in Das Buch als Entwurf
Bilder europäischer Reisender im Osmanischen Reich um 1700
AutorIn: Annette Kranen
HerausgeberInnen: Klaus Krüger und Karin Gludovatz
Die Sicht Reisender aus Nordwesteuropa auf den östlichen Mittelmeerraum war um 1700 durch die Bibel und antike Quellen, die Kreuzzüge und die osmanische Herrschaft geprägt. Wie fanden diese historischen Schichten Eingang in das Bild der Region, das ihre Zeichnungen und illustrierten Berichte hervorbrachten?
Reisende der Neuzeit fertigten Ansichten historischer Orte und Bauwerke im Osmanischen Reich für ein Publikum in Europa an. Diese Bilder wurden bislang meist als Quellen für die archäologische Forschung genutzt oder als Beleg für einen orientalistischen Blick gewertet. Die Studie beleuchtet sie erstmals in ihrem kulturhistorischen Kontext. Sie waren Teil eines breiten Austauschs über die Antike, für den auch der Kontakt mit lokalen Akteuren eine Rolle spielte. In drei Abschnitten zeigt das Buch auf, wie man das Reisen in die Länder der Bibel und der Antike verstand, wie man historisch bedeutende Topographien visualisierte und wie man sich Monumente und Relikte durch Zeichnen wie durch Sammeln aneignete.
Alltagsobjekt und Wortspiel in den Pariser Bildkünsten des 19. Jahrhunderts
AutorIn: Tobias Vogt
HerausgeberInnen: Klaus Krüger und Karin Gludovatz
Marcel Duchamps Ready-mades sowie Pablo Picassos Collagen stehen paradigmatisch für den Bruch der Avantgarde mit der traditionellen Kunst. Inwiefern dies eine Konstruktion der Kunstgeschichtsschreibung ist, bringt die Untersuchung von Tobias Vogt zur Sprache wie zur Anschauung.

Das Buch behandelt das Verhältnis von künstlerischer Produktion zu handwerklichen und industriellen Herstellungsverfahren im französischen 19. Jahrhundert. Im Zentrum stehen dabei Industrieprodukte als plastisches Material, gemalte Zeitungslettern und die Arbeitsteilung vor allem in druckgrafischen Prozessen. Fallbeispiele zeigen, dass bereits die Salon-Kunst, die Pressegrafik, ein Gemälde von Claude Monet sowie das Bild-Text-Spiel des Rebus den vermeintlichen Innovationen des 20. Jahrhunderts – Collage und Ready-made – den Weg ebneten.
Die Sichtbarkeit von Engelfiguren in italienischer Malerei um 1600
AutorIn: Malte Goga
HerausgeberInnen: Karin Gludovatz und Klaus Krüger
Die innovativen Engelfiguren Caravaggios und sogenannter „Caravaggisten“ werden hier erstmalig und systematisch im Zusammenhang mit den erstaunlich kreativen theologischen Engelvorstellungen der Zeit um 1600 untersucht.
Da sie kein Pendant in der sichtbaren Welt haben, ist das Sehen von Engeln notwendigerweise ein Sehen von Bildern. Bilder von Engeln thematisieren daher stets die Leistungen des Mediums bei der Sichtbarmachung des Unsichtbaren. Anders als heute galten Engel in den Jahren um 1600 als zeitweilig sichtbare Bestandteile der realen Welt. Engel-Bilder dürfen so nicht allein als symbolische Konstruktionen, sondern zudem als Abbilder realer Seheindrücke gelten. Die bislang ausgebliebene Würdigung von Engeln als ästhetischen Reflexionsfiguren und als Figuren theoretischer Reflexion offenbart eine bislang unbeachtete Gemeinsamkeit gemalter und theoretisierter Engelkörper: ihre fundamental poietische Bildlichkeit.
Zur Ästhetik und Semantik transkultureller Aneignungsprozesse
AutorIn: Sven Jakstat
Das Buch liefert neue Perspektiven auf Schlüsselwerke der spanischen Kunst der Frühen Neuzeit und analysiert diese unter der Prämisse transkultureller Aneignungsprozesse.Pedro Berruguete gilt als der erste Renaissancemaler Kastiliens. Nach einem Aufenthalt am Hof des Herzogs von Urbino schafft er in Spanien überwiegend Gemälde, die in riesige Altarretabel integriert werden. Diese Bildwände unterscheiden sich aufgrund ihrer Monumentalität und ihrer ausdifferenzierten Bildstruktur fundamental von Altarbildern in anderen Regionen Europas. Um die vielfältigen Dimensionen transkultureller Aneignungsprozesse erfassen zu können, werden die Altarretabel erstmals auf das Zusammenwirken von Form und Inhalt hin untersucht.
Textgattungen in der Geschichte der Architekturtheorie. Ein Handbuch
In achtzehn Studien beschreiben die VerfasserInnen die Art des Redens sowie die Formen der bildlichen Mitteilungen über die Architektur und analysieren so die kommunikativen Bedingungen der Architekturtheorie. Erstmals werden in einem historischen Überblick von der Renaissance bis zur Gegenwart die verschiedenen Textgattungen wie Traktat, Dialog, Kommentar, Essay, Antikenpublikation, Ausstellungskatalog oder Architekturzeitschrift in ihrer Bedeutung als „Verträge“ zwischen den Autoren und dem Publikum in unterschiedlichen Gesellschaftskontexten systematisch untersucht.
Bei der Wahl einer bestimmten Textgattung handelt es sich nicht nur um eine wesentliche Entwurfsentscheidung von Seiten des Autors. In ihr bilden sich sowohl Traditionsbindungen als auch Innovationsschübe in der Architekturtheorie ab. Damit fungieren Textgattungen in der Architekturtheorie selbst als Agenten der Wissensproduktion, sie zeigen die kontinuierliche Weiterentwicklung und die Anpassung der Theorie an jeweils aktuelle Erfordernisse des Bauens an. Textgattungen befördern die Modernisierung der Architekturtheorie – dieser zentralen These widmet sich das vorliegende Handbuch.