Rudolf Borchardt und die Arbeit am ästhetischen Menschen
Im Nachdenken über einen ästhetischen „Menschen“ rückten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Bild und Sprache, ihre poetischen, symbolischen und imaginären Dimensionen ins Zentrum eines Interesses, das auf die Bildung eines Raums des Freundschaftsdenkens zielte, in dem idealistische Normsetzungen zugunsten einer sprachgebundenen Topologie aufgelöst wurden. In diese Bewegung, als deren prominente Protagonisten Nietzsche, Pater und George ebenso in den Blick geraten wie poststrukturalistische Diskussionen des Freundschaftsdenkens durch Foucault, Barthes oder Derrida, gehören auch die Arbeiten Rudolf Borchardts. Die komparatistischen Lektüren des vorliegenden Bandes zeigen, dass und wie Freundschaft als historisch bedingte symbolische Praxis Bestandteil ästhetischer Produktivität ist. Freundschaft wird so erkennbar als Schreibweise des Menschen nach dem Ende der Gewissheit einer anthropologischen Norm. Darstellung und Argumentation essayistisch in philologischen Einzelstudien verknüpfend, präsentiert sich der vorliegende Band dabei selbst als Bestandteil eines ästhetischen Prozesses, als Suche nach einer Antwort auf die vielleicht modernste Frage: comment vivre ensemble?
Konstruktion, Bewegung, Politik
HerausgeberInnen: Armen Avanessian und Franck Hofmann
Raum ist konstitutives Element jeder sinnlichen Wahrnehmung und wird doch zugleich in den unterschiedlichen Künsten je unterschiedlich konzipiert, ja von jedem Kunstwerk eigentümlich konstruiert. Der Band versammelt Beiträge aus einer Vielzahl unterschiedlicher theoretisch- philosophischer und kunstwissenschaftlicher Disziplinen. Einer Vielzahl gegenwärtiger Positionen wird in durchaus unterschiedlichen Textgenres theoretisch Raum gegeben. Neben theoretischen Beiträgen stehen Essays, Interviews und nicht zuletzt auch künstlerische Beiträge selbst, die auf der dem Buch beigefügten DVD zu finden sind.
Die Erfahrung des Orpheus nimmt dieser Band in einer doppelten Perspektive in den Blick: als Grenzerfahrung zwischen Tod, Liebe und Kunst sowie als Entgrenzung im Feld der Künste und zwischen Kunst und Leben.
Die Beiträge diskutieren den -ersten Sänger- dabei nicht nur in historischer Hinsicht, sondern fragen insbesondere auch nach der Valenz dieser zentralen Figur noch für die gegenwärtige Kunstproduktion und Theoriebildung.

Mit Beiträgen von:
Armen Avanessian, Karl Heinz Bohrer, Gabriele Brandstetter, Franck Hofmann, Bernhard Huss, Claudio Magris, Gert Mattenklott, Tom McCarthy, Renate Schlesier, Gregor Stemmrich, Jan Völker, Birgit Wiens, Friederike Wißmann, Slavoj Zizek.
Erfahrungsräume
Der zweite Band stellt ausgehend von einem phänomenologisch geprägten Raum-Verständnis die Frage nach Räumen von Erfahrung und nach ihren Konstruktionsweisen. Und ob man nicht weiter kommt in der Befragung des Raums, wenn man ihn nicht als Umgebung nimmt, in der Vorstellungen – im 'inneren Raum' – oder Symbole – im 'äusseren Raum' – angesiedelt werden, sondern als ein dynamisches Gebilde, das sich zwischen Vorstellungen und Symbolen aufspannt? Erfahrung im doppelten Wortsinn wird dann zu einem Teil von Raumpraktiken, die als Konfiguration von Grenzen, transurbanen Netzen und sozialen Schichtungen einen europäischen Kulturraum prägen. Dieser ist bereits vorstrukturiert durch Konfigurationen von Erfahrung in Literatur, Kunst und Wissenschaft.
1/2005 distanciation - compréhension /Abstand - Verständnis
'Transversale: Erkundungen in Kunst und Wissenschaft/arts et sciences en recherche' ist ein europäisches Jahrbuch und eine Internetplattform, die aktuelle Forschungen in den Geistes- und Sozialwissenschaften mit jungen Positionen der Literatur und der bildenden Kunst verbindet. Transversale betrachtet Wissen hierbei als einen dynamischen Prozess, ermutigt zu experimentellen Darstellungsformen. Thema des ersten Jahrbuchs ist die Konstellation von Unterscheidung/Verständnis - distanciation/compréhension, deren Diskuskussion auf den Internet-Seiten von www.transversale.org fortgesetzt wird. Transversale wird herausgegeben für die Deutsch-Französische Hochschule in Verbindung mit dem Institut für allgemeine und vergleichende Literaturwissenschaft der Freien Universität Berlin und der université Sorbonne Nouvelle – Paris 3. Mit Beiträgen u. a. von Alain Beaulieu, Hanno Ehrlicher, Didier Faustino, Andreas Haus, Kai Kauffmann, Oliver Lubrich, Jérôme Lebre, Gert Mattenklott, Jacques Rancière, Gerald Stieg, Ludger Schwarte, Patrick Watier