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Author: Iris Hermann

Abstract

Der Beitrag widmet sich dem Thema ‚Auslöschung‘ in mehrerlei Hinsicht. Im Fokus stehen die bewussten und bewusst inszenierten Prozeduren der Auslöschung als einem Teil des poetischen Prozesses. Zwei Beispiele möchte ich in diesem Zusammenhang analysieren. Im ersten Beispiel (BEI DEN ZUSAMMENGETRETENEN), einem Gedicht von Paul Celan, wird im Vergleich der verschiedenen Fassungen deutlich, wie das Korrigieren und Neuschreiben eines Gedichtentwurfes vor allem das Löschen konkreter biographischer Spuren bedeutet und dazu führt, dass die Sprachbilder deutlich reduziert werden. In einem zweiten Beispiel, einem Gedichtband von Uljana Wolf, geht es um eine besondere Form der Intertextualität, sogenannte Erasure Poetry, der Auslöschungsprozeduren und Überschreibungen zugrunde liegen. Hier sind es die Sonetts of a Portuguese von Elizabeth Barrett Browning, aus denen über die Übersetzung von Rainer Maria Rilke ein ganz eigener Text geschaffen wird, dessen Material jedoch zu hundert Prozent aus dem Ursprungstext besteht. Durch die Auslöschungsprozesse, die Verdichtungen darstellen und Neuakzentuierungen vornehmen, wird aus dem Vorhandenen ein neuer Text refabriziert.

In: Lethe-Effekte
In: Dinge im Werk Thomas Manns
In: Poetologisch-poetische Interventionen - Gegenwartsliteratur schreiben
In: Poetologisch-poetische Interventionen - Gegenwartsliteratur schreiben
In: Ethik des Verstehens
Forensik des Vergessens in Literatur, Comic, Theater und Film
Der mythologische Fluss Lethe dient als Leitmotiv für das Aufspüren diverser medialer Strategien zum Vergessen in Lyrik, Prosa, Comic, Theater und Film. In Anlehnung an forensische Verfahren zeichnet sich eine kritische Auseinandersetzung mit etablierten Erinnerungsdiskursen zum vergangenen Jahrhundert ab. Ermittelt werden poetisch profilierte Widersprüche, prosaische Ausdrucksformen von Demenz, topografische Projektionen sowie Umwertungen eines gemeinhin belastenden Vergessens.
Mit Beiträgen zu: Max von der Grün, Erich Loest, Peter Rühmkorf, Peter Schneider, Dieter Wellershoff, Eva Demski, Herta Müller, Günter Kunert, Uwe Timm, Hanns-Josef Ortheil, Friedrich Christian Delius, Anne Duden, Hartmut Lange, Wilhelm Genazino, Volker Braun, Angela Krauß, Arnold Stadler, Josef Haslinger, Marcel Beyer, Robert Schindel, Ulrich Woelk, Robert Menasse, Judith Kuckart, Werner Fritsch, Albert Ostermaier, Lea Singer, Kathrin Röggla und Doron Rabinovici.
Seit 30 Jahren besteht an der Universität Paderborn die nach Frankfurt/Main älteste Poetikdozentur in Deutschland. Sie wurde gegründet mit dem Ziel, durch die Begegnung mit Autoren und Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur Einsichten in literarische Prozesse, künstlerische Eigenarten, Bedeutungs- und Wirkungsdimensionen des geschriebenen Wortes zu vermitteln, Einblicke in die Bedingungen des Schreibens selbst, in die Arbeitsweisen von Schriftstellerinnen und Schriftstellern zu gewähren und von hier aus das Verständnis von Literatur zu fördern. Mit ihren selbstreflexiven Momenten bieten die in der Mehrzahl veröffentlichten Poetikvorlesungen der Paderborner Gäste eine Grundlage für die Auseinandersetzung mit ästhetischen Strukturen, Formungsweisen des literarischen Textes, Motivverdichtungen und Intentionen zeitgenössischer deutschsprachiger Literatur. Diese am Werk zu rekonstruieren, ist das Ziel des Bandes »Poetologisch-poetische Interventionen: Gegenwartsliteratur schreiben«. Er enthält Beiträge von renommierten Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zu allen Paderborner Poetikdozenten und -dozentinnen der letzten dreißig Jahre und bietet damit einen repräsentativen Querschnitt durch die deutschsprachige Gegenwartsliteratur.
Der Band befasst sich unter Rückgriff auf Ansätze der Material Culture Studies mit der Darstellung von Objektwelten, d.h. einzelnen Dingen oder auch Ding-Ansammlungen, im Werk Thomas Manns. In jüngster Zeit erfährt die materielle Seite von Kultur großes Interesse in den Geisteswissenschaften, die insbesondere die Frage nach der Welt der Dinge in den Fokus rücken. Obgleich sich in Thomas Manns Texten eine Vielzahl von Objekten finden lässt, denen als Dingmotiven zentrale Bedeutung zukommt, wurde das Werk eines der größten deutschen Erzähler des 20. Jahrhunderts noch nicht unter Rückgriff auf Ansätze der Material Culture Studies untersucht. Diese Forschungslücke schließt der vorliegende Band und eröffnet damit innovative Perspektiven für die Thomas Mann-Forschung.