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Eine Archäologie des Theaters und seiner Wissenschaft
In ihrer Betonung der unmittelbaren Gegenwart theatraler Vorgänge folgt die deutschsprachige Theaterwissenschaft seit ihren Anfängen um 1900 einem historiographischen Konzept, das sich epistemologisch am Zuschauer und seiner ästhetischen Erfahrung orientiert. Weniger Berücksichtigung fand daneben die Tatsache, daß die Geschichte des europäischen Theaters eng verbunden ist mit einer Geschichte der Aufschreibesysteme als einer Geschichte der Netzwerke von Techniken und Institutionen, die einer Kultur die Speicherung, Verwaltung und Entnahme der für sie relevanten Daten erlauben. So kann Hans Christian von Herrmann nicht zuletzt die Gründung des Faches selbst als Effekt medien- und wissenschaftshistorischer Umbrüche beschreiben, die gleichermaßen das Theater und die Universität betrafen. Als Leitfaden dient ihm dabei Michel Foucaults Archäologie des Wissens, deren wichtigstes Verfahren die Behandlung überlieferter Dokumente als Monumente einer diskontinuierlichen Geschichte ist.
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