in Zersetzung
In den bisherigen Bänden der Schriftenreihe »Automatismen« widmeten sich Forscher aus den Kulturwissenschaften, der Medienwissenschaft, Psychologie, Soziologie und der Informatik den Erscheinungsformen von Automatismen. Der neueste Band nähert sich ihnen aus der entgegengesetzten Perspektive der Entautomatisierung und ihrer Bedeutung für die Veränderung etablierter Strukturen.
Die Beiträge fragen u.a., ob und inwiefern Entautomatisierung mit der strukturbildenden Funktion von Automatismen zusammenhängt, ob und welche geregelte Rolle Zäsuren und Singularitäten in beider Beziehung spielen oder ob sich Momente der Entautomatisierung subjektiv verorten lassen. Mit Beiträgen von Amy Alexander, Christopher Balme, Annette Brauerhoch, Martin Doll, Norbert Otto Eke, Lioba Foit, Ute Holl, Timo Kaerlein, Carmin Karasic, Laura Marks, Michaela Ott, Drehli Robnik, Chris Tedjasukmana, Renate Wieser und Anke Zechner.
Visionen künftiger Körper in Geschichte, Kunst und Gesellschaft
Zukunftsvisionen, die durch die rasante Entwicklung innerhalb der Life-Science und der Computertechnologie angestoßen wurden, machen den Körper zur Projektionsfläche alter Menschheitsträume: sie versprechen das Ende von Krankheit, Schmerz, Alter und Tod. Spekulationen über neue Verbindungen von Mensch und Maschine im Cyborg, über gentechnische Modifikationen oder die vermeintliche Überwindung des Körpers durch seine Virtualisierung beschreiben diese Zukunftsentwürfe in den Termini von Utopie und Dystopie. Aber auch gesellschaftliche Praktiken zeugen vom Einwandern der Utopie in den Körper. War das Kriterium der Utopie bislang ihre Unrealisierbarkeit, so konkretisieren sich utopische Imaginationen im Zugriff auf reale Körper. Der Band untersucht einerseits, inwiefern sich Zukunftstechnologien und verbreitete Körperpraktiken mit utopischen Entwürfen verbinden. Andererseits wird gezeigt, in welchem Maße Utopien den Körper besetzen, indem sie ihn aufrüsten und disziplinieren.