Search Results

Die Vorstellung einer „Vorhut“-Funktion der Künste und der Künstler für die Gestaltung der Zukunft, insbesondere einer anderen, besseren Gesellschaft – und das bedeutet, die Vorstellung eines Zusammenhangs von Kunst mit Fortschritt, Modernität und Erneuerung – hat die Begriffe von Kunst, Literatur und Musik im 20. Jahrhundert wesentlich geprägt. Am Beginn des neuen Jahrhunderts erscheinen die Grundlagen dieser Vorstellung tiefgreifend verändert. Die Verstrickungen der Avantgarde in die großen totalitären Systeme, die Enttäuschung der Utopien der Moderne, der Einbruch strikter Grenzen zwischen Kunst und Massenkultur sind die wichtigsten Ursachen dieses Wandels. In seiner Folge ist das Konzept von Kunst zur Disposition gestellt, gilt es, das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft neu zu bestimmen.
Das Ereignis Weimar-Jena, diese nachhaltig wirkende Ballung eines Wirkungszusammenhangs in dem kleinen Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach, bestimmte nicht nur die Kultur um 1800. Es ist in seinem Einfluss auf unsere heutige Kultur kaum zu unterschätzen.
Damals konturierten sich unsere Ideen von Freiheit, vom Schönen, von der Geschichte und nicht zuletzt auch die Vorstellung von der Rationalität, die bis heute jede Wissenschaft bestimmt.
Die Beiträge skizzieren diesen bedeutenden historischen Wirkungszusammenhang nicht von seinem Ende aus, sondern untersuchen ihn in seiner Mechanik. Sie erfassen so die Vielfalt der historisch gewachsenen Verknüpfungen. Damit eröffnet sich ein neuer Einblick in die Kultur um 1800 und darüber hinaus eine neue Sicht auf ihre Bedeutung für uns im beginnenden 21. Jahrhundert.

Wie gelangt Nichtwissen im 18. Jahrhundert zu diskursiver Präsenz?
Es ist die Aufklärung als Avantgarde moderner Wissenskulturen, die das Problem der finis cognitionis - der bestimmbaren Grenze sowohl wie des unvermittelten Endes des Wissens - thematisiert, die zugleich aber vom scheinbar nicht diskursfähigen Nichtwissen bestimmt wird. Widersprüche, Ambivalenzen und Amphibolien sind Spuren dieser Doppelpräsenz des Nichtwissens.