Robert Musils "Der Mann ohne Eigenschaften" im Diskurs der modernen Physik
Eine Wissensgeschichte
Pendel schwingen unter dem Einfluß der Schwerkraft; sie machen Gravitation sichtbar. Ihre Bewegung folgt den Kreisen und Ellipsen der Planeten, womit der Kronleuchter Galileis zu einem mathematischen Modell des Himmels wird. So machen die beiden Kulturtechniken Zahl und Kreis das Ineinandergreifen von Differenz und Wiederholung im Pendel formalisier- und berechenbar. Als transdisziplinäre Studie vermittelt Kassungs Wissensgeschichte des Pendels nicht bloß zwischen unterschiedlichen disziplinären Perspektiven. Sie bietet vielmehr eine wechselseitige Übersetzung geistes-, kultur- und naturwissenschaftlicher Forschungen und Debatten zum antiken Gnomon, dem ballistischen Pendel der Artillerie, dem Metronom, dem Spiritismus oder der Relativitätstheorie. Einen Höhepunkt der Pendelgeschichte markiert seit dem 17. Jahrhundert die Meßbarkeit von Störungen am Beispiel der Erdgestalt und seit 1850 das Synchronisationsproblem zwischen zwei Pendeln, mit denen Zeit genau wie Bilder telegraphisch übertragen wurden.
Reihe: Kulturtechnik
HerausgeberInnen: Thomas Macho und Christian Kassung
Die Verständigung über gemeinsame Zeit, das Festlegen und Teilen zeitlicher Bezugssysteme, gehört zu den elementaren Zielen der meisten Kulturen. Dabei spielen kulturelle Praktiken und Techniken der Synchronisationeine entscheidende Rolle. Zeit ist ja stets älter als die Begriffe, die wir uns von ihr machen: Gemeinsame Zeit wird durch konkrete Kulturtechniken erzeugt, beispielsweise durch Kalendersysteme seit den frühen Hochkulturen, Zeitzonen im 19. Jahrhundert oder aktuelle GPS-Technologien. Synchronisation wird produziert, aber auch unwillkürlich erfahren, was exemplarisch am Schwarmverhalten mancher Tierarten, am Automatismus von Befehlsfolgen oder an der filmischen Wahrnehmung studiert werden kann.Der Band gliedert sich in drei Teile zur sozialen, technischen und medialen Synchronisation. Die Beiträge zur sozialen Synchronisation stellen im ersten Teil die Frage nach den kulturgenerierenden Praktiken und Operationen aus historisch-genealogischer Perspektive, unter besonderer Berücksichtigung der Beziehungen zwischen Individuen und Kollektiven. Die Untersuchungen im zweiten Teil thematisieren materiale und apparative Aspekte, etwa am Beispiel von Uhren oder Computern. Im dritten Teil wird Synchronisation als zentrale Kulturtechnik verstanden, die Medien und symbolische Ordnungen zugleich erzeugt wie voraussetzt.
Ein kulturhistorisches Wörterbuch der Tiere
Wer über eine Kulturgeschichte von Tieren nachdenkt, wird schnell feststellen, dass diese auch immer mit uns selbst zu tun haben: mit unseren Selbstentwürfen und Erfahrungen, unseren Utopien und Realitätsaneignungen. Und versteht man unter zoon eher »Lebewesen« als »Tiere«, dann scheinen »Zoologiken« Wissensordnungen und Typologien, die Mensch und Tier in bestimmte, historisch und kulturell unterschiedliche Verhältnisse setzen.
Das Buch bietet in diesem Sinne eine Sammlung kurzer, essayistischer Texte, in denen jeweils ein Tier in seinem kulturellen Kontext beleuchtet wird. Darunter sind solche, die wir für gewöhnlich als normale Tiere ansehen, wie etwa die Kuh, das Schaf oder das Pferd, oder auch die Fliege, die Motte und der Silberfisch. Es sind aber auch wundersame Geschöpfe darunter, wie etwa Godzilla, Pink Panther oder Medusa; und das vielleicht wundersamste von allen: der Mensch selbst. Damit ist das »Zoologicon« weniger ein modernes Gehege als eine barocke Wunderkammer, voll von Geschichten und Überraschungen.