Werke über die gegenwärtigen Orte der Grausamkeit führt zuletzt auch zurück in die Antike.

Hermann Brochs "Der Tod des Vergil"
Die Demokratie kann nur überleben, wenn sie sich als Reich verwirklicht – so lautet die provokative These, die Hermann Broch in seinem Roman Der Tod des Vergil propagiert.
Als Modell eines solchen Reichs dienten Broch die USA. Erst im Lichte aktueller Debatten um ein American Empire kann die Sprengkraft der brochschen Entwürfe in vollem Umfang ermessen werden.
In seinem 1945 erschienenen Roman Der Tod des Vergil und in seinen umfangreichen Versuchen zur politischen Theoriebildung konstruiert Broch eine Parallele zwischen Rom und den USA, um die demokratisch-universalistischen Implikationen der politischen Form des Reichs zu mobilisieren.
Figurenlehren des sozialen Körpers nach der Romantik
Seitdem die Französische Revolution den politischen Körper von seinem königlichen Haupt getrennt hat, ist das Bild moderner Macht von einem Riß durchzogen. Was Recht ist, bestimmen Volksvertreter, doch geht die politische Realität in dieser Repräsentation nicht auf. Namen wie ”Volk” und ”Nation” sind exklusive Titel; sie verschweigen den Unterschied, den sie zwischen den Bewohnern eines Landes machen. Das Recht trennt die, die es schützt, von denen, die den Staat nur als Gewalt zu spüren bekommen. Von dem Begehren, die Sache des Politischen zu verhandeln und im Schatten der Politik aufzusuchen, zeugt eine weitläufige Debatte, die bis heute andauert. Ihre theoretischen Impulse hat sie von so unterschiedlichen Denkern wie Carl Schmitt, Michel Foucault, Claude Lefort, Jacques Rancière und Giorgio Agamben erhalten. Genauso führen ihre Spuren aber durch das Feld der Rechtsakten, der Geschichtsschreibung und der Literatur. Die Beiträge des Bandes gehen den einschlägigen und apokryphen Geschichten nach, in denen das Politische auf dem Spiel steht. Sie verfolgen dabei auch eine Arbeit am politischen Imaginären, die seit der Romantik nicht aufhört, in den Figuren des sozialen Körpers eine andere Wirklichkeit der res publica festzuhalten: eine öffentliche Sache, deren heimliche Wahrheit die Dichtung aussagt und deren unheimliche Möglichkeiten sich historisch als Biopolitik und Totalitarismus ausbuchstabieren.
Kulturgeschichtliche Szenen aus der Arbeit am Bildnis des Menschen
Series:  Trajekte
Während das Gesicht gern als natürlicher Ausdruck von Persönlichkeit und Charakter betrachtet wird, sind uns die Gesichter der nicht mehr Lebenden nur als Artefakte bekannt: als Produkte handwerklicher, künstlerischer, poetischer, medialer, technischer Verfahren. Ob Antlitz oder Mimik: Das Gesicht ist ein Bedeutungsfeld, auf dem die Spannung der menschlichen Gestalt - zwischen Kreatürlichkeit und Gottähnlichkeit, Erhabenheit und Infamie, Starre und Bewegung - ausgetragen wird. Gesichter untersucht Urszenen und Stationen aus der Kulturgeschichte des Gesichts und konzentriert sich dabei auf Übergänge zwischen leiblichen, materiellen Spuren und ikonischen bzw. textuellen Bildern, auf Verfahren, mit denen das Gesicht oder einzelne seiner Teile semantisiert, codiert, symbolisiert werden. Mit Beiträgen von Hans Belting, Georges Didi-Huberman, Brigid Doherty, Carlo Ginzburg, Jeanette Kohl, Albrecht Koschorke, Helmut Lethen, Thomas Macho, Gerhard Neumann, Anne-Kathrin Reulecke, Katharina Sykora, Monika Wagner, Sigrid Weigel und Hanns Zischler.
Literarische Genealogien und internationaler Kontext
Als eine der populärsten literarischen Gattungen der letzten Jahre hat der Familienroman verschiedene Interpretationen angeregt, welche überwiegend auf die thematischen Komplexe "Schuld/Opfer" und "Generation" im deutschen Erinnerungsdiskurs zurückgehen. Dieser Band versucht, diese Interpretationansätze auszuweiten, indem er den Gattungsbegriff in Bezug auf seine literarische Geschichte und seine internationalen Spielarten hinterfragt. Behandelt werden also sowohl zeitgenössiche Romane von Stephan Wackwitz, Uwe Timm und Günter Grass als auch Thomas Manns Buddenbrooks, Wilhelm Raabes Die Akten des Vogelsangs sowie Texte der amerikanischen und der Migrantenliteratur.