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Author: Inga Probst

Abstract

Die Trias Erinnern – Vergessen – Bewahren ist zentraler poetologischer Baustein des Gesamtwerkes von Wolfgang Hilbig. Intention des vorliegenden Beitrages ist es zu zeigen, dass die drei Begriffe zugleich das gesellschaftliche Selbstverständnis des Autors widerspiegeln. Dieses zeigt sich einerseits als mahnendes ‚Was wir nicht vergessen dürfen‘ und andererseits als autopoetisches ‚Was ich von meinen Texten nicht vergessen darf‘. Fokussiert werden Texte, in denen diese zweigleisige Arbeit gegen das Vergessen als literarische ‚(Ent-)Bergung‘ beschrieben werden kann – die Entbergung dessen, was für immer in die Abgründe der Geschichte verschoben werden sollte, jedoch von selbst wieder an die Oberfläche zurückdrängt oder zurückgeholt wird. Erzählt wird dieser Rückholprozess mittels räumlicher, d.h. genauer: landschaftlicher Phänomene, Metaphern und Motive, die sich v.a. aus Texten wie Die Kunde von den Bäumen, Alte Abdeckerei und Ort der Gewitter herausarbeiten lassen. Was im literarischen Text als hermetisches Verfahren einer erinnerungskritischen Selbstbefragung ausgetragen wird, hat einen realen Effekt auf das kollektive Langzeitgedächtnis. Denn Hilbigs Texte arbeiten nicht nur gegen die poetologische Selbst-Vergessenheit an, sondern wirken vor allem der kollektiven Geschichtsvergessenheit einer Region entgegen, die sich schwer mit der Aufarbeitung industrialisierter Zwangsarbeit tut.

In: Lethe-Effekte
Forensik des Vergessens in Literatur, Comic, Theater und Film
Der mythologische Fluss Lethe dient als Leitmotiv für das Aufspüren diverser medialer Strategien zum Vergessen in Lyrik, Prosa, Comic, Theater und Film. In Anlehnung an forensische Verfahren zeichnet sich eine kritische Auseinandersetzung mit etablierten Erinnerungsdiskursen zum vergangenen Jahrhundert ab. Ermittelt werden poetisch profilierte Widersprüche, prosaische Ausdrucksformen von Demenz, topografische Projektionen sowie Umwertungen eines gemeinhin belastenden Vergessens.