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In: Das Dämonische
In: Ästhetische Regime um 1800
Figurenlehren des sozialen Körpers nach der Romantik
Seitdem die Französische Revolution den politischen Körper von seinem königlichen Haupt getrennt hat, ist das Bild moderner Macht von einem Riß durchzogen. Was Recht ist, bestimmen Volksvertreter, doch geht die politische Realität in dieser Repräsentation nicht auf. Namen wie ”Volk” und ”Nation” sind exklusive Titel; sie verschweigen den Unterschied, den sie zwischen den Bewohnern eines Landes machen. Das Recht trennt die, die es schützt, von denen, die den Staat nur als Gewalt zu spüren bekommen. Von dem Begehren, die Sache des Politischen zu verhandeln und im Schatten der Politik aufzusuchen, zeugt eine weitläufige Debatte, die bis heute andauert. Ihre theoretischen Impulse hat sie von so unterschiedlichen Denkern wie Carl Schmitt, Michel Foucault, Claude Lefort, Jacques Rancière und Giorgio Agamben erhalten. Genauso führen ihre Spuren aber durch das Feld der Rechtsakten, der Geschichtsschreibung und der Literatur. Die Beiträge des Bandes gehen den einschlägigen und apokryphen Geschichten nach, in denen das Politische auf dem Spiel steht. Sie verfolgen dabei auch eine Arbeit am politischen Imaginären, die seit der Romantik nicht aufhört, in den Figuren des sozialen Körpers eine andere Wirklichkeit der res publica festzuhalten: eine öffentliche Sache, deren heimliche Wahrheit die Dichtung aussagt und deren unheimliche Möglichkeiten sich historisch als Biopolitik und Totalitarismus ausbuchstabieren.
Schicksale einer Kategorie der Zweideutigkeit nach Goethe
Großer Beliebtheit und Aktualität erfreut sich das Dämonische gegenwärtig im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur sowie in der Architektur von Computerspielwelten. Hier wie dort erscheinen Dämonen als Zwischenwesen, die weder der göttlichen noch der menschlichen Sphäre eindeutig zuzuordnen sind, aber gerade dadurch beide Bereiche in Kontakt bringen können - häufig mit fatalen Folgen.
In solchen Zwischenzonen und Schwellenbereichen sind dämonische Figuren auch in theologisch-philosophischen und kulturhistorischen Kontexten von jeher heimisch gewesen. Angesichts der derzeitigen Konjunktur von Ambivalenztheorien, eines neu erwachten Interesses am politisch-theologischen Erbe (Sloterdijk, Agamben, Žižek) und genereller Neugier gegenüber Mischwesen (Engel, Androide, Monster und andere "Hybride") muss verwundern, dass das Dämonische bisher unbefragt geblieben ist, obwohl gerade diese Kategorie in der Moderne immer wieder aufgenommen wurde und, gewissermaßen selbst dämonisch, ihr Wesen oder Unwesen in der Literatur und der Theoriebildung getrieben hat.