in Jenseits der Zeichen
in Bild und Latenz
Hölderlins späte Allegorie
Die Ästhetik in der Rhetorik. Bilanz eines exemplarischen Begriffs
Die begriffsgeschichtliche Vorklärung zwischen Ästhetik und Metapher kann keine Einführung in die Gemeinplätze und Eselsbrücken sein, die unter dem Titel Metapher in den Handbüchern der letzten hundert Jahre als gesichertes Wissen kolportiert werden, sondern muß der Versuch einer Bestandsaufnahme der darunter verborgenen Probleme sein, die der Sisyphusarbeit der stetig anwachsenden Forschungen immer neu entgleiten. In der Verkennungsgeschichte, die das ästhetische Paradox der Metapher begleitet, entzieht sich die Ästhetik der Geschichte ihrer Begriffe.
in Figur und Figuration
Repräsentation nach Louis Marin
'.am Beispiel dieses königlichen Beines zeigen, daß das Portrait des Königs der Fetisch der Repräsentation ist und daß die Erotik und allgemeiner die Ästhetik des Portraits direkt mit der Politik und genauer gesagt mit der absoluten Macht des Königs in ›Realpräsenz‹ zu tun hat.' (Louis Marin) Dafür, daß Ästhetik Mächte abbildet, beschönigt, verdeckt oder unterstützt, gibt es zahllose Zeugen. Nach Louis Marin geht es um mehr: er hegte den Verdacht, daß Macht selbst eine Konstruktion des Ästhetischen sei. Hauptbeteiligte an diesem Prozeß sind Bilder. Daß diese rein oberflächlich funktionieren, betrachtet Marin keineswegs als hinderlich, sondern als Bedingung dieser Machtkonstruktion. Die Beiträge zeigen in Einzelstudien, welche Machtformen vor allem im repräsentativen Portrait lesbar werden.
Poetiken der Körperinschrift
In einem ganz wörtlichen Sinne erlebt das Stigma gegen Ende des 20. Jahrhunderts als Branding und Piercing eine unter die Haut gehende Renaissance. In einer schwer durchschaubaren Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen stehen diese modischen Praktiken mit den Manifestationen der Stigmata im engeren Sinne: den Malen, die dem Körper Jesu Christi in der Passion zugefügt wurden und noch seinen verklärten, auferstandenen Körper zeichnen. Seit Franz von Assisi ist eine kleine Schar von Auserwählten mit diesen Malen gezeichnet worden. Stigmata sind geistige Wunden als Manifestationen der imitatio Christi in einer komplexen Zeichengebung zwischen Wiederholung und Neueinsatz. Dadurch wird der Körper in einen anderen verwandelt, zum Schauplatz einer Präsenz gemacht, die ebenso korporal wie figural und mimetisch ist. Am Phänomen der Stigmata haben die unterschiedlichsten Disziplinen ihre semantischen und referenztheoretischen Grenzen erfahren. Die Erklärungsversuche von Theologie und Medizin, Recht, Psychologie und Psychoanalyse sind oft der Selbstaufklärung ihrer Wirklichkeitsannahmen dienlicher als der Erhellung der Phänomene. Diese Annahmen und die durch sie begründeten Modelle des Wissens werden daher in dem vorliegenden Band ebenso zum Gegenstand der Analysen wie die Darstellungsordnungen und -medien, mit denen das Phänomen der Stigmata verbunden ist. Aus dem Inhalt Einleitung: Stigmata – Zur Archäologie eines trügerischen Phänomens in Mittelalter und Moderne BARBARA VINKEN Via crucis, via amoris BETTINE MENKE Nachträglichkeit und Beglaubigungen I Urszene, Deckerinnerungen (Antike) SUSANNA ELM Marking the Self in Late Antiquity. Inscriptions, Baptism and the Conversion of Mimes ANSELM HAVERKAMP Christ’s Case. The Triumph of Sado-Masochism II Refiguration, Traditionsbildung (Mittelalter, Barock) CHIARA FRUGONI „Ad imaginem et similitudinem nostram“. Der Heilige Franziskus und die Erfindung der Stigmata CAROLINE WALKER BYNUM Die Frau als Körper und Nahrung NIKLAUS LARGIER Die Logik der Erregung. Franz von Assisi, Teresa von Avila und Thérèse philosophe BERNHARD TEUBER Sichtbare Wundmale und unsichtbare Durchbohrung. Die leibhafte Nachfolge Christi als Paradigma des anhermeneutischen Schreibens WOLFGANG SCHÄFFNER Die Wunder des San Francesco d’Assisi und der Therese Neumann. Elemente einer Mediengeschichte des Stigmas ULRIKE SPRENGER Köpfe und Körper. Flagellanten, Historiographie und Hagiographie in Sevilla CHRISTOPHER WILD Weder worte noch rutten. Hypotypose. Zur Evidenz korporealer Inskription bei Andreas Gryphius III Wiederholen, Durcharbeiten (Romantik, 19. Jahrhundert) GABRIELE BRANDSTETTER „Reliquienberg“ und Stigma. Clemens Brentano und Anna Katharina Emmerick. Der Blut-Kreislauf der Schrift BETTINE MENKE „Mund“ und „Wunde“. Zur grundlosen Begründung der Texte BARBARA VINKEN Herz Jesu und Eisprung. Jules Michelets devotio moderna GEORGES DIDI-HUBERMAN Anhaltspunkt für eine abwesende Wunde. Monographie eines Flecks IV Praxis, Wissen (Theorie) STEFANIE DIEKMANN Nichts zu sehen. Zur Verteilung und Umverteilung von Zeichen in Oscar Wildes Bildnis des Dorian Gray STEFAN RIEGER Stiche des Wissens. Zur Genealogie der Psychophysik STEFANIE PETER Stigmata und Stimmen. Techniken und Medien der Verlebendigung im populären Katholizismus