An der Frage, was auf dem Theater in welchen Erzählstrukturen gezeigt werden kann beziehungsweise darf, entzünden sich zu Beginn des 18. Jahrhunderts Debatten um das Wahrscheinlichkeitspostulat bei der (Natur-)Nachahmung und um das Wunderbare als ein ›Anderes‹ des menschlichen Handelns. Sie betreffen sowohl die gezeigten Stoffe als auch die Kunstmittel und richten sich auf aufklärerischer Seite gegen die Vorstellung heterogener Weltentwürfe und aus der religiösen Perspektive des halleschen Pietismus gegen die menschengemachte Vermittlung des Transzendenten. Beide Einschätzungen des ›Gefährdungspotenzials‹ des Wunderbaren sind mit anthropologischen Entwürfen verwoben, die auf die Konstitution des Subjekts als mit sich selbst identischem Individuum abzielen.

in Das Wunderbare