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Author: Johanne Mohs

Um den Tod seiner in Auschwitz umgebrachten Mutter zu begreifen, entwickelt Georges Perec verschiedene Lagermetaphern. Dazu gehört die in W ou le souvenir d’enfance (1975) beschriebene Insel W, die von einer Diktatur des Sports regiert wird, genauso wie die Beobachtung, dass im Grunde alle seine Träume sich um das Leben in Konzentrationslagern drehen. In den folgenden Überlegungen wird beschrieben, wie Perec diese Metaphern poetologisch verarbeitet, indem er die Vorstellung des räumlichen und zeitlichen Eingeschlossenseins in seinen Texten produktiv macht und das Bild einer Schreibszene entwickelt, die von Eingrenzungen beflügelt wird. Diese beiden Umgangsweisen lassen sich aus Perecs Traumberichten und den dazu verfassten Paratexten ableiten. Sie werden im Laufe des Artikels auf medienhistorische Beobachtungen zum Schwarzraum bezogen und von der surrealistischen Praxis des Träumenotierens abgegrenzt.

In: An den Rändern des Lebens
Träume vom Sterben und Geborenwerden in den Künsten
Sterben und Geborenwerden liegen an oder jenseits der Grenzen des Lebens. Damit kommen sie stets entweder zu früh oder zu spät, um als authentische eigene Erfahrung mitgeteilt werden zu können. Träume hingegen vermögen in Form von Fiktionen, Imaginationen und Inszenierungen ästhetische Erfahrungsräume für diese extremen körperlichen Übergänge zu eröffnen. In Träumen vom Lebensanfang und Lebensende werden das ohnehin Rätselhafte des Traums, seine Missachtung der physikalischen Gesetze von Zeit und Raum sowie die Infragestellung kultureller Modelle von Identität, Kohärenz und Rationalität noch potenziert. Literarisch-künstlerische Traumerzählungen und Traumbilder finden höchst originelle Ausdrucksformen, um das Abwesende, Unvorstellbare oder nicht realistisch Erzählbare zu vergegenwärtigen und zu vermitteln: Von der klassischen Antike bis in die Gegenwart hinein lassen sich unzählige Träume in Literatur, Kunst, Musik, Theater und Film ausmachen, bei denen die leibliche und sinnliche Erfahrung von den Grenzen des Lebens im Mittelpunkt steht. Solchen Phänomenen des geträumten Geborenwerdens und Sterbens, seinen Wissensdiskursen sowie seinen komplexen künstlerischen Realisierungen widmet sich dieser Band, der sich im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs »Europäische Traumkulturen« als Beitrag zu einer Literatur-, Kultur- und Mediengeschichte des Traums versteht.