Reihe: Periagoge
Eric Voegelin (1901-1985) war einer der Gründerväter der deutschen Politikwissenschaft nach dem Zweiten Weltkrieg. 1958 übernahm er den ersten Lehrstuhl für Politikwissenschaft an der Universität München – genau 20 Jahre nachdem er als junger Privatdozent vor den Nazis in die USA geflohen war. Die Jahre der Emigration verbrachte Voegelin zum größten Teil an der Louisiana State University in Baton Rouge, wo er zwischen 1942 und 1958 forschte und lehrte. In dieser überaus produktiven Phase entstanden einige seiner wichtigsten Werke, darunter The New Science of Politics. Dennoch ist bisher nur wenig über Voegelins Jahre in Louisiana bekannt. Dieses Buch gibt erstmals Einblick in das private und berufliche Alltagsleben des 'europäischen Amerikaners' Voegelin. Voegelins Biographie ist nicht nur die Geschichte seines Lebens, sondern auch die Geschichte einer ganzen Generation von Gelehrten, die als Emigranten und Remigranten zwischen Europa und Amerika hin und her wanderten. In Briefen, Zeitungsberichten und Gesprächen mit Kollegen und Studenten wird ein Stück Zeitgeschichte lebendig. Das Buch erscheint in englischer Sprache.
HerausgeberInnen: Dietmar Herz und Peter J. Opitz
Ohne Zweifel gehört Ordnung und Geschichte zu den großen Werken der politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts. Seine Übertragung ins Deutsche wurde von Kennern des Voegelinschen Werkes immer wieder angemahnt. Anders als die konventionellen Ideengeschichten – ein Genre, das er schon früh als wissenschaftlich obsolet beiseitegeschoben hatte – versteht Voegelin Ordnung und Geschichte als einen Versuch, die Grundprobleme der conditio humana vor dem Horizont eines über die Jahrtausende sich entfaltenden Ordnungsverständnisses grundlegend zu überdenken. Indem Voegelin – wie vor ihm Max Weber, Karl Jaspers, Arnold Toynbee u.a. – auch die geistigen Traditionen der anderen großen Weltzivilisationen in das Unternehmen einbezieht, eröffnen seine Untersuchungen eine breite multikulturelle Perspektive auf das politische Denken der Menschheit. Bd. 1: Die kosmologischen Reiche des Alten Orients – Mesopotamien und Ägypten Bd. 2: Israel und die Offenbarung – Die Geburt der Geschichte Bd. 3: Israel und die Offenbarung – Mose und die Propheten Bd. 4: Die Welt der Polis – Gesellschaft, Mythos und Geschichte Bd. 5: Die Welt der Polis – Vom Mythos zur Philosophie Bd. 6: Platon Bd. 7: Aristoteles Bd. 8: Das Ökumenische Zeitalter – Die Legitimität der Geschichte Bd. 9: Das Ökumenische Zeitalter – Weltherrschaft und Philosophie Bd. 10: Auf der Suche nach Ordnung. Sonderausgabe 10 Bände (zusammengestellt aus den Einzelbänden: 3584, 3702, 3703, 3737, 3841, 3585, 3586, 3844, 3845, 3846)
Wie schon im ersten Teil von Das Ökumenische Zeitalter behandelt Voegelin in Weltherrschaft und Philosophie die erstaunliche Gleichzeitigkeit von westlichen und östlichen Reichen in der geistigen “Achsenzeit der Menschheit” (Karl Jaspers). Er diskutiert die Parallelphänomene von Reichen, welche die jeweilige bekannte Welt beherrschen wollen, und geistigen und spirituellen „Ausbrüchen“, die universale Wahrheitsansprüche stellen. Mit diesen beiden Bänden von Ordnung und Geschichte erreicht das Projekt einer vergleichenden Bewusstseins- und Symbolgeschichte der Menschheit seinen intellektuellen Höhepunkt. Neu (von Weinberger):
Der erste Teil von Das Ökumenische Zeitalter befasst sich mit den Problemen einer nicht-eurozentrischen Geschichtsphilosophie und den Symbolismen, die zur Entwicklung einer solchen Geschichtsphilosophie herangezogen werden müssen. Der zeit-räumliche Bereich des ersten Auftretens dieser neuen Symbolismen sind die Jahrhunderte zwischen dem Aufstieg des persischen und dem Untergang des römischen Reiches. Voegelins Neuordnung dieses Zeitalters wird in der Einleitung zu diesem Band philosophisch begründet und als ein Prozess zwischen kosmologischem Anfang und transkosmischem Jenseits dargestellt, in dem die Menschheit das Feld bildet, das von der Spannung dieses Prozesses gestaltet wird. Die Legitimität der ökumenischen Antike besteht nach Voegelin darin, dass sie grundsätzlich die Möglichkeiten von dem, was als Geschichte bezeichnet werden kann, abgrenzt und zugleich die Spannung des geschichtlichen Prozesses als das Wesen des Menschseins schlechthin aufzeigt.
