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Zur Ökonomisierung des Naturwissens um 1800
Die Etablierung der deutschen Kartographie als Wissenschaft wird nun erstmals in einer ausführlichen Historiographie dargestellt.
In der Übergangszeit zwischen 18. und 19. Jahrhundert ereignete sich die außerakademische Institutionalisierung der kartographischen Verlage in Weimar und Jena. Zwischen 1790 und 1850 durchlebten »Landes-Industrie-Comptoir« und »Geographisches Institut« Phasen des wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Aufschwungs, aber auch des beginnenden Niedergangs.
Im Mittelpunkt dieser Entwicklung stand der Autor, Verleger und Wissenschaftsunternehmer Friedrich Justin Bertuch – ein außergewöhnlich innovativer Produzent von Karten, Atlanten und Globen.
In: Ereignis Weimar-Jena
Materialien und Praktiken visueller Welterzeugung
Ein Kartograph zeichnet nicht die Welt wie sie ist, sondern veranschaulicht eine Idee von ihr. Mit seinen Karten erzeugt er eine eigene visuelle Welt.
Mithilfe kritischer Rekonstruktionen werden die Absichten und Beweggründe der Kartographie bestimmt. Sie zeigen sich insbesondere anhand der kartographischen Praktiken; denn ein Kartograph muss nicht nur messen und zeichnen, er muss auch abstrahieren, projizieren und vermarkten. Unter den 14 Beiträgen gibt auch ein erstmals veröffentlichter Arbeitsbericht des Gothaer Kartenstechers August Kramer einen Einblick in die Werkstatt des Kartographen.
In der Phase um 1800 greifen eine Vielfalt von Personen, Denkströmungen und Denkstile direkt ineinander, in denen wesentliche Momente dessen, was für uns heute Natur, Wissenschaft und Wissen bedeuten, angelegt sind. Dabei ist in dem Nebeneinander der Ansätze, in denen sich Ästhetik, Wissenschaft und Philosophie mischen, die Idee leitend, ein Ganzes erfahrbar zu machen. Das Forschungszentrum Laboratorium Aufklärung, Jena, und der Landesforschungsschwerpunkt Aufklärung - Religion - Wissen, Halle-Wittenberg, untersuchen die Grundlagen der im langen 18. Jahrhundert angelegten Moderne und setzen diese kritisch zu den gegenwärtigen Entwicklungen in Staat, Gesellschaft, Religion, Wissenschaft und Künsten in Beziehung. Bedeutsam ist dieses Vorgehen nun nicht als Gegenbild einer disziplinär organisierten Wissenschaftskultur und des für uns heute charakteristischen Nebeneinanders von Kultur und Wissen, sondern als Keimzelle unserer heutigen Vorstellungen von Wissenschaften und Wissen. Die in Jena um 1800 verhandelten Konzepte stehen am Beginn der Konsolidierung der uns heute in den Wissenschaften bestimmenden Vorstellungen und Strukturen. Im vorliegenden Band wird dieses Nebeneinander verschiedener Vorstellungen neu in den Blick genommen. Aus Perspektive von Ästhetik, Wissenschaftsgeschichte und Philosophie wird die Situation der Physik um 1800 im Gefüge von Kunst, Wissenschaft und Philosophie thematisiert. Dargestellt wird das Experiment der Kultur um 1800, das mit seiner Offenheit dann für unsere Moderne zum Ereignis wurde.
Das Ereignis Weimar-Jena, diese nachhaltig wirkende Ballung eines Wirkungszusammenhangs in dem kleinen Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, bestimmte nicht nur die Kultur um 1800. Es ist in seinem Einfluss auf unsere heutige Kultur kaum zu unterschätzen.
Damals konturierten sich unsere Ideen von Freiheit, vom Schönen, von der Geschichte und nicht zuletzt auch die Vorstellung von der Rationalität, die bis heute jede Wissenschaft bestimmt.
Die Beiträge skizzieren diesen bedeutenden historischen Wirkungszusammenhang nicht von seinem Ende aus, sondern untersuchen ihn in seiner Mechanik. Sie erfassen so die Vielfalt der historisch gewachsenen Verknüpfungen. Damit eröffnet sich ein neuer Einblick in die Kultur um 1800 und darüber hinaus eine neue Sicht auf ihre Bedeutung für uns im beginnenden 21. Jahrhundert.

