HerausgeberIn: Michaela Boenke
Die Spannweite der Interessen und Werke des Veroneser Arztes, Naturforschers, Philosophen und Gelehrten Girolamo Fracastoro (1476/78?-1553) ist ausserordentlich breit. Er verfasste Schriften zur Kosmologie (Homocentrica, 1538) und zur Medizin (De syphilide, 1530; De contagione, 1546), er entwarf eine auf spirituelle Erklärungen verzichtende Naturphilosophie (De sympathia et antipathia rerum, 1546), entwickelte eine sensualistische Erkenntnistheorie und verfasste eine einflussreiche Poetik (Naugerius sive de Poetica, 1546). Berühmt wurde er insbesondere für seine Studien zu Ansteckungskrankheiten und zur Syphilis, der er den Namen gab. Der Dialog „Turrius sive de Intellectione“ entwickelt eine sensualistische Erkenntnislehre unter Berücksichtigung gehirnphysiologischer Prozesse. Die Frage ist, wie es im Ausgang von sinnlichen Eindrücken zur komplexen „Welt im Geist“ kommen kann.