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In: Magie und Religion
Religiöse Ekstase und Magie in der Moderne
Anders als von der Geschichtswissenschaft lange behauptet, ist die These eines fortschreitenden Prozesses der 'Entzauberung der Welt' als Kennzeichen der Moderne nicht mehr haltbar. Magische Vorstellungen und Praktiken, ekstatische religiöse Erfahrungen, das Verschmelzen magischer und naturwissenschaftlicher Wissensbestände erweisen sich beim Blick auf das 19. und 20. Jahrhundert als durchgängige Phänomene, die das 'bürgerliche Zeitalter' in einem neuen, irritierenden Licht zeigen: Katholische Führungspersönlichkeiten pilgerten zu Visionärinnen, Pastoren zogen sich ihre Ekstatikerinnen förmlich heran, vermeintliche Hexen wurden vor die Schranken englischer Gerichte gerufen und britische Ärzte glaubten, dass dämonische Besessenheit und bakterielle Infektionen in einem Zusammenhang stünden.
Die Magie ist nicht tot zu kriegen: Bis heute prägt sie Religion und Alltag mehr, als uns manchmal bewusst ist. Obwohl die neuen ›sekundären‹ Religionen alles Magische entschieden verdammten und bekämpften, lebte nicht nur vieles davon fort, es etablierten sich neben und über den alten auch neue Formen des Magischen. Ihnen wird in den facettenreichen Beiträgen von Aleida Ass mann, Renate Lachmann, Martin Mulsow, Elisabeth von Samsonow, Diethard Sawicki, Theo Sundermeier, Karen Gloy, Jan Assmann und Harald Strohm nachgegangen.