Zur Performativität des Denkens
Die Beschäftigung mit der Musik und besonders die Auseinandersetzung mit Wagner prägten Nietzsches gesamtes Leben. Daraus und aus der damit verbundenen Aufwertung des Performativen in der Kulturbetrachtung leitete er sein postmetaphysisches Denken ab.
Die Würdigung der Musik und der Rolle des Chors in der klassischen Tragödie ist ein Anliegen, mit dem sich Nietzsche bereits in seiner Schulzeit in Pforta befasste. Damit ist Nietzsches grundlegendes Bestreben verbunden, entgegen der in der Folge des Aristoteles durchgesetzten Reduktion des antiken Dramas auf eine literarische Überlieferung den performativen und multimedialen Charakter der Tragödie hervorzuheben. Entscheidend zur Umsetzung von Nietzsches philosophischem Programm war es, dass er ab der Mitte der 1870er Jahre Schreibweisen zu entwickeln begann, in der die Hypostasierung von Gedanken, die bereits den antiken Philosophen ein Gräuel war, zugunsten von der Beweglichkeit des Denkens gemieden wird. Die Musik diente ihm dabei als Vorbild.
in Musik und Schrift
Die von Federico Celestini, Simon Obert, Matteo Nanni und Nikolaus Urbanek herausgegebene Reihe erörtert grundlegende Dimensionen musikalischer Notationen und stellt hierbei die Aspekte der Ikonizität, Materialität, Performativität und Operativität in das Zentrum. Die Überlegungen kreisen um die Formulierung einer Theorie der musikalischen Schrift.