Rhetoriken des Unbestimmten in der zeitgenössischen Kunst
Atmosphärische Konstellationen sind gekennzeichnet durch eine potentielle Offenheit. Sie sind kaum klar zu definieren und lassen unterschiedliche Deutungen und Erfahrungen zu. Insbesondere die Sichtbarkeit von Bildern ist stark geprägt durch die Atmosphären, die sie herstellen und in denen sie sich be. nden. Zeitgenössische Kunst und audiovisuelle Kultur liefern zahlreiche Beispiele dafür: Neben Kino, Architektur, Design und Popkultur hat sich auch die Kunst der Attraktivität und Problematik der visuellen und symbolischen Potentiale von Atmosphäre, Aura, Stimmung, Glamour und Ambient verschrieben. Fotografen weisen dabei eine besondere Affinität zu diesen Phänomenen auf, und es stellt sich die Frage, ob sie sich einer atmosphärischen Kodierung über haupt entziehen können. Aber wann und aufgrund welcher Übereinkünfte und Kriterien schreiben wir fotografischen Bildern atmosphärische Qualitäten zu? Welche spezifische Funktion kommt ihnen in künstlerischen Arbeiten zu? Und inwiefern haben sich mit Fotografischen Atmosphären transpikturale und multisensorielle Sichtbarkeiten herausgebildet? Diese Fragen werden anhand künstlerischer Arbeiten von Larry Clark, Cheryl Dunye, Isa Genzken, Richard Hamilton, Zoe Leonard, Paul McCarthy, Richard Prince, Gerhard Richter,.Thomas Ruff, Hiroshi Sugimoto, Wolfgang Tillmans, Andy Warhol und Carrie Mae Weems diskutiert.
in Unmenge
in Kinematographische Räume
Inframedialität und non-lineare Zeitlichkeiten in Kunst, Film, Literatur und Philosophie
HerausgeberInnen: Michael Wetzel, Ilka Becker und Michael Cuntz
Medien verkörpern Techniken der Sichtbarmachung von Zeit. Zugleich entzieht sich aber die Zeitlichkeit als solche einer quantifizierenden Repräsentation. Die Beiträge des Bandes setzen sich mit zentralen philosophischen Entwürfen intensiver, nicht-homogener Zeitlichkeit (Bergson, Benjamin, Deleuze, Derrida) ebenso auseinander wie mit konkreten medialen Praktiken. Dabei führt die Linie von der Avantgarde und insbesondere Marcel Duchamp zur Auseinandersetzung mit Positionen zeitgenössischer und populärer Kunstformen. Die behandelten Medien reichen vom Film bis zur Videokunst, von Malerei, Fotografie und Installation bis zur Literatur.
Wie verteilt sich Handlungsmacht?
HerausgeberInnen: Ilka Becker, Astrid Kusser und Michael Cuntz
In der Gegenwart ist die Liste möglicher Akteure scheinbar ins Unüberschaubare angewach-sen. Nimmt dabei die Hand-lungsmacht des Einzelnen in dem Maße ab, wie die Zahl der potentiellen Akteure zunimmt und auch Tiere, Dinge, (Un-)Tote oder Systeme umfasst? Oder aber ist die Logik, auf der diese Rechnung beruht, selbst frag-würdig geworden? Die Unmenge konfiguriert sich in wechselnden, raumzeitlichen Situationen ständig neu. In ihr sind wir Unzählige, die ohne dauerhafte Gestalt oder stabile Ontologie gemeinsam in Hand-lungen und Kämpfe verwickelt sind. Eine dominante Version der Moderne teilte die Sphären von Mensch, Natur und Technik von-einander ab, um einen stabilen Status von Subjekten und Objek-ten sowie regulierten Zugang zu (politischer) Repräsentation si-cherzustellen. Mit der Problemati-sierung dieser Moderne ist je-doch fragwürdig geworden, wer oder was überhaupt Träger von Handlungen sein kann. Was häu-fig als Einschränkung oder Verlust diagnostiziert wird, lässt sich e-benso als Ausbreitung oder Er-weiterung verstehen. Welches sind somit neue Formen der Handlungsmacht, die sich nicht nur in der gegenwärtigen Situa-tion, sondern auch in einem symptomatischen Blick auf histo-rische Bewegungen ausmachen lassen? Der Band rückt die Figur der Un-menge als Genealogie der Ge-genwart und Gegenentwurf zur zählbaren und repräsentierten Gemeinschaft (wie Volk, Nation, Menschheit) ins Zentrum. Er ana-lysiert diejenigen Formen der Handlungsmacht, denen histo-risch kein legitimer Ort der Reprä-sentation zugewiesen werden konnte. Dass diese Formen gleichwohl Veränderungen er-möglichten, lässt sich erst nach-träglich in symptomatischen Lektüren nachvollziehen. Die Publikation setzt drei Schwer-punkte: Unter dem Stichwort Mischwesen geht es um Relationen zwischen Menschen und technischen Wesen bzw. ästhetischen Artefakten, in de-nen klare Grenzziehungen eben-so fragwürdig geworden sind wie die Zuschreibungen Sub-jekt/Objekt oder aktiv/passiv. Wiedergänger befasst sich mit Konstellationen und Ereignissen, in denen Akteure, deren Hand-lungsmacht oder schiere Existenz vom ‚gesunden Menschenvers-tand’ oder der herrschenden Meinung vehement verdrängt oder negiert werden, von den Rändern ins Zentrum der Wahr-nehmung zurückkehren. Gewal-tenteilung schließlich nähert sich der Rolle der großen oder unbe-stimmbaren Zahl in politischen Kontexten und analysiert die Grenzen souveräner Macht.
in Unmenge
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