Zwischen Mythos und Realität
Was können wir heute noch von den Denkern der Aufklärung lernen? Wie hat diese Epoche die Welt verändert? Perspektiven der Aufklärung fragt nach der Aktualität und der Reaktualisierung eines zeitgenössischen Denkens der Aufklärung.
Die Epoche der Aufklärung bildete den Ursprung für eine Reihe von emanzipatorischen Projekten, die nicht nur das Zusammenleben der Menschen untereinander betrafen, sondern auf entscheidende Weise auch das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt prägten.
Der Band feiert nicht die Aufklärung, sondern nimmt eine kritische Bestandsaufnahme vor, anhand derer die Vielfältigkeit und Ambivalenz der Aufklärung deutlich wird.
Aufklärung ist dabei radikal historisierend zu denken: permanente Aufklärung als fortlaufendes Projekt der Gegenwartsgesellschaft.
Die Impulse der Aufklärung, insbesondere die Ideen und Leitbilder der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung, aber auch die der Gestaltbarkeit von Geschichte und Gesellschaft, haben bis heute ihre Geltung behalten und wirken noch immer orientierend. Im ersten Band der Reihe 'Laboratorium Aufklärung' unternehmen deshalb Wissenschaftler ganz unterschiedlicher Disziplinen den Versuch, aus der Perspektive ihrer Fächer Laboratoriumssituationen im 18. Jahrhundert und in der Gegenwart aufzuzeigen und danach zu fragen, welche Bedeutung die Beschäftigung mit der Aufklärung für die heutige Moderne haben kann und umgekehrt, ob und wie sich heute eine neues Bild der Aufklärung formt.
Visionen und Revisionen der Aufklärung
Von der Rationalität wird seit der Epoche der Aufklärung viel erwartet. Fraglich ist, ob die Rationalität wirklich halten kann, was sich große Denker von ihr versprochen haben.
Systematisch werden die aufklärerischen Visionen beleuchtet, die in ihrer Vielfalt das Versprechen der Rationalität ausmachen. Zugleich werden in Form von Revisionen ebenjene Visionen und ihre Manifestationen neu gesichtet, geprüft oder auch kritisiert und zurückgewiesen: Was wurde in welchem Maße eingelöst und wo wurden Versprechen gebrochen?
Die Beiträge loten den Geltungsanspruch von Rationalität im Spannungsverhältnis von 18. und 21. Jahrhundert aus. So liefern sie eine Einschätzung des Aufklärungsprozesses bis hinein in die Gegenwart.
Der deutsche Schauerroman um 1800
Um 1800 geht das Gespenst einer neuen populären Romanform um: der Schauerroman.
In 17 Beiträgen wird die Entstehung des deutschen Schauerromans als eigenständige Formation in der Spätaufklärung und Frühromantik rekonstruiert und diskursgeschichtlich untersucht.
Ausgehend von anthropologischen Grundannahmen der Spätaufklärung zum Phänomen des Schauers u.a. bei Schiller und Grosse, über eine Reihe von Einzeluntersuchungen zu populären Formen des Schauerromans vom Ausgang der Romantik bis zur Jahrhundertwende um 1800, führt der Band die Kristallisation einer spezifisch romantischen Ästhetik des Schauerromans in den Schriften Tiecks, Jean Pauls und Hoffmanns vor.
Figuren - Theorien - Darstellungsformen
Wie gehen Philosophie und Literatur um 1800 mit Andersheit um – und inwiefern dürfen diese Thematisierungen bis heute Relevanz beanspruchen?
Während man der Literatur gemeinhin ein offenes, dem Heterogenen verpflichtetes Denken zugesteht, sieht sich die Philosophie insbesondere in Gestalt des deutschen Idealismus immer noch häufig dem Totalitarismus-verdacht ausgesetzt, das Andere zugunsten systematischer Einheit zu neutralisieren. Vermag dieser schematische Gegensatz aber zu überzeugen? Die Beiträge dieses Bandes spüren Figuren, Theorien und Darstellungsformen des Anderen von Fichte bis Hegel und von Schiller bis Brentano nach, um das literarisch-philosophische Feld um 1800 jenseits dieser starren Frontstellung interdisziplinär zu erschließen.