in Russische Revolutionen 1917
Briefwechsel und Materialien
AutorIn: Dirk Kemper
Heinrich Mann und Walter Ulbricht bewegten sich auf schwierigem Terrain, als sie 1936 im Pariser Exil an der Bildung einer deutschen Volksfront arbeiteten. Die Frage, ob die beiden großen Arbeiterparteien, SPD und KPD, Hitlers Machtergreifung durch ein Bündnis hätten verhindern können, belastete das Engagement dieser so verschiedenen Männer schwer. Wie standen sie zueinander?
Heinrich Mann war Präsident des Komitees zur Vorbereitung einer deutschen Volksfront und Walter Ulbricht Vertreter der KPD. Letzerer agierte als Parteitaktiker und Erfüllungsgehilfe wechselnder Moskauer Interessen, jener als bürgerlicher Gesinnungsethiker, der sich in erstaunlicher Weise kommunistischen Positionen annäherte. Heinrich Mann gehörte bereits 1932 zu den Unterzeichnern des Dringenden Appells zur Aktionseinheit der KPD und der SPD gegen die Nationalsozialisten. Dafür schlossen ihn die Nationalsozialisten von der Akademie der Künste aus und entzogen ihm die deutsche Staatsbürgerschaft.
Auch Ulbricht war ins Exil gezwungen worden. Er hatte nach der nationalsozialistischen Machtergreifung die Arbeit der KPD illegal weitergeführt.
In ihrem Kampf für ein gemeinsames Ziel kam es zu gegenseitigen Verdächtigungen, Schuldzuweisungen und Verunglimpfungen.
Umstritten ist bis heute die Frage: Wer sprengte die Volksfront? War Heinrich Mann wirklich ein »unwissender Magier« an Ulbrichts Fäden? Oder hat das Scheitern ihres großen Ziels seine Gründe im Scheitern der Existenzen im erzwungenen Exil?
Aus dem Briefwechsel gewinnt Dirk Kemper interessante Einblicke in das schwierige Verhältnis der beiden Männer.
HerausgeberIn: Dirk Kemper
»Weltseitigkeit« perspektiviert das wissenschaftliche Schaffen des zu Ehrenden wie auch die Beiträge seiner Freunde und Kollegen in diesem Band.
Schon 1808 prägte Jean Paul in seiner »Friedens-Predigt an Deutschland« den Begriff der ›Weltseitigkeit‹ der Deutschen (»Aber wir weltseitigen Deutschen, schon längst im geistigen Verkehr mit allen Völkern«), mit dem er der Angst vor kultureller Überfremdung durch die Franzosen entgegenzuwirken suchte. In dieser Perspektive gehört »Weltseitigkeit« in die Vorgeschichte der Reflexion über Weltliteratur und darf als Leitbegriff für eine Art von Literaturwissenschaft in Anspruch genommen werden, die sich weder durch nationalstaatliche noch durch nationalsprachliche Trennlinien begrenzen lassen will, die um die Verwurzelung des Eigenen nicht zuletzt im Fremden weiß und dem Palimpsest fremdkultureller Erfahrungsschichten auch in Texten der eigenen Kultur nachspürt.
Goethe und die Individualitätsproblematik der Moderne
AutorIn: Dirk Kemper
Das Konzept von Individualität, entstanden in der Sattelzeit um 1800, prägt auch heute noch zutiefst den Modus unserer Selbstvergewisserung bzw. Selbstkonstitution. Die historische Genese dieses Konzepts bei Goethe führt über verschiedene Stufen: vom autoreferentiellen Individualitätskonzept der Frühphase über dessen Erweiterung in den symbolisch-kulturellen und schließlich in den historischen Raum, von der subjektzentrierten zur dezentrierten Narration bis hin zur Aufgabe der Deutungshoheit über die eigene Vita. Goethe ringt in seinem gesamten Werk mit der für die Moderne spezifischen Problematik, einerseits Grundfragen des individuellen Seins beantworten zu wollen und andererseits dafür keine angemessene Beschreibungssprache im philosophisch-wissenschaftlichen Diskurs der Moderne mehr zu finden; das Individuum bleibt ihm daher als Aufgabe das Unabweisliche, in seiner Bestimmung aber das 'ineffabile'.
in Visionen der Zukunft um 1900
in Weltseitigkeit
in Weltseitigkeit
in Weltseitigkeit
in Weltseitigkeit
in Weltseitigkeit