in Asozialität und Aura
in Goethe und die Arbeit
Sterne - Jean Paul - Joyce - Schmidt
Zur Geschichte der Individualität
Literarische Erkundungen
Was heißt: Gutes Leben im Alter? Welche Beispiele für gelungene und misslungene Lebensformen des Alter(n)s bietet die Literatur-geschichte? War es früher an-ders als heute? Was bedeuten Würde und Selbstbestimmung im Alter? Alter(n) als Lebenskunst will gelernt sein und dabei kön-nen die Erfahrungen der Literatur helfen, einen selbstbestimmten Zugang zu finden. Das gilt nicht nur für die Alten, sondern auch für die Jungen. Hans Georg Potts neues Buch behauptet seinen Platz in der Vielzahl von Publikationen zum Thema ‚Alter’ und ‚alternde Ge-sellschaft’ darin, dass es einige der oft erwähnten, aber selten oder nie genau gelesenen ‚gro-ßen’ Werke und Schriften zur Altersthematik einer ins Einzelne gehenden nachdenkenden Lektüre unterzieht. Im Unter-schied zu Schriften zur alternden Gesellschaft und zum demogra-phischen Wandel, in Abgrenzung auch zu ‚subjektiven’ Erfah-rungsberichten über das Altwer-den, wird von alten Menschen in der Literatur erzählt, von denen in allen Kulturen und zu allen Zeiten, seit es schriftliche Auf-zeichnungen gibt, berichtet wird. Das Erbe der Antike ist für dieses Thema vorbildlich, aber nur, weil es heute anders ist und also Al-ternativen aufgezeigt werden können. Im Mittelpunkt der Er-kundungen steht der einzelne alte Mensch, sein Wille und seine Würde, und nicht die ‚Alten’, wie sie lediglich als eine kritische Masse von Rentnerpopulationen betrachtet werden, welche die Stabilität der Gesellschaft und ihren schönen Schein gefährden.
Studien zu/mit Robert Musil
Robert Musils Der Mann ohne Eigenschaften wird als ein Lehrbuch für Probleme der Gesellschaft vom Anfang des 20. Jahrhunderts bis heute gelesen. Vor allem die Themen Gewalt, kollektive Mythen und eine »Politik der Gefühle« werden mit Verbindungen zur Philosophie und Soziologie untersucht. Mit den erkenntnisleitenden Paradigmen »Möglichkeitssinn« (Kontingenz) und »Gefühl-und-Ratio« war Musil seiner Zeit, den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts, weit voraus. Musil zeigt in seinem großen Werk, dass und wie die die Neuzeit prägenden Begriffe wie Subjekt, Vernunft, Sinn unter Kontingenzbedingungen obsolet geworden sind und neu justiert werden mussten. Seine komplexe, ironie-, satire- und reflexionsgesättigte Prosa untersucht u.a. die Funktionslogiken von Subjekt, Seele, Nation, Moral, Geld/Kapital, offener und latenter Gewalt und liefert zugleich ihre Ideologiekritik. Die Formensprachen von Analogie und Gleichnis sind der Schlüssel zum Verständnis des »Senti-Mentalen« als der Bereich, in dem sich Intellekt und Gefühl durchdringen.
Zur Geschichte und Systematik sekundärer Oralität
Im Gegensatz zur Schriftkultur, die in den letzten zwei Jahrzehnten zum Thema zahlreicher Arbeiten geworden ist, hat die Erforschung der sekundären Mündlichkeit bislang noch kaum begonnen, geschweige denn von einem interdisziplinären Ansatz, wie ihn der vorliegende Band präsentiert, profitieren können. In einer Zeit, in der sich die 'Schrift' als Leitmedium der Gesellschaft etabliert, bekunden Dichter und Denker eine Erfahrung des Verlustes an Nähe und Unmittelbarkeit (Präsenz). Gegen Orientierungs-und Bindungsverlust sowie Einsamkeitserfahrungen werden kompensatorisch die Stimme (Reden, Vorlesen und Hören) und die gesellige Kommunikation unter Anwesenden beschworen. Mit der Durchsetzung der elektronischen Funkmedien im späten 19. Jahrhundert (Telefon, Radio) und im späten 20. Jahrhundert dem Internet verändert sich die Situation jeweils ein weiteres Mal.
in Stimme und Schrift
in Stimme und Schrift
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