In: Weltliteratur des Kinos
In: Die Lust zu gehen
In: Dinge im Werk Thomas Manns
In: Dinge im Werk Thomas Manns
Fotografische Rekurse in Literatur und Film
Seit ihren Anfängen werden der Fotografie Realitätseffekte zugeschrieben, deren Transparenz die Studie dezidiert um ein bedeutsames Opakes ergänzt. Es ist nämlich gerade die Störung am und im Lichtbild, die zunächst literarisch, später auch filmisch u.a. Imaginationen, Projektionen und Erinnerungen auslöst.
Erschlossen werden diese als zweite Belichtung anhand ausgewählter Momentaufnahmen der russischen, polnischen und deutschen Literatur –
ergänzt um filmische Rück- und Seitenblicke auf die fotografische Im-/Potenz. Intermedial konkurrieren wie korrespondieren verbalsprachliche Narrative mit lichtbildlichen, bringen hierbei raffinierte Hybride hervor und erzeugen spannungsreiche Konstellationen. Fotografie fungiert literarisch wie filmisch somit nicht nur als oft zitiertes apparatives Augenzeugnis, sondern ebenso als Projektionsfläche für Reflexionen, die unterschiedlichste Sehsüchte offenlegen.
Mit Blick auf die Gegenstände, die behandelt werden, aber auch hinsichtlich der fachlichen Zuständigkeiten operiert die kulturwissenschaftliche Reihe inter/media im Dazwischen. Damit trägt sie der in den letzten Jahren zunehmenden Dominanz intermedialer Praktiken Rechnung, der Tatsache also, dass kulturelle und künstlerische Artefakte auf dem Dialog der Medien gründen, ihn suchen, inszenieren und reflektieren.

Das mit der Reihe verbundene Erkenntnisinteresse umfasst Phänomene des Medienwechsels, der Medienkombination sowie der intermedialen Bezugnahme, denen eine ebenso komparatistische wie medienkomparatistische Sensibilität entgegengebracht wird. Grundsätzlich offen angelegt, liegt das fachliche 'Haupteinzugsgebiet' der Reihe im Schnittbereich folgender Disziplinen: Literaturwissenschaft, Film- und Bildwissenschaft, Medienwissenschaft.
Einerlei, ob sie im Namen der Literatur oder des Films erhoben werden: Die nach wie vor weit verbreiteten Vorbehalte gegen die filmische Literaturadaption sind müßig und verkennen nicht zuletzt deren Potenziale als privilegierter Ort der medialen und ästhetischen Selbtreflexion.
Dies bestätigt der vom Stumm- bis zum Gegenwartsfilm reichende Streifzug durch die »Weltliteratur des Kinos«, zu dem die insgesamt elf Beiträge des Bandes einladen. Halt gemacht wird bei den großen Stationen der kinematografischen Adaptionsgeschichte, unter anderem bei Murnaus Herr Tartüff, Renoirs Eine Landpartie, Kurosawas Das Schloss im Spinnwebwald, Rohmers Die Marquise von O. und Tarrs Satanstango, die allesamt, wenn auch auf je unterschiedliche Weise, den spezifischen Mehrwert des »unreinen Kinos« (André Bazin) zum Ausdruck bringen.
Weibliche Flanerie in Literatur und Film
Ob sie ihrer Arbeit oder einem anderen Erledigungsdrang nachgeht – zumeist zeugen die entschlossenen Schritte der mobilen Frau auf den Straßen moderner Metropolen von der Anständigkeit ihres Ziels. Doch hält sie nicht genau und erst recht nicht immer an ihrem Kurs fest.
Wo zieht es die mobile Frau hin, wenn sie, vom routinierten Weg abschweifend und oft in geradezu exzentrischer Selbstvergessenheit, die großstädtischen Eindrücke auf sich einströmen lässt? Wo weilt sie, wenn sie keinem bürgerlichen Zwang entgegenschreitet? Welche Bilder unsittlicher Weiblichkeit lässt sie entstehen – und wie unterscheidet sich die Flaneurin vom Flaneur? Diesen und anderen Fragen nachgehend, zielen die Beiträge des Bandes darauf ab, die flanierende Frau durch einschlägige Literatur- und Filmsichtungen als eigenen Wahrnehmungstopos der Moderne zu entdecken.
Filmische Erinnerungsarbeit an einem Mythos
Author: Corina Erk
Von Anfang an besteht eine Verbindung zwischen dem RAF-Terrorismus, seinen Protagonisten und dem Kino. Mit dem Omnibusfilm Deutschland im Herbst begann noch im Jahr des Höhepunkts der RAF deren filmische Rezeption.
Seit dieser Zeit hat sich das Kino dem RAF-Terrorismus als einer der Wegmarken deutscher Geschichte in extenso gewidmet, vor allem mit Blick auf den RAF-Erinnerungsdiskurs sowie den Mythos RAF. Mit Beginn der 1970er Jahre hat der RAF-Film daher eine Entwicklung durchlaufen; so erweist er sich nunmehr insbesondere seit der Jahrtausendwende als ausdifferenziertes Feld zeitgeschichtlich-biografischer (Der Baader Meinhof Komplex, Die Stille nach dem Schuss, Wer wenn nicht wir) und popkultureller (Baader, The Rasp-
berry Reich) Filme sowie filmischer Familiennarrative der Jetzt-Zeit (Das Wochenende, Die innere Sicherheit, Es kommt der Tag, Schattenwelt).
Gescheiterte Projekte in Literatur und Film
Unter der Überschrift "Verhinderte Meisterwerke" versammelt der Band literatur- und filmwissenschaftliche Aufsätze, die sich mit nicht-verwirklichten künstlerischen Vorhaben beschäftigen. Die thematisierten Projekte aus Literatur und Film sind alle – aus unterschiedlichen Gründen und auf verschiedene Weise – gescheitert: Aus Ideen wurden keine Texte, Textversuche blieben Fragmente, Entwürfe wurden vergessen, vernichtet oder gingen verloren. Vielleicht hätten diese Anläufe zu kanonischen Romanen oder Filmklassikern werden können. Bisher fand die Auseinandersetzung mit solchen Fällen des Scheiterns vorwiegend im Rahmen textkritischer Werkaufarbeitungen, in biographischen Einzelstudien oder in essayistischen Beiträgen statt. Der Sammelband will sie nun nebeneinanderstellen und auf wissenschaftlicher Ebene diskutieren.