in Affektökonomien
in Heidegger über Rhetorik
Das umfassende Werk Hans Blumenbergs ist zweifellos ein bedeutsamer Beitrag zur Gegenwartsphilosophie. Felix Heidenreich legt nun die erste große Gesamtdarstellung vor, die allen Nachbardisziplinen von der Literatur- bis hin zur Kultur- und Geschichtswissenschaft eine konstante Inspirationsquelle bietet. Blumenbergs Weg zur Metaphorologie, zur Theorie der Rhetorik und des Mythos, führt über die Auseinandersetzung mit der Phänomenologie Husserls und Heideggers sowie der Anthropologie. In seiner Archäologie der Bedeutsamkeitsproduktion zeigt er sich als das erfrischende Gegenüber eines melancholischen Philosophen des modernen Sinnverlusts, nämlich als kühler und präziser Analytiker der Sinnproduktion. Blumenbergs Theorie der Moderne stellt somit eine originelle und wichtige Position dar, die sich gleichermaßen von Fortschrittsutopien wie von kulturpessimistischen Verfallstheorien abgrenzt.
Drei Essays
Die Frage nach der Identität und Souveränität politischer Gemeinwesen wird erneut auf drängende Weise gestellt – und oft mit populistischen oder identitären Vorstellungen beantwortet.
Aus dem, was »wir sind«, soll angeblich ableitbar sein, was zu tun sei. Die eigentlich politische Frage – wie wollen wir leben? – wird so systematisch verdeckt. Was aber, wenn man umgekehrt davon ausgeht, dass wir erst durch unsere Entscheidungen bestimmen, was wir sind? In diesem Sinne können auch Demokraten emphatisch »Wir« sagen, auch wenn die Grenzen dieses »Wir« immer verhandelbar bleiben. Das Subjekt der Politik ist dann aber nicht als ein souverän über sich gebietender politischer Körper, sondern eher als ein von Ambivalenzen und Widerständen durchzogener politischer Leib zu denken. Die Aufgabe einer »Xenopolitik« (Waldenfels), eines Umgangs mit dem Fremden und den Fremden, stellt sich dann unter anderen Vorzeichen, nicht als bloßer Umgang mit einem Außen, sondern mit einer Erfahrung, die uns immer schon begleitet. In drei Essays spürt der Autor den Denkbildern vom politischen Leib, der Frage nach der demokratischen Identität und dem Thema der Xenopolitik nach.
Der Band beantwortet die Fragen, welche Interessen Heidegger an der Rhetorik gehabt hat und wie stark dieses Interesse die 'Wiederkehr der Rhetorik' in der Philosophie befördert hat. In Heideggers Œuvre findet sich zwar keine Publikation mit dem Titel 'Über Rhetorik'; gleichwohl hat er sich einmal mit Rhetorik sehr intensiv beschäftigt, und zwar mit ihrer Aristotelischen Gestalt. Während diese Auseinandersetzung für sein Denken von nur geringem Gewicht gewesen sein dürfte, ist der Einfluss der Rhetorik auf die kategoriale Ausstattung der Existenzialanalyse in 'Sein und Zeit' unstrittig. Ebenso unstrittig ist der Modellcharakter der Rhetorik für die Verfallsgefährdung eines uneigentlichen Daseins, aus dem zu befreien die Philosophie als ihre originäre Aufgabe ansah, sei es mithilfe philosophisch gereinigter Grundbegriffe, sei es mithilfe eines politphilosophischen Projekts, das in höchst riskanter Weise den Ausbruch aus der Platonischen Höhle mit dem NS-Aufbruch in Beziehung zu bringen wagte.