Vom Mythos zur Philosophie
In der Welt der Polis zeichnet Eric Voegelin den Gang der geistigen Entwicklung in Hellas nach – bis zu ihrem Höhepunkt in der Philosophie Platons und Aristoteles. War der erste Teil der Studie der spezifischen Ausgestaltung eines den Hochkulturen des Alten Orients vergleichbaren kosmologischen Welt- und Ordnungsverständnisses gewidmet, das seinen großartigen Ausdruck in der Mythopoetik Homers und der erwachenden Mythenspekulation Hesiods fand, so befaßt sich der zweite Teil mit dem Übergang vom archaischen zum klassischen Hellas. Auch hier liegt der Schwerpunkt auf dem sich wandelnden Welt- und Ordnungsverständnis. Voegelin verfolgt die über Jahrhunderte sich hinziehende Ablösung vom traditionellen Mythos der Polis durch die Philosophie als neuer symbolischer Form. Es ist der Prozeß, in dessen Verlauf es zur Entdeckung der menschlichen Seele, ihrer Tiefe und ihrer Ordnung kam, sowie zu der sie begleitenden Erfahrung und Erforschung der radikalen Transzendenz des Göttlichen. In ebenso eindringlichen wie eigenwilligen Analysen protokolliert er die einzelnen Schritte dieses geistigen Abenteuers in den Werken der großen mystischen Philosophen Anaximander, Heraklit und Parmenides. Das Buch gipfelt in einer Studie des „Athenischen Jahrhunderts“ – mit Betrachtungen über die politische Bedeutung der griechischen Tragödie, über die geistige Krise der Sophistik und über den Aufstieg und Fall Athens bzw. das Problem von „Macht“ und „Geschichte“ – wie es sich in den Werken Herodots und Tkukydides’ spiegelt.
HerausgeberInnen: Jörg Jeremias, Dietmar Herz und Peter J. Opitz
Ohne Israel hätte es keine Geschichte gegeben – jedenfalls nicht als eine bewusste retrospektive Deutung vergangener Ereignisse. So lautet die These dieses Teilbandes von Ordnung und Geschichte. Die am Modell einer Entsprechung zwischen Kosmos und Gesellschaft ausgerichteten Symbolismen der altorientalischen Kulturen waren ganz auf Gleichsinnigkeit der sozialen Ordnung mit den großen Zeitrhythmen des Himmels und der Erde angelegt. Im alten Israel hat sich jedoch – wie auf andere Weise auch in Griechenland – ein wesentlicher 'Sprung im Sein' ereignet: Moses Begegnung mit Gott am Dornbusch und der Exodus aus Ägypten bedeuten eine neue Qualität im Verhältnis von Ordnung und Geschichte. Erstmals kommt es zu einer bewussten Verortung der menschlichen Existenz vor dem weltüberlegenen Gott. Dieser grundlegende Übergang führt zu einer zeitlichen Einteilung in Vorher und Nachher und zur Geburt von 'Geschichte als Existenzform' einer Gesellschaft.
HerausgeberInnen: Jörg Jeremias, Dietmar Herz und Peter J. Opitz
Das in den biblischen Texten durchgehend wirksame Offenbarungsgeschehen ist – unbeschadet der Frage nach der Historizität des Mose und des Exodus – ein Faktum von höchster Relevanz für die Abfolge der kulturellen Ordnungsvorstellungen. Die bisherige Kompaktheit des Seins wird aufgebrochen für eine unmittelbare Partnerschaft mit Gott, die in der Gabe des Dekalogs am Sinai ihre Vermittlung findet: Der Gottesnähe muß das Handeln der Menschen entsprechen. Indem der Dekalog aber die gesellschaftliche Existenz des Volkes ordnet, ist er auch zweideutig. Die in ihm begründete soziale Existenz Israels verhindert immer wieder einen reflektierten Transzendenzbezug. Das ist der Ausgangspunkt der Botschaft der Propheten. Sie verweisen auf den Widerspruch zwischen offenbarter Ordnung Gottes und realer gesellschaftlicher Unordnung. Dabei entwickeln sie zunehmend die menschheitlich-universale Dimension des Gottesbildes.