in Leibliche Praxeologie vs. Iconic Turn
HerausgeberInnen: Thomas Becker und Christoph Metzger
Sind Bilder und Sehen immer eine dominante Praxis im Feld der Kunst? Der Begriff 'Feld der Kunst' ist spätestens seit der letzten documenta zur Mode geworden. Wenig reflektiert wird dabei, dass das Feld der Kunst sehr eng mit dem Begriff der Praxeologie verbunden ist. Ein Feld der Kunst ist kein semantisches Bedeutungsfeld, sondern eine Logik praktischer Strategien. Praxeologien sind weder binäre noch widerspruchsfreie Logiken, sondern leiblich gebundene Strategien der Innovation. Mit seiner Theorie einer Logik des Bildes übersieht der Iconic Turn die leiblichen Praxeologien einer alle Sinne einbeziehenden Wahrnehmung. Schon seit Marcel Duchamps Kritik an der retinalen Konzentration der Kunst auf Bilder gilt die Dominanz des Sehens nur für den Massenmarkt, nicht aber für die innovative Praxis avantgardistischer Künstler. Theoretisches Konzept, empirische Beispiele der Kunst, Kulturgeschichte und Analysen von Computerspielen zeigen in diesem Band Beispiele der Analyse von Praxeologien auf.


Über Gewalt und politische Kunst
Die Zerstörung der baskischen Stadt Gernika am 26. April 1937 gilt als das Symbol für die Grausamkeit des Krieges. Diese Bedeutung verdankt sie letztlich einem einzigen Kunstwerk, nämlich Picassos Bild "Guernica". Dieses Gemälde hat auch wie kein anderes Werk der Kunstgeschichte andere Künstlerinnen und Künstler zu eigenem Schaffen angeregt. Wenn es heißt, die mit dem Spanischen Bürgerkrieg verbundenen Schrecken hätten in Malerei, Dichtung, Musik und anderen künstlerischen Disziplinen tiefe Spuren hinterlassen, so werden damit insbesondere Spuren angesprochen, die der von Picasso in seinem Bild ausgedrückte Schrecken bewirkt hat. Die Ausstrahlung von Picassos Werk auf andere Kunstschaffende, etwa auf Paul Éluard, ist zum Teil seit langem bekannt; in ihrer Gesamtheit und Vielfalt war sie bislang jedoch wissenschaftlich noch kaum aufgearbeitet. Im vorliegenden Band wird nun versucht, neben einer Darlegung der historischen Hintergründe und Konsequenzen der Zerstörung von Gernika zumindest einige wesentliche Aspekte der Wirkungsgeschichte von Picassos "Jahrhundertbild" ein gehend zu diskutieren, ebenso aber auch seine Beschäftigung mit Krieg im Allgemeinen. Diese zeigt sich ja nicht nur in "Guernica", sondern etwa auch in seinem Schaffen während der deutschen Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg sowie in der Auseinandersetzung mit dem "Massaker in Korea" im Jahre 1951.